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Finanzkrise: Gewitterwolken für den slowakischen Autoboom

VW Slovakia reduziert die Produktion. Die Ökonomen setzen aber auf die immer noch niedrigen Löhne.

Pressburg. Der größte Exporteur der Slowakei bekam die internationale Krise als erste Firma im Land zu spüren: Volkswagen Slovakia will bis auf Weiteres für einen Teil seiner 8500 Mitarbeiter die Arbeitszeit reduzieren, um die Produktion um rund zehn Produzent zu verringern. Unter anderem werden die Weihnachts-Betriebsferien schon eine Woche früher beginnen als ursprünglich geplant. Das Unternehmen reagiert damit auf den sinkenden Absatz bei hochpreisigen Modellen in Westeuropa. Die Vorzeigemodelle des Werks in Bratislava (Pressburg) sind mit dem VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 allesamt in der oberen Preisklasse angesiedelt.

An eine Personalreduktion sei aber nicht gedacht, betonte eine Unternehmenssprecherin gegenüber lokalen Medien. Sehr wohl reduzieren könnte VW aber laut unbestätigten Gerüchten den Einsatz von Leiharbeitern. Von einer Krise der bisher boomenden slowakischen Automobilindustrie will in der Slowakei aber niemand etwas wissen. Abgesehen von Volkswagen stehen die großen Automobilbetriebe erst am Beginn ihrer erwarteten Expansion.

Kia in Zilina und Peugeot in Trnava haben erst im vergangenen Jahr mit ihrer Serienproduktion begonnen und laufen noch nicht auf vollen Touren. Beide wollen heuer schon eine fast so hohe Jahresproduktion wie Volkswagen Slovakia mit rund 240.000 Autos erreichen. „Die von diesen beiden Werken produzierten preisgünstigeren Modelle lassen sich in Zeiten der internationalen wirtschaftlichen Stagnation besser verkaufen“, zitierte die Tageszeitung „Hospodarske noviny“ (HN) den Finanzexperten Vladimir Vano.


Langsameres Wachstum

Zumindest Peugeot schließt aber nicht mehr aus, dass man die für kommendes Jahr geplante Produktionssteigerung auf 300.000 Autos pro Jahr wohl doch etwas langsamer angehen wird. Auch zahlreiche Automobil-Zulieferbetriebe sind noch nicht an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Ebenso befinden sich zwei große Elektronikwerke von Sony und Samsung in der Südwestslowakei noch in der Startphase. Dass diese erst in den letzten Jahren mit viel Euphorie und vor allem mit Förderzusagen, die gerade noch mit EU-Recht vereinbar sind, ins Land gelockten Industriebetriebe schon vor ihrem vollen Ausbau in Gefahr geraten könnten, befürchten Vano und andere slowakische Analysten nicht: „Im Unterschied zu unseren Nachbarländern wächst in der Slowakei die Produktivität merklich dynamischer als die Löhne.“

Unerwartet meldete nun aber wenige Tage nach Volkswagen Slovakia auch der slowakische Maschinenbausektor Probleme. Die Slowakei-Tochter des deutschen Konzerns Sauer-Danfoss gestand am Dienstag als erste slowakische Firma ein, Personal reduzieren zu müssen. Grund seien vor allem Absatzschwierigkeiten in Übersee, wo man noch dazu größere Forderungen offen habe. Sauer-Danfoss beschäftigt in der Region Zilina 1200 Mitarbeiter, die vor allem mit Konstruktionsaufgaben betraut sind – also keine klassische „verlängerte Werkbank“.


Es herrscht noch Optimismus

Trotz solcher erster Symptome für ein Übergreifen der internationalen Krise herrscht in der Slowakei noch immer deutlicher Optimismus vor. Die slowakische Wirtschaft sei sehr stabil, betonen die Experten. Dabei gehen 80 Prozent der Industrieproduktion in den Export und sind somit enorm von den ausländischen Märkten abhängig. Mit Automobil- und Elektronikindustrie dominieren zwei Bereiche, die ganz stark von Nachfragerückgängen infolge der Finanzkrise betroffen sein könnten.

Allerdings gäbe es immer noch sehr niedrige Arbeitskosten und vor allem eine relativ hohe Produktivität, wenden die Ökonomen ein. Bevor Volkswagen Slovakia ernsthaft gefährdet sei, werde der VW-Konzern wohl in Spanien zusperren und die Seat-Produktion von dort nach Bratislava verlegen, meinte ein Kommentator. Tatsächlich hatte der Standort Bratislava schon einmal während eines Streiks in Spanien vor ein paar Jahren bewiesen, dass eine solche Verlagerung möglich wäre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2008)