Deutsche Banken: "Aneger ins Messer laufen lassen"

Dresdner Citibank
Dresdner Citibank(c) AP (MICHAEL PROBST)
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Wer über deutsche Banken in Lehman-Zertifikate investierte, hat viel verloren. Nach der Pleite von Lehman Brothers drohen den Finanzhäusern jetzt massive Regressforderungen.

Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers drohen deutschen Banken massive Regressforderungen von Anlegern, die mit Lehman-Zertifikaten ihr Geld verloren haben.

Im Gegensatz zu Aktienfonds, die im Falle einer Bankpleite als Sondervermögen geschützt sind, handelt es sich bei Zertifikaten um Inhaberschuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, gehen die Anleger meist leer aus.

Eine Bremer Anwaltskanzlei, die nach eigener Aussage derzeit rund ein Dutzend Klienten mit einem Schaden von rund einer Million Euro vertritt, wirft der Dresdner Bank vor, dass sie Anleger ins Messer laufen lassen habe - obwohl die angespannte finanzielle Situation des amerikanischen Bankhauses längst bekannt gewesen sei. Die Bank wies die Vorwürfe zurück.

Dresdner: "Kein Handlungsbedarf"

In einer internen Einschätzung, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt, erklärte die Dresdner Bank noch drei Tage vor der Konkursankündigung der US-Investmentbank, man sehe "aktuell auf Basis der verfügbaren Informationen über die Bonitätseinstufung keinen Handlungsbedarf bei den Emissionen von Lehman Brothers oder anderen von uns aufgelegten Emissionen mit anderen Investmentbanken".

Der Bremer Anwalt Jan-Henning Ahrens sagte der AP, die Einschätzung habe das Geldinstitut seinen Retailbankern zur Verfügung gestellt. Sie sollten zur "Argumentationsunterstützung im Kundengespräch" dienen.

Aus den Unterlagen, die offensichtlich aus dem Investment Office der Dresdner Bank stammten, gehe eindeutig hervor, dass die Banker bereits vor dem Insolvenzantrag von Lehman Brothers Kenntnis von den katastrophalen Quartalszahlen gehabt hätten. "Trotzdem sollte den Kunden ganz offensichtlich weiter eine positive Einschätzung vermittelt werden", erklärte Ahrens.

"Mitteilungspflicht verletzt"

Nach Ansicht des Bremer Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht hat die Dresdner Bank ihre Pflichten nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WPHG) verletzt. "Bei Schuldverschreibungen, und nichts anderes sind die Zertifikate im Rechtssinn, hat die Bank die Pflicht, Anlegern solche Umstände mitzuteilen, die sich auf die Werthaltigkeit der Zertifikate auswirken." Offensichtlich habe man ganz bewusst und absichtlich in Kauf genommen, dass Kunden und Anleger schweren wirtschaftlichen Schaden erleiden.

Dresdner Bank weist Vorwürfe zurück

Die Dresdner Bank wies die Vorwürfe entschieden zurück, sie habe ihre Kunden getäuscht. "Die Bank hat definitiv kein Interesse daran, dass Kunden hier Geld verlieren und auch keine dem entgegenstehende Eigeninteressen", sagte Banksprecher Martin Halusa. Gegen unzutreffende oder verleumderische Behauptungen behalte man sich vor, "mit allen rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel vorzugehen".

Klagen gegen Citibank in Vorbereitung

Auch Anleger, die über die Citibank Lehman-Zertifikate erworben haben, organisieren sich derzeit. Sie werfen der Bank vor, über Risiken nicht ausreichend informiert worden zu sein. Ein Anleger, der nach eigener Aussage einen fünfstelligen Betrag verloren hat, sagte der Nachrichtenagentur AP, derzeit hätten sich rund 140 Personen zusammengetan - vornehmlich sogenannte Citigold-Kunden mit einem kontinuierlichen Guthaben von 75.000 Euro.

(Ag./Red.)

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