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Anschlag auf kanadisches Parlament

Terror-Alarm in der kanadischen Hauptstadt Ottawa.
Terror-Alarm in der kanadischen Hauptstadt Ottawa.(c) EPA (CHRIS ROUSSAKIS)
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Ein Attentäter erschoss einen Soldaten und drang ins Parlament ein. Dort wurde er bei einer Schießerei getötet. Es war bereits der zweite Anschlag binnen drei Tagen.

Terror-Alarm am Mittwoch in der kanadischen Hauptstadt Ottawa: Ein bewaffneter Mann konnte ungehindert ins Parlament eindringen, nachdem er zuvor bereits am nahen Kriegerdenkmal einen Soldaten erschossen hatte. In den Gängen des Hohen Hauses kam es in der Folge zu einer Schießerei, bei der der Mann - laut dem Bericht eines Augenzeugen "ein kleiner Typ mit dunklen, langen Haaren" - getötet wurde.

Kanadische und US-Medien haben am Mittwoch die Identität des mutmaßlichen Angreifers auf das kanadische Parlament in Ottawa gelüftet. Wie ein hochrangiger US-Regierungsvertreter dem kanadischen Sender CBS sagte, soll es sich um Michael Zehaf-Bibeau handeln. Dieser soll nach kanadischen Medienberichten 1982 geboren und kanadischer Staatsbürger algerischer Abstammung sein. Kurz nachdem sein Name in Medien und Sozialen Netzwerken auftauchte, machte im Kurznachrichtendienst Twitter ein von Konten der Terrormiliz "Islamischer Staat" veröffentlichtes Bild die Runde, das angeblich Zehaf-Bibeau zeigen soll. Es zeigt einen jungen Mann mit langen Haaren, dessen untere Gesichtshälfte von einem "Palästinensertuch" verhüllt ist und der ein Gewehr hält.

Der Anschlag ereignete sich am Vormittag eines Sitzungstages, die meisten Abgeordneten waren daher im Parlament anwesend. Möglicherweise war auch Premier Stephen Harper in Gefahr: Er sprach gerade zu den Abgeordneten seiner konservativen Partei, als die Schießerei ausbrach. Die Abgeordneten verbarrikadierten sich in den Sitzungszimmern und in ihren Büros, Sondereinsatzkräfte der Polizei durchkämmten das Gebäude.

Weiterhin ging die Polizei offenbar davon aus, dass sich noch weitere Angreifer im Inneren des Gebäudes befinden könnten. Mehrere, offenbar im Parlament verbarrikadierte Abgeordnete berichteten noch Stunden später auf Twitter, sie könnten sich weiterhin nicht frei bewegen. "Immer noch verbarrikadiert, nur jetzt in einem anderen Raum. SWAT-Einsatztruppen durchkämmen das Hauptgebäude", schrieb Sean Casey gegen 21 Uhr MESZ.

Polizei spricht von "dynamischer Situation"

Die Polizei fahndet nach bis zu drei Attentätern. Die Sicherheitskräfte konnten allerdings auch bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag noch nicht sagen, ob es sich dabei um dieselben Bewaffneten handelte, die zuvor den Soldaten niedergeschossen hatten. Die Operation gehe weiter, die Bevölkerung sei weiterhin aufgerufen, das Stadtzentrum zu meiden.

Gepanzerte Fahrzeuge und schwer bewaffnete Polizisten gingen vor dem Parlament in Stellung und riegelten die Zufahrtswege ab. An den Ausfallstraßen von Ottawa wurden Straßensperren errichtet und jedes Auto durchsucht. Die Polizei sprach bei einer Pressekonferenz von einer "dynamischen Situation" und bat dringend um Informationen von Anrainern und Augenzeugen.

Anfängliche Berichte, dass es auch in einem Hotel und bei einem großen Einkaufszentrum in der Nähe des Parlaments eine Schießerei gegeben habe, dementierte die Polizei später wieder.

Kanada unterstützt Kampf gegen IS

Die kanadischen Behörden hatten erst am Dienstag die Warnstufe für terroristische Gefahren um eine Stufe von gering auf mittel heraufgesetzt. Am Montag hatte ein Attentäter mit islamistischem Hintergrund einen Soldaten getötet.

Erst am Dienstag hat Kanada sechs Kampfflugzeuge zur Unterstützung des Kampfes gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nach Kuwait geschickt, wo sie sich an Einsätzen im Irak beteiligen sollen. 

(APA/Reuters/Red.)