ORF: Vier "Aktionspläne" und eine Standortfrage

(c) ORF (Milenko Badzic)
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Die Entscheidung über den Standort Küniglberg fällt bis Mitte 2009. Die Online-Direktion wird fix in die ORF-Online-Tochter eingegliedert.

9/15 ist zwar nicht 9/11, aber: "Die Welt nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ist eine neue", sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Montag. Davor tagte stundenlang der Stiftungsrat, Aufsichtsgremium des Unternehmens. Derzeitige Situation des ORF: Das Jahresergebnis 2008 wird deutlich schlechter ausfallen als erwartet (geplant: -60,5 Mio. Euro), das kann aber noch mit Reserven gedeckt werden.

Doch: Konjunktur und Strukturprobleme würden die Jahresergebnisse ohne Gegenmaßnahmen massiv sinken lassen. Bis 2010 könnte das Minus auf knapp 100 Millionen Euro wachsen - die Werbeerträge könnten um fünf bis zehn Prozent pro Jahr fallen. Nach dem akuten Ausbruch der Finanzkrise haben zuletzt bereits einige Konzerne ihre geplanten Werbekampagnen (zum Teil) storniert.

Angesichts dessen werde im Stiftungsrat langsam auch an Tabus gerüttelt, berichteten Sitzungsteilnehmer. Wrabetz hat Mittwoch vier "Aktionspläne" für Ausgaben- und Einnahmenseite vorgestellt:

> Personal: Bei der anstehenden Lohnrunde, Zulagen und Arbeitszeitregelung könnte gespart werden. Es wird noch mit dem Betriebsrat verhandelt.

> Struktur: Auslagerungen könnten das Rechte- und das Facility-Management (Hausverwaltung) sowie das Radio-Symphonieorchester betreffen. Die Führungsstrukturen von Online-Direktion und ORF On werden noch heuer zusammengeführt - wie dies (personell) realisiert wird, wird bis Ende 2008 entschieden.

> Vermögen: Ob der Standort Küniglberg für den ORF Zukunft hat, will Wrabetz bis Mitte 2009 entscheiden. Möglich wäre auch der Verkauf der ORF-Anteile an der Sendetechniktochter ORS (60% ORF, 40% Raiffeisen-Medicur). Der Marktwert der ORF-Anteile wird auf über 100 Mio. Euro geschätzt. Und: Beim 6%-Lotterien-Anteil des ORF werden Optimierungen überlegt.

> "Wünsche an die Politik": Der ORF hofft, dass der Gesetzgeber ihm jene Gebühren ersetzt, die ihm durch davon befreiten Haushalten entgehen (57 Mio. Euro). Wrabetz stellt sich außerdem vor, die TV-Werbezeiten bis 2013 von 40 auf 48 Minuten pro Tag auszudehnen. Auch ein Modell für eine jährliche Gebührenerhöhung („Valorisierung") von 2 Prozent ab 2010 hat er präsentiert.

Das Gremium bekannte sich Mittwoch zur „Unteilbarkeit" des ORF: Es sollen keine Programme privatisiert werden. Pekarek war vor kurzem zitiert worden, er könne sich Teilprivatisierungen vorstellen. Er wechselt zur Raiffeisen Zentralbank, habe dort aber nichts mit Medienangelegenheiten zu tun, sagte er.

Beschlossen hat der Stiftungsrat auch, bis Anfang 2009 ein „tabuloses" Strategie- und Strukturkonzept auf dem Tisch haben zu wollen. Bis Mitte des Jahres soll es beschlussfähig sein.

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