Zwischen Pest und Cholera

Banken mit Steuergeld vor der Pleite zu bewahren kann in Zeiten wie diesen die richtige Entscheidung sein.

Politiker dies- und jenseits des Atlantiks müssen sich in diesen Wochen zwischen Pest und Cholera entscheiden: Lassen sie angeschlagene Geldinstitute den Bach hinuntergehen, hat das dramatische Folgen für Sparer, Kreditnehmer, Konjunktur und Arbeitsplätze und kann auch andere Banken mit in den Abgrund reißen. Greift man wankenden Finanzinstituten mit staatlichen Finanzspritzen unter die Arme, kommt die Allgemeinheit zum Handkuss.

Je mehr sich die Krise zuspitzt, desto kleiner wird in Wahrheit der Spielraum der Finanzminister und Notenbanker. Angeschlagene Banken zu retten ist natürlich ein schwerer Sündenfall gegen die Marktwirtschaft, aber aktuell das kleinere Übel. Sogar US-Finanzminister Henry Paulson bereut es inzwischen wohl schon, dass er die Investmentbank Lehman pleitegehen ließ. Hätte man Lehman aufgefangen, wäre das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die US-Finanzbranche entweder gar nicht nötig gewesen, oder es hätte erheblich kleiner ausfallen können.

Sobald der Flächenbrand in der internationalen Finanzwirtschaft einigermaßen eingedämmt ist, muss alles getan werden, um derartige Katastrophen in Zukunft zu verhindern. Derzeit ist aber Löschen das Gebot der Stunde – auch im Interesse der Steuerzahler, die so oder so die Zeche zu bezahlen haben.

(Bericht: S. 1)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2008)

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