NHL-Eishockey: Reif für New Yorks Insel

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Thomas Pöck erhält bei den NY Islanders eine zweite Chance, der Klagenfurter will sich in der Millionenliga beweisen.

NEW YORK/WIEN. Wer sich in der stärksten Eishockey-Liga der Welt, der National Hockey League, etablieren will, der muss zuerst Rückschläge verkraften. Das hat der Kärntner Thomas Pöck jedenfalls eindrucksvoll bewiesen. Der 26 Jahre alte Verteidiger war im März 2004 bei den New York Rangers eingeschlagen wie der Blitz mit Toren und Assists. Dann aber landete er aufgrund kleiner Fehler und zu großer Konkurrenz schnell auf dem Abstellgleis. Pöck wurde zum Farmteam in die American Hockey League (2. Leistungsstufe) „abgeschoben“ und schien in Vergessenheit zu geraten. Doch dem Österreicher gelang die Rehabilitation und er schaffte den Sprung zurück ins Rampenlicht. Nun spielt er aber nicht mehr für die Rangers im Madison Square Garden, sondern für den Stadtrivalen, die Islanders in Long Island.

Wenn am Freitag die neue NHL-Saison für die Islanders mit dem Bully in New Jersey beginnt, wird Thomas Pöck auf dem Eis stehen. Seien Verteidigerkollegen Andy Sutton und Chris Compoli sind verletzt, Pöck soll Abwehrchef Mark Streit (Schweiz) zur Seite stehen und wirkt auch nach dem ernüchternden 0:6 im abschließenden Testspiel in Florida guter Dinge. Er sagt: „Ich bin wieder in der NHL. Jetzt zählt nur noch meine Leistung, und ich will mit den Islanders zumindest in die Playoffs.“

Traum vom Playoff

Dieses Ziel hat jedenfalls Coach Scott Gordon klar vorgegeben, obwohl der Klub zuletzt weit hinter allen Erwartungen zurückblieb. Die Islanders sind seit 1972 in der Liga, gewannen viermal den Stanley Cup (80–83), schafften es aber seit der Saison 92/93 nicht mehr in die Playoffs. Thomas Pöck irritiert das nicht, denn wer Großes vorhabe, dürfe nicht zurückblicken, sondern habe sich nur mit der Gegenwart und der Zukunft zu beschäftigen. Er spricht von „neuem Klub und neuem Glück“, und in den 82 Runden, die der Grunddurchgang in der US-Profiliga umfasst, wird er es auch getrost benötigen.

Vergleich: Wie Rapid & Austria

Thomas Pöck wirkt unbekümmert, er genießt es, im Dress mit der Nummer 17 aufzulaufen. Dass er kein Ranger (insgesamt 63 Spiele) mehr ist, stört ihn nicht. Den Unterschied zwischen beiden New Yorker Klubs erklärt er mit den Vergleichen von „Rapid und Austria, oder KAC und VSV“. Hauptsache, er sei in dieser „traumhaften Stadt“ geblieben. Sein Apartment mitten im Big Apple tauschte er gegen eine Mietwohnung in Long Island und mit seinem neu gewonnenen Elan überzeugte er auch den Trainer von sich und seinen Fähigkeiten.

Der Klagenfurter spricht aus Erfahrung, denn Eishockey verlange Selbstvertrauen. Das allein aber genüge in Amerika nicht. „Wichtig ist, dass der Coach an dich glaubt und du nicht nach jedem Fehler gleich zwanzig Spiele lang nicht mehr dabei bist.“ Die Dichte hervorragender und hochbezahlter Spieler (Stars sind Torhüter Rick DiPietro oder CE-Wien-Legionär Mike Sillinger) lasse es sofort zu, eine kostengünstige Schwachstelle wie ihn (700.000 $ Gage) einfach zu streichen.

Nach Spielen gegen New Jersey und St. Louis wartet bereits am dritten Spieltag das Duell mit Landsmann Thomas Vanek (Saison-Gage 2008: acht Mio. Dollar). Obgleich für Thomas Pöck jedes Spiel wichtig sei, wie er betont, hört man aus seinen Worten sofort heraus, dass es trotzdem etwas Besonderes sein muss, wenn er gegen seinen Freund antreten wird. „Ja, es geht auch um Extra-Prestige! Für mich ist es an sich wurscht, gegen wen wir spielen, aber wenn ein Österreicher dabei ist, taugt es mir schon sehr. “

Zwei fielen durch den Rost

Mit Pöck und Vanek ist Österreichs NHL-Beitrag in dieser Saison auch schon wieder erfüllt. Andreas Nödl (21) und Michael Grabner (21) müssen weiter eine Leistungsstufe tiefer dem Puck nachjagen. Nödl spielt in der AHL für die Philadelphia Phantoms, Grabner für Manitoba Moose. Während Nödl erst am letzten Trainingstag aus dem NHL-Kader der Philadelphia Flyers gestrichen wurde, endeten Grabners Visionen schnell. Bereits nach zwei kurzen Testeinsätzen war sein Traum vorbei und er um eine Botschaft reicher: Dominiere er nicht die AHL, habe er keine Chance mehr auf eine Rückkehr in die NHL. So sehr die Profiliga auch locken mag, ihre Härte beim Auswahlverfahren ist geradezu brutal.

AUF EINEN BLICK

Mit Thomas Pöck
und Thomas Vanek sind zwei Österreicher in der ab Donnerstag startenden NHL-Saison vertreten. Pöck spielt für die NY Islanders, Vanek (Saisongage 2008: acht Millionen Dollar) ist der Star der Buffalo Sabres.

Favorit auf den Gewinn
des Stanley Cups ist Detroit. Der Titelverteidiger gab die wenigsten Spieler ab und hat laut Pöck die „beste Angriffslinie der Liga“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)

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