Österreichs Politiker rasen mit bis zu 200 km/h

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Tachometer(c) www.BilderBox.com (Erwin Wodicka)
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Überhöhtes Tempo kostete bereits zwei heimischen Politikern das Leben. Auch Gusenbauer, Schüssel und Westentaler treten gerne mal fester aufs Gaspedal.

Über 30 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle sind auf zu schnelles Fahren zurückzufügen, Politiker sind da keine Ausnahme. Der am Samstag bei einem Unfall tödlich verunglückte Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) ist nicht das erste Todesopfer. Gertrude Wondrack, Staatssekretärin im Sozialministerium, kam am 31. Juli 1971 bei einer Dienstreise wegen überhöhter Geschwindigkeit ums Leben. Gegen Wondracks Chauffeur gab es deshalb ein Gerichtsverfahren.

Haider: Bis zu 160 km/h

Haider war schon in der Vergangenheit mit Tempoüberschreitungen aufgefallen. 2003 war er in einem Konvoi mit dem damaligen Bundespräsident Thomas Klestil auf der Autobahn mit einer Geschwindigkeit zwischen 140 und 150 km/h unterwegs, allerdings gesetzlich korrekt mit Blaulicht und fallweisem Einsatz des Folgetonhorns zur Warnung und Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer, wie Haiders damaliger Protokollchef in einem Brief an die "Kleine Zeitung" erklärte. Wenn Haider im Alltag dienstlich in Kärnten unterwegs sei, würde er sich selbstverständlich so wie jeder andere verantwortungsbewusste Verkehrsteilnehmer an die Straßenordnung und insbesondere an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, hielt der Protokollchef fest.

Das Magazin "News" berichtete 2000 davon, dass jene Beamten, die für den Personenschutz von Haider zuständig waren, angewiesen worden seien, "den Personenschutz einzustellen", sobald der Haider-Dienstwagen Tempo 160 überschreite. "News" berief sich dabei auf ein vertrauliches Dokument der Bundespolizeidirektion Klagenfurt.

Gusenbauer rast in Polizei-Begleitung

Auch andere Beispiele für zu schnell fahrende Politiker sind dokumentiert. So sorgte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) erst im Vorjahr für Aufregung, als sein Wagen beim Schnellfahren auf der Westautobahn gesichtet wurde. Gusenbauers Chauffeur soll laut Augenzeugen mit 200 km/unterwegs gewesen sein, man sei von der Polizei gelotst worden, hieß es später aus dem Büro des Kanzlers.

Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und sein Vize Hubert Gorbach (B) gestanden Ende 2005 in der Diskussion um Tempo 160 freimütig, selbst nicht immer nur 130 zu fahren. "Ich habe mich dabei nie allein gefühlt", so Gorbach damals.

"Der Radarfalle künftig ausweichen"

In einem gerichtlichen Verfahren um Peter Westenthaler war 1998 bekanntgeworden, dass gegen den damaligen FPÖ-Generalsekretär Anzeigen wegen überhöhter Geschwindigkeit vorlagen. Im Dezember 2004 wurde der slowakische Wirtschaftsminister Pavol Rusko auf der Westautobahn (A 1) mit Geschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde erwischt.

Der "Kurier" erinnert in seiner Sonntagsausgabe auch an den früheren FPÖ-Verteidigungsminister Helmut Krünes, der 1986 mit 180 km/h über Kärntens Straßen donnerte und seinen Parteikollege Walther Grabher-Meyer, der auf der Rheintalautobahn gar mit 200 km/h geblitzt wurde. Statt sich zerknirscht zu zeigen, gab der damalige FP-Generalsekretär demnach nur von sich, "künftig besser aufzupassen, um nicht wieder in eine Radarfalle zu geraten".

(Ag. )

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