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Black-Hawk-Staffel: Die Lastesel der Republik

LANDUNG EINES BLACK-HAWK-HUBSCHRAUBERS ANL. LEISTUNGSSCHAU DES BUNDESHEERES AM HELDENPLATZ
LANDUNG EINES BLACK-HAWK-HUBSCHRAUBERS ANL. LEISTUNGSSCHAU DES BUNDESHEERES AM HELDENPLATZ(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Die Black-Hawk-Staffel ist militärisch und im Assistenzeinsatz kaum zu ersetzen. Nun müssen die Maschinen um 80 Mio. Euro nachgerüstet werden. Geld, das (noch) nicht da ist.

Langenlebarn. Die Regierung hat dem Bundesheer einen harten Sparkurs verordnet. So hart, dass Offiziere öffentlich darüber orakelten, ob die Truppe die auf 27 Seiten niedergeschriebene Sicherheitsstrategie der Republik (Download: Website des Bundeskanzleramts) überhaupt noch erfüllen kann. Sowohl militärisch als auch zivil.

Landesverteidigung und Katastrophenschutz sind jedoch teuer. Ein Stahl gewordenes Fanal dieses Dilemmas ist das Luftunterstützungsgeschwader im niederösterreichischen Langenlebarn. Das Gerät, das dort eingesetzt wird, ist der S-70 Black Hawk. Einer der 18 Einsatzpiloten ist Hauptmann Anton Diewok. Alle von ihnen tragen als Staffelabzeichen den fliegenden Elefanten mit den Segelohren, Dumbo, am Oberarm. Heute steht Diewoks Hubschrauber im polierten Hangar. 180 Stunden pro Jahr bewegt er ihn in der Luft. Wie lang die neun Maschinen, die als Einzige in Österreich bei jedem Wetter, bei Tag, bei Nacht, bei Frost und auch im Hochgebirge schwere Lasten tragen – für Hubschrauber ist das alles nicht selbstverständlich – aber noch fliegen, ist ungewiss. Gerade einmal zwölf Jahre im Dienst, steht für die Flotte eine größere Investition an. „Eigentlich“, sagt Diewok, „müssten wir sogar schon damit angefangen haben.“

Neue Displays, neue Computer

Wovon der 34-Jährige spricht, bereitet den budgetverantwortlichen Generälen im Verteidigungsministerium derzeit Kopfzerbrechen. Die Cockpits der Helikopter brauchen ein sogenanntes Upgrade. Geschätztes Investitionsvolumen: 80 Millionen Euro. Geld, das in Zeiten kostenbedingter Stilllegungen ganzer Waffengattungen nicht da ist.

Warum der im Prinzip noch jugendliche Black Hawk bereits teure Umbauten benötigt, erschließt sich einem erst auf dem Pilotensitz. Zwischen einer Unzahl an Schaltern und Knöpfen sind vier Multifunktionsdisplays – Piloten verwenden dafür die Abkürzung MFD – montiert. Auf ihnen laufen viele Informationen zusammen: Wetter, Flugdaten, Karten, Radar. Wie bei Computerbildschirmen ist die Lebensdauer der Displays beschränkt. Hersteller Sikorsky stellte die Produktion inzwischen ein. Auch der Computer des Helikopters, er wurde in den 1980er-Jahren entwickelt, ist mit modernen Anwendungen oft überfordert. Beim schnellen Zoomen von Karten stürzt er häufig ab. Die Lösung? „Neustart des Rechners während des Flugs.“ Diewok grinst.

Weil nun die MFDs, der Computer, die unzähligen daran angeschlossenen Systeme des Helikopters und die Software miteinander, als Paket – und das zuverlässig – funktionieren müssen, braucht es gänzlich neue Bedieneinheiten. Die Ersatzteilvorräte gehen gerade zu Ende – oder sind es bereits. Kommt nichts nach, müssen Schäden mit Teilen aus den anderen Helikoptern behoben werden. Irgendwann wäre die Flotte dann nicht mehr flugtauglich, das politische (und finanzielle) Desaster perfekt.

211 Millionen Euro hat Österreich 2002 für die neun Maschinen bezahlt. Obwohl das Heer mit der Agusta Bell 212 einen weiteren Transporthubschrauber betreibt, ist der Black Hawk im Bundesheer nicht zu ersetzen. Keiner hebt schwerer (vier Tonnen), keiner fliegt dabei höher (6000 Meter). Und keiner ist im Ernstfall und bei ausreichender Wiederbetankung länger einsetzbar (acht Stunden pro Tag). Das Einsatzsprektrum, das Diewok, seine Pilotenkollegen und die für den Betrieb nötigen Techniker abdecken, ist breit. In Bosnien transportieren derzeit zwei Maschinen österreichische (und verbündete) Soldaten, vor drei Wochen übte die Staffel mit dem Jagdkommando und anderen Spezialeinheiten aus Europa Infiltrationen und Geiselbefreiungen bei Nacht. Außerhalb des Bundesheeres transportiert die Staffel Schwerlasten bei Hochwassereinsätzen, löscht Waldbrände, befreit Schulkinder aus eingeschneiten Tälern. Nur für Windenbergungen im Hochgebirge gibt es geeignetere Maschinen. Hierfür ist der Black Hawk zu groß, der Abwind des von fast 4000 PS angetriebenen Rotors zu stark und damit zu gefährlich.

Kein Ersatz für Assistenz

In Zahlen gegossen waren die von den Landeshauptleuten und Bürgermeistern angeforderten Assistenzleistungen der Helikopter des Bundesheeres im Vorjahr beachtlich. In der Bilanz stehen 6500 transportierte Personen, 3627 Tonnen Material und 10.092 Hektoliter Löschwasser. Das alles geschah während 643 Flugstunden, die das Heer 7000 Euro pro Stunde kosten. Kosten, die dem Heer niemand ersetzt und die das Budget für militärische Aufgaben belasten. Womit wir wieder am Beginn der Geschichte wären.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2014)