Industrierohstoffe haben sich seit den Höchstständen im Juli im Schnitt um 43Prozent verbilligt. Das wäre derzeit wohl der positivste Aspekt der internationalen Finanzkrise.
London (Bloomberg/schell). Während allerorts großes Entsetzen ob der heftigen Kursverluste an den Aktienmärkten herrscht, beginnen langsam, aber sicher die Produzenten wichtiger Industrierohstoffe zu leiden: Die Rohstoffpreise steuern auf den größten Jahresverlust seit dem US-Rezessionsjahr 2001 zu. Seit Juli sind die Notierungen wichtiger Industrierohstoffe um 43 Prozent gefallen, wie ein Blick auf das Marktbarometer, den CRB-Index, zeigt. Darin enthalten sind die Preise für Gold, Nickel, Erdöl, Kaffee, Baumwolle und weiterer 14 Rohstoffe.
Auslöser für die fallenden Preise ist Analysten zufolge die um sich greifende Angst vor einem konjunkturellen Abschwung. Womit sich der Preisverfall bei Rohstoffen als einer der wenigen positiven Nebeneffekte der Finanzkrise wieder relativiert. Faktum ist, dass Investoren ihre spekulativen Positionen zusehends abzubauen und aus dem Rohstoffgeschäft auszusteigen beginnen.
„Ende der Preishausse bei Rohstoffen“
Die internationale Finanzkrise, die bereits Investmentbanken wie Lehman Brothers und Merrill Lynch dahingerafft hat, zwingt viele Investoren zum Ausstieg, um die Liquidität zu erhöhen. So plant auch die Schweizer Großbank UBS, aus dem Handel mit Rohstoffen auszusteigen. „Die Zeit der stetig steigenden Rohstoffpreise ist vorbei“, meint der Finanzexperte Chris Rupkey von der japanischen Bank Tokyo-Mitsubishi UFJ.
Hinzu kommt die reduzierte Nachfrage aufgrund der allseits erwarteten Konjunkturabschwächung. Besonders schön ist der Preisrückgang bei Rohöl zu sehen: Ein Barrel (zu 159 Liter) der für Europa relevanten Nordsee-Marke Brent hat sich seit den Rekordständen im Juli mittlerweile um 40 Prozent verbilligt. Allerdings ist Rohöl noch immer alles andere als günstig, liegt der Preis mit knapp 87 Dollar je Fass noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Spürbar günstiger geworden ist überraschenderweise auch Gold, das je Unze um 828 Dollar (600 Euro) zu haben ist. Das ist um knapp 16 Prozent weniger als Mitte Juli. Bemerkenswert ist dieser Preisrückgang insbesondere aufgrund der starken Nachfrage nach dem „Krisenmetall“. Allerdings dürften die Notenbanken Gold en gros auf den Markt werfen, wodurch das Angebot offenbar noch stärker steigt als die Nachfrage.
Auf einen Blick
■Industrierohstoffe haben sich seit den Höchstständen im Juli im Schnitt um 43Prozent verbilligt. Das wäre derzeit wohl der positivste Aspekt der internationalen Finanzkrise. Allerdings ist der Grund schon weniger erfreulich: Grund für den Preisverfall bei Öl, Gold, Nickel, Kupfer & Co. ist eine spürbare Abkühlung der Konjunktur.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2008)