Vorstandschef Cirinà: „Wir lassen unsere Kunden mit Lehman-Produkten nicht im Stich.“ Pflichtversicherung gegen Naturkatastrophen gefordert.
Wien/Taormin (dom). Bisher konnten die heimischen Autofahrer bei der Kfz-Versicherung vom harten Wettbewerb zwischen den Versicherungen profitieren. Durch die Finanzkrise, die auch den Erträgen der Assekuranzbranche zusetzt, dürfte sich das ändern. „Die Rabattschleuderei wird aufhören, irgendwann wird sich die Frage einer Prämienerhöhung stellen“, sagte Andreas Haschka, Finanzvorstand der Generali-Versicherung, vor österreichischen Journalisten. Auch in anderen Sparten der Sachversicherung könnte es zu einer Anhebung der Prämien kommen.
Teure Stürme „Emma“, „Paula“
Höhere Prämien drohen auch in der Sturmversicherung. Die Schäden durch die beiden Stürme „Paula“ und „Emma“, die im Jänner bzw. März 2008 über Österreich hinwegfegten, dürften 250 bis 300 Mio. Euro betragen, rund 60 bis 70 Prozent davon waren versichert. Weil die Prämieneinnahmen nur rund die Hälfte dieses Betrags ausmachen, wird laut Walter Kupec, dem für die Sachversicherung zuständigen Generali-Vorstand, auch die Sturmschadenversicherung in absehbarer Zeit teurer werden. Wie stark die Prämienerhöhungen ausfallen könnten, wurde nicht beziffert.
Die Gefahren durch Hochwasser und Erdbeben können nach Einschätzung der Versicherungsbranche weder allein vom Staat (über den Katastrophenfonds) noch über die private Versicherungswirtschaft abgesichert werden. Deshalb verlangt die Branche seit langem eine Pflichtversicherung gegen Naturkatastrophen, wie sie bereits in der Schweiz, Spanien oder Frankreich existiert.
An einem Pool, der mit etwa drei Mrd. Euro dotiert werden und den notwendigen Risikoausgleich garantieren könnte, sollten sich Erstversicherer, Rückversicherer und Staat beteiligen. Die Belastung für den einzelnen Versicherten wäre laut Kupec „äußerst gering“: Für ein Gebäude mit einem Wert von 300.000 Euro würden pro Jahr etwa 60 Euro anfallen.
Fast fünf Prozent Prämienplus
Vor allem bei Überschwemmungen sind die Schäden sehr oft nicht durch Versicherungen gedeckt. Der staatliche Katastrophenfonds, der mit rund 300 Mio. Euro dotiert ist, reicht bei großen Hochwasserkatastrophen wie jener im Jahr 2002 bei Weitem nicht aus. Deshalb will die Versicherungsbranche den politischen Druck verstärken, damit in Österreich eine Pflichtversicherung eingeführt wird.
Im ersten Halbjahr 2008 setzte die Generali Holding Vienna AG ihren Wachstumskurs fort, der Überschuss konnte um zehn Prozent auf 68 Mio. Euro gesteigert werden. Die Prämieneinnahmen stiegen um fast fünf Prozent auf 1,23 Mrd. Euro. Gut entwickelt haben sich auch die ebenfalls zur Generali gehörenden Gesellschaften Bawag/PSK Versicherung und Europäische Reiseversicherung. Die Bawag/PSK-Versicherung erzielte im ersten Halbjahr 2008 in der Lebensversicherung bereits ein Prämienaufkommen von mehr als 100 Mio. Euro (plus 15 Prozent).
Rund 2000 Kunden der Generali haben das Garantieprodukt „Premium Edition 168“ gekauft, hinter dem die mittlerweile insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers steht. Lehman war sowohl Emittent als auch Garantiegeber des Einmalerlagprodukts. Das Volumen macht rund 40 Mio. Euro aus. Laut Generali-Vorstand Luciana Cirinà wird man für diese Kunden demnächst eine Lösung präsentieren. „Wir haben 175 Jahre lang niemanden im Stich gelassen und werden das auch in Zukunft nicht tun“, so Cirinà.
Wegen der Finanzkrise werden in der nächsten Zeit nach Einschätzung der Generali-Spitze fondsgebundene Lebensversicherungen und Garantieprodukte eher stagnieren, die zuletzt weniger gefragte klassische Lebensversicherung eine Renaissance erleben. Dass die Garantieprodukte völlig tot sind, glaubt Haschka nicht. „Wir werden uns aber den Partner künftig gut aussuchen.“ Die Generali selbst hat keine Lehman-Papiere in ihren Büchern.
auf einen Blick
■Die Finanzkrise dürften indirekt auch die Autofahrer zu spüren bekommen. Nach Einschätzung der Generali-Versicherung wird die „Rabattschleuderei“ in der Kfz-Versicherung aufhören, eine Prämienerhöhung ist zu erwarten.
■Teuer werden dürfte wegen der hohen Schäden durch „Emma“ und „Paula“ auch die Sturmschadenversicherung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2008)