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High-Performer: Forscher Auftritt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Henrietta Egerth, 37, Geschäftsführerin FFG. „Traineeships sind eine Win-win-Situation“, spricht Henrietta Egerth aus eigener Erfahrung. Als Geschäftsführerin plant sie deshalb auch gerade ein eigenes Trainee-Programm für die Forschungsförderung.

Ihr Arbeitsplatz ist ein Niedrigenergiehaus ganz in der Nähe der Uni Wien, die volle Ladung Energie versprüht sie lieber selbst: Henrietta Egerth ist forsch, aber warmherzig, zielstrebig, aber locker und – wie sie selbst sagt – „liberal, aber konservativ“. Eindeutig eine Macherin, die lebt, was sie arbeitet. Sofort die Bestätigung: „Mit diesem betonkerngekühlten Gebäude wollten wir ein Signal dafür setzen, dass wir Innovationen auch selbst zum Programm machen.“

Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist die 2004 gegründete Servicestelle für Unternehmen und die wissenschaftliche Community, die das volle Portfolio an Förderungen für die Branche anbietet. Egerth sieht die FFG als „moderne Agentur, die eine zentrale Rolle für Österreich als Forschungs- und Entwicklungsstandort spielt“. Eigentümer der Gesellschaft sind zu gleichen Teilen das Wirtschafts- und das Infrastrukturministerium, die Adressaten finden sich in der Unternehmerlandschaft. Hier ist Egerth offensichtlich eine Idealbesetzung: „Ich bin unternehmerisch geprägt, kenne aber auch den öffentlichen Bereich sehr gut. Ich fungiere als Übersetzerin an dieser Schnittstelle. Das spezielle Know-how und Verständnis für politische Abläufe habe ich in meiner Zeit als Trainee gelernt.“

Eigentlich wollte die gebürtige Oberösterreicherin Biologie studieren, entschied sich nach der Matura aber für ein Tourismus-Kolleg und studierte danach Handelswissenschaften. Ihre Dissertation schrieb sie 1995 zum Großteil schon in Brüssel, wo sie im Verbindungsbüro Oberösterreich Einblicke in Strukturfonds und Frauenförderprogramme gewann. Im Thinktank in der Europäischen Kommission war es ihr dann bald „zu bürokratisch“ und die Industriellenvereinigung bot sich an. Im Rahmen des Traineeprogramms verschlug es sie zwar nur eine Woche nach ihrer Rückkehr nach Österreich wieder nach Brüssel – „ins Nebengebäude“ – aber „ich fand die Zeit toll, war überzeugte Europäerin“. Der Dachverband der Industrie (damals UNICE, heute Businesseurope) war Egerths erste Station als Trainee. Nach insgesamt über drei Jahren in Brüssel wurde Egerth von der IV ans Wirtschaftsministerium „verliehen“ und arbeitete im Kabinett von Martin Bartenstein. „Ein Traineeship ist schon ein toller Einstieg in die Arbeitswelt. Es eröffnet einfach viele Chancen, Dinge auszuprobieren. Und das Netzwerk, das sich dadurch ergibt, ist ohnehin eine Win-win-Situation.“

 

Mobil im Kopf

Als Kabinettmitarbeiterin entwickelte Egerth den Zusammenschluss der verschiedenen Förderungsorganisationen im Forschungs- und Entwicklungsbereich mit, die FFG ist also so etwas wie „ihr Baby“. Mit typisch weiblichem Understatement dachte sie überhaupt nicht daran, dort selbst eine Führungsposition zu übernehmen. „Hätte ich das gewusst, hätte ich wohl auch einiges anders argumentiert“, lacht sie. Von Karriereplänen hält sie aber ohnehin wenig: „Es hat sich einfach immer ein Thema aufgetan. Dann heißt es, mobil im Kopf sein und die Chance ergreifen.“

Ihr Wirken bei der FFG seit 2004 ist eine Erfolgsgeschichte: Mit doppelt so vielen Mitarbeitern (aktuell 230) vergibt die Gesellschaft mittlerweile ein doppelt so hohes Fördervolumen (aktuell über 600 Millionen Euro) an die forschende Wirtschaft – von Nanotechnologie, IKT bis Verkehrstechnologie. Nun arbeitet Egerth daran, ein eigenes Traineeprogramm aufzubauen, „um uns als Arbeitgeber noch attraktiver zu machen“. Umgesetzt werden könnte es bis spätestens 2010: „Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es Sinn macht.“

Das (Energie-)Niveau hält sie immer schön hoch: Letztes Jahr bekam sie ihr erstes Kind, und nahm schon nach dem Mutterschutz wieder Platz im Chefsessel. „Durch meinen Sohn nehme ich mich nicht mehr so wichtig. Das ist auch fürs Berufsleben eine bedeutende Erfahrung.“ Privat ist Egerth „ein Medienjunkie“ und liebt Sportarten „mit viel Action“: Mountainbiken, Skifahren, Basketball, „wenn noch Energie übrig bleibt nach Arbeit und Familienprogramm. Sonst nicke ich auch gern über einem Buch ein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2008)