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Strategie, Taktik und Teamwork

(c) Allianz
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Allianz-Vorstand Johann Oswald bezeichnet Investitionen in die Sicherheit von morgen als wichtige Zukunftsstrategie für die Versicherungsbranche.

Die Presse: Zahlen des Sport-Staatssekretariats besagen, dass 60 Prozent der Österreicher nur ein- bis zweimal monatlich Sport betreiben. Was sagt ein Versicherer dazu?

Johann Oswald: Als Versicherer haben wir Interesse, dass unsere Kunden gesund sind. Leute, die Sport betreiben, sind aufmerksamer und aktiver im Leben und schätzen ihr Risiko selbst ein. Das Unfallrisiko ist höher, aber dazu bekennen wir uns auch. Doch es gibt keinen direkten Link zwischen sportlicher Betätigung und versicherungstechnischen Überlegungen. Außer in der Krankenversicherung.

Die Industriellenvereinigung errechnet, dass Sportausübung – nach Abzug der durch Sportunfälle verursachten Kosten – Einsparungseffekte von 260 Mio. Euro jährlich bringt. Wie kann eine Versicherung davon profitieren?

Oswald: So eine Kalkulation haben wir nicht angestellt. Auch nicht, wie sich Sport auf die Lebenserwartung auswirkt. Wir kalkulieren unsere Tarife anhand der üblichen Statistiken in Bezug auf Lebenserwartung. Eines ist klar: Menschen, die sportlich aktiv sind, wissen, wann sie einen Partner brauchen.

Wo sind im Sport die Grenzen des versicherbaren Risikos?

Oswald: Die übliche Grenze ist der Wettkampfsport. Letztlich kann man an den Londoner Markt gehen und die wildesten Sachen versichern. Geht es um Mannschaften, ist immer im Einzelfall zu prüfen, ob wir das versichern.

Worauf kommt es dabei an?

Oswald: Wird ein Rugby- oder Eishockey-Team versichert, ist im Vorhinein klar, was und wie oft etwas passieren wird. Oft zahlt sich das für Klubs nicht aus, weil sie kein Geld haben. Doch es gibt andere versicherungsrelevante Überlegungen: Was machen Sportler nach der Karriere, wenn Sport als Geschäftsgrundlage wegfällt? Skifahrer werden Hoteliers – eine Chance, die nicht jeder hat. Aber es gibt Vereine, die Leistungsprämien in Form von Einmalerlägen in die Altersvorsorge investieren.

Von Sportlern welcher Disziplinen werden Versicherungen besonders häufig abgeschlossen?

Oswald: Eine Differenzierung ist kaum möglich. Wir bemerken aber, dass Unfallversicherungen in Tirol einen anderen Stellenwert haben als in Wien. Es gibt da ein Ost-West-Gefälle im Versicherungsbewusstsein. Allerdings: Sport macht lediglich 14 Prozent der 3,4 Milliarden Euro aus, die durch Unfälle entstehen. Haushalts-, Arbeits- und Verkehrsunfälle sind die großen Brocken.

Das heißt, Versicherer forschen, um die Zukunft sicherer zumachen?

Oswald: Es ist unsere Philosophie auch in der Formel 1: Fahrsicherheit ist das Thema. Die Entwicklungen dort wirken sich auf die Serienproduktion aus. Die Verbindung Versicherer-Formel1 wirkt auf den ersten Blick weit hergeholt. Die Branche muss an morgen denken. So ist es mit Vorsorgemodellen: Sie sind ein Wachstumsmarkt.

Warum engagiert sich die Allianz ausgerechnet im Segeln? Ist Fußball kein Thema?

Oswald: Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland waren wir in Form der Münchner Allianz-Arena präsent. Auch wenn unser Logo damals abmontiert werden musste und ins Museum für Moderne Kunst in München gewandert ist. Die großen Dinge werden bei uns international akkordiert und da steht Fußball nicht im Vordergrund. Für uns sind das Segel-High-Performances und Formel 1.

Was ist so faszinierend am Segeln?

Oswald: Die Faszination des „Presse“ Business Cups macht aus, dass sich an einem Ort viele Entscheidungsträger der österreichischen Wirtschaft treffen. Bei etwas, das sie gerne tun – beim Segeln. Und das macht es für Unternehmen, die sich im B2B-Bereich positioniert haben, interessant. Zudem ist Segeln voll im Trend. Auch weil dieser Sport nicht zu Lasten von Umweltressourcen betrieben wird: Die Herausforderung liegt darin, Wind und Wellen Kurs und Geschwindigkeit abzutrotzen.

Man spricht von Wirtschaftskapitänen, die am Steuerrad ihrer Unternehmen stehen und durch Flauten wie wirtschaftlich stürmische Zeiten navigieren. Was können Manager von Seglern lernen?

Oswald: Strategie, Taktik und Teamwork. Boote, auf denen alle kommandieren, sind nicht die besten Schiffe. Nur dort, wo Chaos herrscht, ist es noch schlimmer. Das Thema ist: Wie geht ein Team unter Druck miteinander um? Auf einem Segelboot herrscht strenge Hierarchie. Jeder hat seinen Platz. Der eine ist Skipper, der andere Navigator und der Dritte hält irgendeine Schot. Das Zusammenspiel aller entscheidet. Klar trägt einer die Letztverantwortung. Aber wenn in den nachgeordneten Stellen etwas nicht funktioniert, kann das das beste Kommando nicht wettmachen.

Der Wind bläst hin und wieder ins Gesicht, manchmal hat man Rückenwind. Aber das gilt auch für den Mitbewerber. Da muss man ein wenig besser, ein wenig schneller und ein wenig perfekter sein und auf der richtigen Seite zum Wind. Und ein bisserl Glück braucht man auch. Aber das Segeln nehmen wir nicht so ganz tierisch ernst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)