Rekord bisher: 129 Tage

Eine kurze Geschichte der Regierungsverhandlungen.

Wien (oli). Die Zahl elf spielte eine nicht unwesentliche Rolle. Am 11.Oktober 2006 erhielt Alfred Gusenbauer den Regierungsbildungsauftrag. Am 11. Jänner 2007, genau drei Monate später, wurde das rot-schwarze Kabinett angelobt. Dazwischen lagen elf Verhandlungsrunden. Und eine Unterbrechung. Ende Oktober war die ÖVP vom Verhandlungstisch aufgestanden, da die SPÖ zwei U-Ausschüsse (Eurofighter und Banken) mit installiert hatte, zwei Wochen später kehrte die ÖVP jedoch zurück.

102 Tage wurde 2006/2007 verhandelt. 96 Tage waren es 2002/2003 gewesen, als erst wochenlang sondiert wurde, ehe ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel exklusive Verhandlungen mit den Grünen aufnahm, die nach zehn Tagen scheiterten. Schüssel schloss wieder mit der FPÖ ab.

1999/2000 hatte Schüssel 124 Tage gebraucht, um aus der dritten Position heraus Schwarz-Blau zu zimmern. Der Regierungsbildungsauftrag war erst an Viktor Klima (SPÖ) ergangen, der lange mit der ÖVP verhandelte – bis Metallergewerkschafter Rudolf Nürnberger (SPÖ) dies torpedierte und ÖVP-Chef Schüssel das Geschenk dankbar annahm.

Der Rekord an Verhandlungstagen datiert aus den Jahren 1962/1963: Alfons Gorbach (ÖVP) brauchte 129 Tage, um eine Große Koalition zu schmieden. Am schnellsten war Bruno Kreisky 1975. Er brauchte nur 23 Tage. Er hatte es auch leicht: Seine SPÖ verfügte über die absolute Mehrheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)

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