Finanzkrise: FMA sperrt Kaupthing-Konten

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Die Finanzmarktaufsicht untersagt der österreichischen Tochter der isländischen Kaupthing-Bank jede Geschäftstätigkeit. Sparer dürften glimpflich davonkommen.

WIEN (ju/APA).So schnell kann es gehen: Anfang September war die isländische Großbank Kaupthing mit ihrem Direktbank-Ableger Kaupthing-Edge und verlockend hohen Zinsen (4,85 Prozent für täglich fällige Einlagen) in Österreich gestartet. Jetzt, ein Monat später, ist die Party schon wieder zu Ende: Am Donnerstag hat die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) dem hiesigen Kaupthing-Ableger bis auf Weiteres die Entgegennahme von Kundengeldern untersagt, die Geschäftsführerin teilentmachtet – und die Konten gesperrt. Die österreichischen Kaupthing-Anleger dürften aber unbeschadet aus der Krise kommen.

Der Hintergrund: Kaupthing war, wie alle isländischen Banken, in den vergangenen Tagen schwer in Schieflage geraten. Donnerstagfrüh zog die isländische Notenbank die Notbremse, feuerte das Management und stellte die Bank unter Staatskontrolle. Gleichzeitig wurde eine Staatsgarantie für die gesamten Kaupthing-Einlagen in Island abgegeben. Die ist allerdings eher theoretisch: Kaupthing ist für den kleinen Inselstaat um ein paar Nummern zu groß geworden, die Assets des Instituts betragen ungefähr das Sechseinhalbfache des isländischen Bruttoinlandsprodukts.

Für die Kunden der ausländischen Kaupthing-Töchter gilt allerdings nur die gesetzliche isländische Einlagensicherung. Demnach sind die Einlagen österreichischer Sparer bei Kaupthing bis maximal 20.887 Euro geschützt.

Österreichische Kaupthing-Sparer werden sich die umständliche Prozedur über die isländischen Behörden wahrscheinlich aber sparen können, denn die Finanzmarktaufsicht hat in diesem Fall beherzt und rasch reagiert: Die seit September eingesammelten Einlagen liegen noch auf österreichischen Konten. Und können wegen der von der FMA verfügten Sperre nicht nach Island überwiesen werden.

Sparer haben keinen Zugriff

Die Sparer selbst haben auf ihr Geld derzeit aber auch keinen Zugriff. Sie wurden durch ein „announcement“ auf der Webseite nur lapidar darauf hingewiesen, dass ein Zugriff auf die Konten derzeit nicht möglich ist und weitere Informationen „schnellstmöglich“ geliefert würden. Aus der FMA verlautete, man versuche jetzt, möglichst schnell eine Lösung herbeizuführen.

Allzu viele Sparer sind zum Glück noch nicht betroffen: Das Institut, das in Österreich ausschließlich als Internetbank auftritt, hat seit dem Start im September knapp 300 österreichische Kunden geworben, die annähernd drei Millionen Euro eingelegt haben.

Deutsche müssen zittern

Eher um ihr Geld zittern müssen die deutschen Kunden der isländischen Bank. Dort ist Kaupthing mit seiner Direktbank schon länger im Geschäft, das Geld der deutschen Sparer dürfte also bereits auf isländischen Konten liegen. Wie es in Deutschland weitergeht, war am Donnerstag weitgehend ungeklärt (siehe unten stehende Geschichte).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2008)

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