Immer mehr Banken verkaufen Fonds mit einer Kapitalgarantie.
Wien. Die Fondsgesellschaften stehen vor einem Problem: Die Kunden ziehen wegen der Finanzkrise Geld ab. Um das Geschäft in Krisenzeiten anzukurbeln, verkaufen die Banken nun verstärkt Garantieprodukte, wo das eingesetzte Kapital zu 100 Prozent abgesichert ist – nach dem Motto „Lieber weniger Gewinn, dafür nichts verliehen“. „Die Presse“ bringt einen Überblick über die besten Produkte; grundsätzlich sei aber gewarnt: Eine Kapitalabsicherung kostet Geld und verringert die Rendite. Wer glaubt, dass es mit den Börsen langfristig aufwärtsgeht, sollte direkt Aktien oder Aktienfonds kaufen.
Die Bawag-PSK Invest legte jüngst den „Top Trend Garant“ auf. Dabei handelt es sich um einen gemischten Fonds, der in Wachstumstrends (wie Emerging Markets, Energieaktien, Rohstoffe und Währungen) investiert. Die Zeichnungsfrist läuft bis 5.Dezember.
Lange Laufzeiten als Nachteil
Anleger, die den Fonds bis zum Ende der siebenjährigen Laufzeit halten, profitieren von einer 100-prozentigen Kapitalgarantie. Zusätzlich gibt es eine sogenannte „Höchststandsgarantie“ von 80 Prozent. Das heißt, jeder Anleger bekommt nach sieben Jahren 80 Prozent des höchsten, während der Laufzeit ermittelten Fondswertes ausbezahlt. Man kann den „Top Trend Garant“ jederzeit zum tagesaktuellen Preis verkaufen. Doch den Kapitalschutz gibt es nur nach Ende der Laufzeit. Und damit ist ein wesentlicher Nachteil von Garantieprodukten angesprochen: Es gibt meist lange Laufzeiten. Wer früher aussteigt, muss unter Umständen hohe Verluste hinnehmen.
Die Raiffeisen Capital Management bietet bis 14. November den „Eurasien Garantiefonds“ zur Zeichnung an. Dieser investiert in Euro-Anleihen und in Aktien der Wachstumsmärkte China, Indien, Russland und der Türkei. Ähnlich wie beim Bawag-Produkt profitiert man von einer Kapitalgarantie und einer Höchststandsgarantie von 80 Prozent – bei einer Laufzeit von sieben Jahren.
Die Bank Austria will mit einer „Inflations-Garantie-Anleihe“ punkten. Die Zeichnungsfrist läuft bis 16.Oktober. Die Anleihe (Laufzeit: drei Jahre) bietet eine Absicherung gegen die hohe Inflationsrate. Die Rendite hängt vom Verbraucherpreisindex für die Eurozone ab.
Die Erste Sparinvest plant einen Garantiefonds, dessen Zeichnung voraussichtlich am 20.Oktober beginnen wird. Das Kapital soll in drei Subthemenfonds angelegt werden. Versprochen wird, dass man an der Performance dieser drei Fonds zwischen 70 und 80 Prozent partizipieren kann. Die Laufzeit liegt bei fünf Jahren.
Die Volksbanken bieten mehrere Garantie-Zertifikate mit einem Kapitalschutz zum Kauf an: •„Spar Garant Vital“: Es gibt eine jährliche Fixverzinsung von 4,125 Prozent – unter Umständen werden auch 8,5 Prozent ausgeschüttet. Die Rendite hängt von der Entwicklung eines Aktienkorbs ab.
•„Fix&More-Energie“: Investiert wird in 16 Energieunternehmen (Laufzeit fünf Jahre).
•„Europa Express Garant“: Laufzeit von fünf Jahren, angelegt wird in 50 europäische Blue Chips.
Daneben gibt es noch viele in- und ausländische Banken, die Garantiezertifikate zu allen möglichen Anlagethemen aufgelegt haben. Diese können meist problemlos über die Hausbank oder einen Internet-Broker gekauft werden.
Bei Fonds und Zertifikaten ist allerdings das Emittentenrisiko zu beachten. Fonds liegen in Wertpapierdepots, die von der Bank nur verwaltet werden. Geht das Institut den Bach hinunter, kann man die Fonds – nach einer längeren Wartezeit – zu einem anderen Institut transferieren.
Emittentenrisiko beachten
Anders verhält es sich mit Zertifikaten. Diese sind für Anleger ein Problem, wenn der Emittent in die Pleite schlittert. Zertifikate sind technisch gesehen Anleihen, die bei einer Insolvenz unter Umständen wertlos sind.
Vor allem mit der kürzlich erfolgten Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers erlebten auch österreichische Zertifikate-Inhaber eine böse Überraschung. Werden die Zertifikate hingegen von einer österreichischen Großbank aufgelegt, gelten sie als relativ sicher.
Auf einen Blick
■Nach dem Motto „Lieber weniger Gewinn, dafür nichts verlieren“ setzen die Banken nun auf Anlageprodukte, bei denen das Kapital zu 100 Prozent abgesichert ist. Allerdings haben solche Fonds auch Nachteile: Es gibt meist lange Laufzeiten. Wer früher aussteigt, muss unter Umständen hohe Verluste hinnehmen. Außerdem kostet der „Schutzschirm“ Geld und verringert die Rendite deutlich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2008)