Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Britische Banken: Staat vor Einstieg

Der Staat dürfte vorübergehend Anteile an acht Banken übernehmen.

London (ag/red.). Großbritannien folgt dem Beispiel der USA und schnürt ein milliardenschweres Hilfspaket für angeschlagene Banken. Die britische Regierung stellt den größten Instituten des Landes 50 Milliarden Pfund (65 Milliarden Euro) an frischem Kapital zur Verfügung. Darüber hinaus werden im Notfall bis zu 200 Milliarden Pfund in die Märkte gepumpt, um die Finanzwirtschaft mit ausreichend Liquidität zu versorgen.

Für die erwähnten 50 Milliarden Pfund wird der Staat vorübergehend Anteile an sieben britischen Großbanken und einer Bausparkasse übernehmen. Damit werden unter anderem die renommierten Institute Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB und Royal Bank of Scotland teilweise verstaatlicht. Dabei handelt es sich – wie auch in den Vereinigten Staaten – nicht um Geldgeschenke. „Das Geld wird an das gesamte System verliehen, und wir werden es nach drei Jahren zurückbekommen“, meinte Finanzminister Alistair Darling am Mittwoch.

Es gehe auch keineswegs darum, die Kontrolle über die britischen Großbanken zu übernehmen, wie Darling eilig betonte. „Wir reden nicht darüber, die Banken in Zukunft selbst zu betreiben“, so der britische Finanzminister. Premierminister Gordon Brown rechtfertigte den seiner Ansicht nach „radikalen Eingriff“ damit, dass die Regierung eben mehr tun musste, als den Märkten bloß mehr Liquidität bereitzustellen.

Einige der großen britischen Banken hätten allein in den vergangenen Tagen bis zur Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt. Dem staatlichen Rettungspaket gingen bereits hartnäckige Gerüchte über drohende Pleiten in der britischen Hochfinanz voraus. Das nun geschnürte Hilfspaket muss allerdings noch von der EU-Kommission gebilligt werden, woran allerdings nicht gezweifelt wird.

Unterstützung erhält die britische Regierung aus Paris. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde geht davon aus, dass die Kapitalspritzen vom Staat die Stabilität der britischen Finanzinstitutionen erhöhen. Der von Großbritannien eingeschlagene Weg stünde auch im Einklang mit der Doktrin des Pariser Krisengipfels vom vergangenen Wochenende. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien hatten dabei vereinbart, das Scheitern von führenden Banken unter allen Umständen zu verhindern.


Italien arbeitet an Rettungsplan

Italien dürfte als nächste große EU-Volkswirtschaft einen Rettungsplan verabschieden. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti hatte noch für Mittwochabend Politiker, Banker und Industrielle zu einem Krisengipfel geladen. Dabei sollten die Lage am italienischen Bankenmarkt geklärt sowie nötige Hilfsmaßnahmen besprochen werden. Die Tagung war zu Redaktionsschluss noch im Gange. Vor dem Treffen sickerten allerdings Informationen durch, wonach Italien ein Rettungspaket schnüren wolle, das dem britischen Modell sehr ähnlich sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)