Wien Museum: Ausbau oder Umzug

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2009 wird das Wien Museum 50 Jahre alt. Zum Jubiläum wünscht sich das zu klein konzipierte Museum von der Stadt einen Zubau. Der Kulturstadtrat zögert noch.

Wien. Es war noch gar nicht eröffnet, da klagte man schon: Das Wien Museum, vor fast einem halben Jahrhundert als „Historisches Museum der Stadt Wien“ am Karlsplatz erbaut, ist zu klein geraten.

Das soll sich im nächsten Jahr, wenn das Museum sein 50-Jahr-Jubiläum begeht, endlich ändern: Das Wien Museum will seine Dauerausstellungsfläche durch einen Zubau erweitern. Oder, Variante zwei, überhaupt umziehen. Wobei das Museum vorerst Variante eins den Vorzug gibt. „Wir sind an der Erweiterung voll dran“, so Direktor Wolfgang Kos, der das Museum seit 2003 führt. „Wie und wo wir größer werden“, sagt er, „werden wir hoffentlich bald bekannt geben können.“

Mindestens 2000 m mehr

Dazu aber braucht das Museum, das 2004 aus dem Stadt-Eigentum ausgegliedert wurde, zwecks Finanzierung des Zubaus die Zusage der Stadt. Das Museum, das dafür nicht die nötigen Mittel hat, wünscht sich „endlich ein Commitment“ vom zuständigen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Und hofft auf einen „Spatenstich im Jubiläumsjahr“. Oder zumindest einen Zeitplan.

Was, abgesehen von der Finanzierung, so einfach nicht ist. Denn der von Oswald Haerdtl entworfene und damals heftig umstrittene Bau („Die Wiener lieben ihn bis heute nicht“, so Kos) steht unter Denkmalschutz. Aus- oder Umbauen geht also nicht, ein Zubau wäre nötig. Dass dieser möglich ist, ohne das Stadtbild zu stören, sieht Kos mit einer Machbarkeitsstudie, die er im Vorjahr in Auftrag gab, bewiesen. Drei Architekturbüros haben moderne Zubauten entworfen, die mit dem alten Museumsgebäude über Stiegen oder Lifte verbunden sind und etwa, wie der Plan des Büros „henke und schreieck“ (siehe Bild), auch ein Museumscafé umfassen.

20 bis 25 Millionen Euro würde eine solche Erweiterung kosten, schätzt man, mindestens 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche will man dadurch gewinnen. Aus Platzmangel musste das Wien Museum immer wieder größere Ausstellungen anderswo veranstalten, etwa vis-à-vis im Künstlerhaus oder in der Hermesvilla. Vor allem aber seien die knapp 2200 Quadratmeter, auf denen derzeit die Dauerexponate (die meisten Belege der Stadt- und Kulturgeschichte Wiens) ausgestellt sind, viel zu klein. „Zu viele großartige Dinge sind viel zu oft im Depot“, sagt Kos.

Depot – ein gutes Stichwort. Denn auch hier soll sich einiges ändern: Ein zentrales, großes Lager ist das Ziel. Bisher sind die Exponate teils im Museum am Karlsplatz untergebracht, teils in mehreren kleinen Lagern über Wien verteilt. Ein Zustand, den das Kontrollamt schon 2004 kritisiert hatte. Mangels Brandschutz und Klimatisierung sei die Sicherheit der Kunstgegenstände nicht gegeben, hieß es damals.

Ob sich die beiden Wünsche des Museums zum Jubiläum 2009 ausgehen? Eher nein. Zumindest die Erweiterung dürfte sich noch verzögern. Denn: Der Kulturstadtrat hat sich noch nicht entschieden. „Wir wissen selbstverständlich von den Wünschen des Wien Museums“, sagt eine Sprecherin von Mailath-Pokorny. Man sei gerade am „Prüfen“ und wolle noch „Gespräche“ führen. Sprich: „Es wird noch dauern.“ Einen Zeitplan gibt es daher, sofern der Stadtrat überhaupt zustimmt, noch nicht. Das Projekt müsste vermutlich mittels Sonderbudget finanziert und vom Gemeinderat – wie auch vom Denkmalamt – abgesegnet werden.

Schon konkreter ist da das neue Lager, im Büro Mailath-Pokorny spricht man von „einem vordringlichen Anliegen“. An einer Lösung werde gearbeitet. Laut Wien Museum soll die Entscheidung (etwa über den Standort) „definitiv“ in den kommenden Monaten fallen.

Programm zum 50er

Fix ist jedenfalls, wie das Museum das Jubiläumsjahr begehen wird (siehe Infokasten). Am 23.April 2009 – 50 Jahre nach der Eröffnung – reaktiviert man die allererste Ausstellung und zeigt Werke von Hieronymus Löschenkohl, der vor allem für seine Silhouetten der Wiener Gesellschaft (Mozart!) berühmt ist. Weiters führen 50 Persönlichkeiten (Brigitte Hamann, Marlene Streeruwitz) durch das Museum.

Auf einen Blick

Das Wien Museum feiert 2009 seinen 50.Geburtstag: Am 23.April 1959 wurde es als „Historisches Museum der Stadt Wien“ in einem umstrittenen – und zu kleinen – Bau von Oswald Haerdtl am Karlsplatz eröffnet, 2003 in „Wien Museum“ umbenannt.

Das Jubiläumsjahr 2009 begeht das Museum mit zahlreichen Ausstellungen, darunter eine Neuauflage der allerersten Schau über Hieronymus Löschenkohl. Ab 11.6. widmet man sich der Mode der Ringstraßenzeit. Komplettes Programm: www.wienmuseum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2008)

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