Superfund-Gründer: „Jede Blase muss einmal platzen“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Der Hedgefonds-Chef Christian Baha meint, man solle jetzt lieber Gold und Bauernhöfe kaufen.

Wien. Für den Gründer und Chef der Superfund-Gruppe, Christian Baha, ist das, was jetzt an den Weltbörsen passiert, keine große Überraschung: „Jede Blase muss einmal platzen“, sagte Baha im Gespräch mit der „Presse“. Und die derzeitige habe sich immerhin 20 Jahre lang aufgebaut. Überraschend sei lediglich die Wucht, mit der die Krise jetzt hereingebrochen.

Einen Boden sieht Baha, der mit seinen Superfund-Hedgefonds ein Vermögen gemacht hat, noch lange nicht: Natürlich werde es immer wieder zu kurzen Gegenbewegungen nach oben kommen, insgesamt sei an den Aktienmärkten nach unten aber noch sehr viel Platz. Bahas Tipp: „Niemand sollte jetzt Aktien behalten und auf bessere Zeiten warten.“ Die würden nämlich nicht so schnell kommen. Und „das Schlechteste ist, sich derzeit auf seinen Berater zu verlassen“.

Wer glaubt, dass die Aktienmärkte bald wieder alten Höchstständen nachjagen würden, solle sich das Beispiel Japan anschauen: Der dortige Nikkei-Index hat sich von der japanischen Wirtschaftskrise in den Achtzigerjahren nie mehr erholt und notiert noch immer um fast achtzig Prozent unter dem damaligen Höchststand.

„Hedgefonds sind sicherer“

Und wie investiert der Hedgefonds-Manager selbst in der Krise? „Zur Hälfte in eigenen und anderen Hedgefonds“, meint Baha. Diese Asset-Kategorie habe zwar in der Öffentlichkeit zu Unrecht eine Art Kasinoimage, sei aber wesentlich sicherer als andere Wertpapiere. Und in volatilen Krisenzeiten zudem ertragreicher: Die Superfunds etwa haben seit Jahresbeginn Kurssteigerungen um bis zu 39 Prozent erzielt, während die Aktienbörsen schwer eingebrochen sind.

Und der Rest? „Privat kaufe ich physisches Gold und Immobilien.“ Und zwar in Form von landwirtschaftlichen Betrieben. Denn „Papierwerte“ würden in den nächsten Jahren unter der (unter anderem durch die derzeitige Überflutung des Marktes mit Liquidität) unvermeidlichen Inflationierung leiden. Mittelfristig wären zweistellige Inflationsraten jedenfalls nicht überraschend.

Gold, so meint der Hedgefonds-Gründer, habe sich in den vergangenen hundert Jahren in Zeiten hoher Inflation immer wieder als Inflationsschutz bewährt. Derzeit liege der Goldpreis inflationsbereinigt zwar weit unter seinen Höchstständen aus den Achtzigerjahren. Das könnte sich aber bald ändern.

Flucht in Sachwerte

Die Anleger würden nämlich, so Baha, ihr Geld nach einem bestimmten Muster umschichten: Zurzeit sei gerade die Flucht von unsicheren in sicherere Papierwerte, also etwa Bargeld und Staatsanleihen, im Gange. Sobald sich herausstellt, dass diese Werte vor der unvermeidlichen Inflation nicht geschützt seien, werde die Flucht in Sachwerte einsetzen – und das werde den Goldpreis treiben. Sehr bald werde dieser Effekt einsetzen, „wenn noch andere Staaten Island folgen“. Wie berichtet, steht Island wegen der Bankenkrise vor dem Staatsbankrott. In diesem Fall würde Geld nicht nur in Gold, sondern auch in andere Rohstoffwerte fließen – und die derzeitige Korrektur bei den Rohstoffen beendet.

Ganz nebenbei: Der Wiener Hedgefonds-Gründer mit Wohnsitz Schweiz findet es angesichts der Krise „ziemlich unverantwortlich“, dass Österreich wie auch andere europäische Staaten ihr physisches Gold in den USA lagern.

Wenig hält Baha von der neu entdeckten Liebe vieler Länder zur schärferen Regulierung der Finanzmärkte. Vor allem das Verbot von Leerverkäufen sei seiner Ansicht nach ziemlich sinnlos: Zum einen könne man die Effekte von Leerverkäufen auch mit anderen (erlaubten) Instrumenten – etwa Put-Optionen – erzielen.

Zum anderen würden die Märkte von ganz anderen Volumina bewegt: Die Hedgefonds hätten insgesamt nur 2000 Milliarden Dollar zur Verfügung. Allein das Subprime-Volumen mache dagegen bis zu 15.000 Milliarden Dollar aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2008)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.