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Gold: Die Deutschen und ihr Lieblingsmetall

(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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Die Deutschen gehören zu den größten Goldfans weltweit. Sie halten fünf Prozent aller physischen Bestände - und werden in Zukunft noch mehr kaufen. Nur für eine Goldklasse interessieren sie sich kaum: das sogenannte Papiergold.

Wien. Kein Volk auf der Welt hat ein sensibleres Verhältnis zum Geld als die Deutschen. Die Hyperinflation der Weimarer Republik und ihre furchtbaren Folgen sitzen heute noch so tief in der kollektiven Psyche, dass die Ökonomen der Bundesrepublik weltweit eine Sonderstellung als Hartgeldverfechter haben, in einer Zeit, in der weiche Währungen und Inflation sowohl Weg als auch Ziel der internationalen Geldpolitik zu sein scheinen.

Vor diesem Hintergrund sollte es nicht erstaunen, dass die Deutschen überdurchschnittlich stark auf Gold als sichere Anlage setzen. Die Talfahrt des Goldpreises seit seinem bisherigen Gipfel bei rund 1900 Dollar auf 1200 bis 1400 Dollar in den vergangenen Jahren hat den Enthusiasmus der Deutschen für das glänzende Metall auch nicht bremsen können. Waren 2010 – also vor dem Allzeithoch – noch 91 Prozent mit ihrem Goldinvestment zufrieden, so hat sich dieser Wert seitdem nur geringfügig gesenkt: auf 88 Prozent im Jahr 2014.

Das ist das Ergebnis der neuesten Studie „Goldinvestments 2014“, die im Auftrag des Edelmetallunternehmens Heraeus vom Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin durchgeführt wurde. Ähnliche Erhebungen existieren für Österreich zwar nicht – die Ergebnisse aus Deutschland sind aber ziemlich gut übertragbar.

Nun darf man nicht glauben, die Deutschen würden sich mit Gold eindecken – das ist sicherlich nicht der Fall. Die Deutschen haben ein Gesamtvermögen von rund 11,3 Billionen Euro – nur drei Prozent davon werden in Gold gehalten. Gold spielt neben Sparbuch und Wertpapieren also eine untergeordnete Rolle bei Investments und Anlagen – in Deutschland ist es nur prominenter als anderswo. „Mit aktuell 8200 Tonnen hat sich der Goldbesitz der Privatpersonen in Deutschland gegenüber 2012 um rund 200 Tonnen vergrößert. Aufgrund des stark gefallenen Goldpreises ist der Gegenwert jedoch mit 250 Mrd. Euro deutlich geringer als 2012“, heißt es in der Studie. Deutsche Privathaushalte besitzen damit knapp fünf Prozent des jemals geförderten Goldes.

 

Papiergold ist unbeliebt

4400 Tonnen halten die Deutschen in Form von Münzen und Barren und 3800 Tonnen als Goldschmuck. Eine Goldklasse hat in den vergangenen Jahren aber deutlich an Attraktivität eingebüßt : das sogenannte Papiergold – also Investmentvehikel, die den Goldpreis nachbilden – ohne direkt durch physisches Gold gedeckt zu sein. Für Spekulanten sind diese Produkte besser geeignet als physische Barren, weil das Problem der Lagerung wegfällt. Für langfristige Anleger und Sparer aber nicht, weil ein Gegenparteirisiko besteht. Heißt: Im Zweifelsfall muss man sich darauf verlassen, dass der Herausgeber eines Goldpapiers auch wirklich physisches Gold vorrätig hält und dieses ausliefern kann. Nur 14 Prozent aller Goldinvestments der Deutschen entfallen auf derartige Wertpapiere. Insgesamt besitzen aber knapp 67 Prozent der erwachsenen Deutschen physisches Gold in der einen oder anderen Form. Der Preisrückgang hat die Investoren sogar animiert, bei Münzen und Barren verstärkt zuzugreifen. Hatten 2010 nur 26 Prozent der Deutschen Gold in dieser Form – so sind es inzwischen 37 Prozent, also in etwa 25 Millionen Menschen. Durchschnittlich besitzt ein Deutscher 56 Gramm Gold – das ist etwas weniger als zwei Philharmonikermünzen.

Es gibt aber ein starkes regionales Gefälle: Die Süddeutschen besitzen durchschnittlich 77 Gramm und die Westdeutschen 70 Gramm – aber im Norden und Osten kommt man nur auf 52 und 53 Gramm Durchschnittsbesitz, was Münzen und Barren angeht. Beim Schmuck liegt der Westen knapp vor dem Süden – der Osten ist aber auch hier weit abgeschlagen. Die Studienautoren sehen den deutschen Goldmarkt in einer Konsolidierungsphase.

„Die Befürchtungen bezüglich der wirtschaftlichen Lage in Europa oder einer möglichen Währungsreform sind zurückgegangen, bleiben jedoch präsent“, heißt es. „Die Geldanlage in vermeintlich sichere Wertanlagen ist dadurch für viele Anleger – zumindest temporär – nicht mehr von primärer Bedeutung.“

 

Weil es so schön glänzt

Heißt übersetzt: Die Deutschen halten ihr Gold – laut der Studie ist ein Drittel der Goldbesitzer an der Marktlage überhaupt nicht interessiert und hält Gold bloß als Notgroschen, den man eigentlich nicht antasten will. Es kommt derzeit aber sicherlich nicht zu weiteren Panikkäufen wie während der Eurokrise. Damals bildeten sich an manchen Tagen auch in Österreich Schlangen vor den Münzgeschäften und dem Shop der Münze Österreich am Wiener Heumarkt.

Ein Viertel der Befragten hält die aktuelle Marktphase sinkender Aktienkurse, niedriger Inflation und niedriger Zinsen für günstig, um in Gold zu investieren. Und 25 Prozent der Anleger, die bereits Gold besitzen, würden auch bei einem fiktiven Kurs von 1500 Euro weiter zukaufen.

Die Motivationen für ein Goldinvestment sind Werterhalt (24 Prozent), Altersabsicherung (15,7 Prozent) und Absicherung vor Krisen und Inflation (zwölf Prozent). Nur 9,2 Prozent der Goldbesitzer erwarten überhaupt eine Wertsteigerung. Und 8,3 Prozent kaufen Gold in erster Linie wegen der Ästhetik – weil es so schön glänzt. [ iStockphoto ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2014)