Niklaus Helbling inszeniert im Kasino „Ende gut, alles gut“ mit modernen Zwischentönen.
Eine ganz korrekte Shakespeare-Komödie mit dem sehr interessanten Plot einer erzwungenen Liebe sieht Regisseur Niklaus Helbling in „Ende gut, alles gut“, das am Freitag in Wien Premiere hat. „Das hat etwas sehr Irritierendes, aber für mein Gefühl auch Verlockendes.“ Besonders die Frauenfigur Helena hat den Schweizer (geboren 1959) angezogen. Das Stück eigne sich auch bestens für Ensembletheater. In diesem späteren Text William Shakespeares gebe es eine interessante Generationenkonstellation. „Im früheren Werk haben die Alten die Liebe immer verhindert, hier aber wollen sie die Liebe erzwingen. Es wird von einer Gruppe Liebeshungriger und Liebesvermissender ein Liebes-Experiment an zwei jungen Menschen vollzogen.“
Zwischen Schmerz und Lust
Handelt es sich aber wirklich um eine Komödie bei diesem Shakespeare in der Midlife-Crisis? „Komik entsteht aus Not. Das Farcenhafte mit diesen merkwürdigen Gefühlslagen ist auch modern, diese Zwischentöne zwischen Schmerz und Lust sind irritierend. Und zugleich gibt es den Komödien-Plot, wir werden das sportlich spielen. Das Happy Ending ist zwiespältig, aber es ist eines.“ In Bertram, der die liebeshungrige Helena partout nicht heiraten will, sieht Helbling mehr als nur einen vertrottelten Snob. „Es ist ein durchaus verständlicher junger Mann, der darauf besteht, dass er seine Wahl selber treffen darf. Da teile ich auch diesen Ekel des amerikanischen Literaturprofessors Harold Blooms nicht, der ganz abgestoßen von Bertram ist. Ich will beide jungen Leute verstehbar machen.“
Er habe eine relativ rabiate Fassung gemacht, in der alten, verlässlichen Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg. „Die Inszenierung konzentriert sich sehr auf den Weg von Helena und das Erwachsenwerden Bertrams. Für ihn gibt es eine Einführung in die Grausamkeit. Er hat eine Menge zu lernen, auch die Brutalität.“ Psychologisierung aber funktioniere immer nur bis zu einem bestimmten Punkt. „Jede Szene hat bei Shakespeare ein ganz klares Verhandlungsziel. Man muss auf der Bühne Dinge aussparen, die man als Zuschauer verarbeiten muss. Die Grobheit zwingt den Zuschauer gedanklich hinein.“ Eine Formel für das Geschehen wäre: Ist Liebe erzwingbar? „Interessanterweise funktioniert das hier.“
„Diese Schauspieler fordern mich“
Bisher hat Helbling von Shakespeare „Was ihr wollt“ und „Othello“ gemacht. „Das ist jetzt mein drittes Stück von ihm. Für mich gibt es noch eine Menge zu lernen. Es ist unfassbar anziehend, dass Shakespeare so viel über Theater weiß. Seine Polarität macht fassungslos.“ Auch bei Brecht gebe es Reichtum, aber sehr viel schmaler.
Die Arbeitsbedingungen im Burgtheater genießt Helbling: „Diese Schauspieler fordern mich, und ich fühle mich aufgehoben hier.“ Mit dem künftigen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann hat er bereits oft zusammengearbeitet. Es ist also in Wien noch mehr von Helbling zu erwarten.
AUF EINEN BLICK
■„Ende gut, alles gut“ hat am 10.10. (20h) im Kasino am Schwarzenbergplatz Premiere. Niklas Helbling (links) führt Regie. Mareike Sedl spielt die Helena, Gerrit Jansen den Bertram, Maria Happel ist in vier Rollen zu sehen. Nächste Termine: 13./14.10. [Klaus Lefebvre/Burgtheater]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)