Automobilhandel: Globale Kaufzurückhaltung

(c) AP (Joerg Sarbach)
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Die Verunsicherung durch die Finanzkrise führt dazu, dass Autokäufe auf die lange Bank geschoben werden. Mehrere Hersteller legen daher Werke kurzzeitig still und drosseln die Produktion.

Wien. 200 der 6200 Mitarbeiter von Magna Steyr in Graz spürten bereits vor zwei Wochen die Auswirkungen der Kaufzurückhaltung bei Autos am eigenen Leib. Magna-Kunde Chrysler reduzierte kurzfristig die Zahl der Autos, die für den US-Konzern in Graz gebaut werden sollen. Um die daraus entstandene Überkapazität zu reduzieren, wurden 200 Jobs per Jahresanfang 2009 gestrichen.

Opel, Ford, Mercedes...

Chrysler befindet sich mit der Drosselung in guter Gesellschaft. Denn in den vergangenen Tagen haben auch mehrere europäische Autohersteller Werksferien verlängert oder Werke für mehrere Tage stillgelegt. So stoppt Opel bei zwei deutschen Standorten für mehrere Wochen die Produktionsbänder. In einem spanischen Opel-Werk soll die Nachtschicht sogar zwölf Monate lang ausfallen. „Die Finanzkrise führt dazu, dass die Menschen ihr Geld festhalten und nicht für Autos ausgeben“, meinte ein Opel-Sprecher gegenüber der Agentur Reuters. Insgesamt will Opel so 40.000 Autos weniger bauen als bisher geplant.

Zu Kündigungen soll es bei Opel nicht kommen. Anders die Situation bei Ford: Der US-Autokonzern entlässt an einem deutschen Standort aufgrund der Absatzflaute rund 200 Zeitarbeiter früher als geplant. Bei Daimler gibt es zwar keine Pläne für einen Jobabbau. Die Mitarbeiter müssen jedoch früher ihren Weihnachtsurlaub antreten. Im Mercedes-Stammwerk bei Stuttgart sollen die Bänder bereits ab Mitte Dezember stillstehen. Dies soll die Produktion um 35.000 Autos senken. Auch bei den VW-Töchtern Skoda und Seat sowie bei BMW soll die Jahresproduktion reduziert werden. „Die Anpassung der Produktionszahlen an die Nachfrage ist aus der Sicht des Handels gut, da sie die Preise stabilisiert. So müssen nicht Autos in den Markt gedrückt werden, weil sie schon produziert sind“, sagt Gustav Oberwallner, Obmann des Fachverbands des heimischen Fahrzeughandels. Er geht davon aus, dass sich auch die heimischen Kunden beim Autokauf zurückhalten werden. „Bislang kann man an den Zahlen aber noch nichts ablesen“, meint dazu Hermann Becker, Sprecher des heimischen Branchenprimus Volkswagen. „Aber die Krise ist erst vor kurzem wirklich im Bewusstsein der Österreicher angekommen. Und auf diesem gesättigten Markt führt jede Verunsicherung zu Nachfragerückgängen“, so Becker.

Laut Oberwallner hat die Finanzkrise in einem gewissen Bereich schon länger Auswirkungen auf den Autohandel: „Die Kreditzinsen sind hoch und der Zugang zu Krediten ist schwieriger geworden.“ Dies sorge auf einem Markt, bei dem ein Großteil der Käufe zumindest teilweise per Kredit oder Leasing finanziert wird, natürlich für Schwierigkeiten.

Heftiger Einbruch in den USA

Einen Vorgeschmack auf den in Europa erwarteten Verkaufsrückgang haben die Autokonzerne bereits im September in den USA erhalten. Dort war der Markt mit einem Absatzminus von knapp 30 Prozent eingebrochen. Stark betroffen sind davon die ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen US-Konzerne, die immer noch zu viele spritschluckende und teure SUV in ihrem Modellprogramm haben.

Allerdings gibt es auch in Krisenzeiten Gewinner. Einer davon ist der italienische Luxusfahrzeug-hersteller Maserati. Die Italiener haben ihre Verkäufe heuer bislang um 40 Prozent gesteigert und rechnen mit einem neuen Rekord. Im Vorjahr wurden weltweit 7353 Maserati verkauft.

AUF EINEN BLICK

Aufgrund der Finanzkrise halten sich die Konsumenten mit dem Kauf von Neuwagen zunehmend zurück. In den USA sind die Verkaufszahlen bereits um 30 Prozent eingebrochen.Die Hersteller reagieren daher mit zeitweisen Werksstilllegungen und wollen so ihre Jahresproduktion senken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2008)

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