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Wirtschaft: Nur die Angst hat Hochkonjunktur

(c) AP (Richard Drew)
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Die Oesterreichische Nationalbank wähnt die heimische Wirtschaft bereits in der Stagnation. Das Institut für Höhere Studien sieht auch nach den jüngsten Kursstürzen noch keine Rezession.

Für den US-Handelsriesen Wal-Mart ist bereits Weihnachten. Weniger wegen blendender Geschäftszahlen – vielmehr sitzt ab heute „Santa Claus“ in allen Filialen. Ab heute hat nämlich das Weihnachtsgeschäft begonnen – so früh wie noch nie. Der Handelskonzern will damit den prophezeiten Rückgängen ein Schnippchen schlagen. Der Handel steht vor dem schlechtesten Weihnachtsgeschäft seit 1991.

Hochkonjunktur hat derzeit nur die Angst. Genährt wird die Furcht vor dem wirtschaftlichen Absturz durch Kursstürze an den Börsen und düstere Prognosen: So erwartet der Internationale Währungsfonds für die Euro-Länder und die USA im kommenden Jahr nur mehr ein Nullwachstum. Österreichs Wirtschaft wird bereits im laufenden Quartal stagnieren, wie die Oesterreichische Nationalbank am Donnerstag prognostizierte.

 

Industrie ortet „Fadenriss“

Was hat das nun zu bedeuten – schlittert Österreich am Ende gar in eine Rezession, also eine Phase mit schrumpfender Wirtschaftsleistung? In den USA spricht man von Rezession schon, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei Quartalen hintereinander schrumpft. Europa ist viel „großzügiger“. Hier ist von einer Rezession die Rede, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr rückläufig ist. Das war in Österreich zuletzt 1981 der Fall.

IHS-Chef Bernhard Felderer glaubt auch nach den jüngsten Turbulenzen an den Börsen, dass die heimische Wirtschaft 2009 um rund ein Prozent wachsen wird. „Derzeit sinken überall die Preise, zudem hat der Staat die Einlagen zu 100 Prozent garantiert. Wenn die Konsumenten glauben, dass ihre Einlagen sicher sind, werden sie auch konsumieren“, so Felderer.

Etwas pessimistischer blickt die Industrie in die Zukunft. Bereits im Sommer konstatierte sie einen „konjunkturellen Fadenriss“. In Teilen der Industrie war plötzlich wieder reichlich Platz in den Auftragsbüchern. In der Papierindustrie ist die Geschäftslage schon länger angespannt, nun befürchten auch Zulieferer der Autoindustrie Einbußen. Große Produzenten wie General Motors, Chrysler, Skoda und Seat fahren ihre Produktion bereits zurück, worunter auch heimische Zulieferer und Maschinenbauer leiden werden.

 

Harte Zeiten für den Tourismus

Je stärker ein Unternehmen von Exporten abhängig ist, umso stärke werde es die wirtschaftlichen Spannungen zu spüren kommen, meint Peter Voithofer, Chef der KMU Forschung Austria. Zwar betrifft der Konjunkturabschwung alle, in vielen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) werde aber in den nächsten Monaten nicht so heiß gegessen, wie derzeit auf den Finanzmärkten gekocht wird. Etwa in den Handels- und Gewerbebetrieben, die nur acht Prozent ihrer Umsätze außerhalb Österreichs tätigen. „Dort ist dafür auch die Hochkonjunktur der letzten Jahre nicht in vollem Umfang angekommen“, sagt Voithofer. Vor allem auf den Tourismus sieht der Handelsforscher schwere Zeiten zukommen. „Vor allem, wenn der Wirtschaftsabschwung Deutschland stärker treffen sollte.“

Und gerade dort sieht es derzeit besonders düster aus, war doch die Wirtschaftsleistung bereits von April bis Juni gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres rückläufig. Deutschland dürfte bereits mit der Rezession „flirten“. In Frankreich, Italien, Irland und Dänemark schrumpft die Wirtschaftsleistung bereits.

„Dennoch gehen wir davon aus, dass die österreichische Wirtschaft haarscharf an einer Rezession vorbeischrammen wird“, meint Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung. Allerdings müsste die Politik nun rasch reagieren. Ein „klassisches“ Konjunkturprogramm mit vorgezogenen Staatsaufträgen an die Bauwirtschaft? „Das wird den Job nicht erledigen können“, so Helmenstein.

Der Bau sei von der Krise noch nicht betroffen, dort herrsche Vollbeschäftigung. Der Staat sollte investitionsfreudigen Firmen helfen, meint Helmenstein. Etwa über eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren oder die Stärkung des Eigenkapitals durch die Abschaffung der Gesellschaftssteuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2008)