Rund 70 Verletzte bei gewaltsamen Zusammenstößen in Bangkok. Etwa tausend Polizisten gehen mit Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor. Regiergungschef Wongsawat flieht mit einem Helikopter.
Die seit sechs Wochen andauernde politische Krise in Thailand hat sich weiter verschärft. Die Polizei hat am Dienstag ohne Erfolg versucht, eine Blockade des Parlamentsgebäudes in Bangkok gewaltsam aufzulösen. Etwa tausend Polizisten gingen mit Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor und rissen die Barrikaden mit Stacheldraht nieder. Krankenhausangaben zufolge wurden mindestens 69 Menschen verletzt.
"Das ist barbarisch", sagte eine 53-jährige Demonstrantin, die am Kopf verwundet war. "Wir hätten nicht gedacht, dass die Polizei uns angreift." Es waren auch Schüsse zu hören; Sanitätern berichteten von Verletzungen durch Gummigeschoße. Die Polizisten waren nach offiziellen Angaben unbewaffnet.
Die Demonstranten wollten die Antrittsrede des neuen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat vor den Abgeordneten verhindern, in der dieser seine Politik und Pläne für eine Verfassungsänderung darlegen will. Die Polizei zerstreute die Demonstranten mit einem Überraschungsangriff zunächst. Dann umstellten immer neue Kundgebungsteilnehmer aber neuerlich das Areal. Hunderte Abgeordnete saßen dort fest. Wongsawat floh - per Helikopter - aus dem Parlament.
Vizepremier tritt zurück
Vizepremier Chavalit Yongchaiyudh trat unterdessen von seinem Amt zurück. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten stimme nicht mit dem überein, was er "versprochen" habe, versicherte Chavalit in einer handschriftlichen Erklärung.
Drahtzieher der Blockade war das Oppositionsbündnis PAD, das seit Wochen den Regierungssitz besetzt hält. Die außerparlamentarische Volksallianz für Demokratie (PAD) wirft Somchai sowie dessen Vorgänger Samak Sundaravej vor, lediglich "Marionetten" des 2006 durch einen Militärputsch gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra zu sein. Thaksin, den die PAD für die grassierende Korruption verantwortlich macht, lebt im Exil in Großbritannien.
Die politische Krise in Thailand dauert schon seit Ende August. Der damalige Regierungschef ist wegen einer Nebenbeschäftigung als Fernsehkoch zum Rücktritt gezwungen worden, doch gehört sein Nachfolger Somchai ebenfalls der von den Demonstranten verhassten größten Partei an. Somchai ist ein Schwager von Thaksin.
(APA/Red.)