Breitenfeld spürt noch keinen Nachfrage-Rückgang.
wien. Zwei Mio. Euro hat der Börsegang gekostet, der angesichts der wachsenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten Ende November 2007 in letzter Minute abgesagt worden ist. Jetzt, elf Monate später, fällt Rudolf Jurak angesichts der noch viel schwereren Finanzkrise ein Stein vom Herzen. „Unsere Entscheidung war schwierig, aber goldrichtig – wir hätten nur viel Geld verloren“, sagt der Mehrheitseigentümer und Vorstand der Breitenfeld Edelstahl.
Die Kosten für den abgesagten IPO (Initial Public Offering, erster Schritt an die Börse), hat das steirische Unternehmen, das von Jurak nach der Insolvenz 1996 saniert und als Edelstahl-Spezialist etabliert wurde, längst verdient. In dem Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 wurden bei Auftragseingang und Auftragsstand Rekordwerte erzielt, weshalb der Umsatz um 37 Prozent auf 253 Mio. Euro gestiegen ist. Noch besser entwickelte sich das Ergebnis: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 89 Prozent auf 56,1 Mio. Euro zu. Das Betriebsergebnis (Ebit) verdoppelte sich auf 48,2 Mio. Euro.
„Wir haben die Absatzmenge um 24 Prozent auf 160.000 Tonnen gesteigert und den Produktmix verbessert“, sagt Jurak im Gespräch mit der „Presse“. Vor allem habe man die Verteuerung etwa bei Nickel und Schrott an die Kunden weitergeben können. Von einer Konjunkturflaute ist also noch nichts zu spüren? „Wir sind voll ausgelastet und fahren sieben Tage pro Woche in drei Schichten.“ Während im Maschinenbau und in der Autoindustrie die Nachfrage spürbar nachlasse, laufe es in der Energiewirtschaft sehr gut. Breitenfeld erzeugt Teile für Gas- und Dampfturbinen sowie Windkraftwerke.
Neues Stahlwerk, neuer Aktionär
Das exzellente Ergebnis verschafft dem Unternehmen auch ohne die erhofften Erlöse von rund 150 Mio. Euro aus dem Börsegang einen dicken Polster für die Expansion. 53 Mio. Euro fließen in das neue Stahlwerk, das schon im Bau ist und im April 2009 in Betrieb geht. Die Produktionskapazität wird damit auf rund 300.000 Tonnen verdoppelt. Damit soll die Nachfrage nach Spezialstählen befriedigt werden, und es sollen neue Kunden gewonnen werden. Hand in Hand damit wird der Personalstand von 420 auf gut 500 Mitarbeiter aufgestockt. Die Hälfte der neuen Beschäftigten wird schon geschult, „denn es wird schwieriger, Facharbeiter zu bekommen“. Dennoch denkt Jurak nicht daran, ins Ausland zu gehen. Das bringe zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Die Personalkosten machten hierzulande nur 8,2 Prozent des Betriebsaufwandes aus, verweist er auf die hohe Produktivität.
Statt des Börsegangs, „den wir weiterhin im Auge haben“, gab es im Sommer einen Aktionärswechsel: Morgan Stanley Private Equity und die Bast Investmentgruppe haben die DZ Equity als Finanzinvestor bei Breitenfeld abgelöst und halten nun 38,5 Prozent. Jurak besitzt über seine Fides Privatstiftung weiterhin die Mehrheit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2008)