Feierstunde und Übergabe des Instituts der Uni Wien an Karl Ucakar.
wien. Das Institut für Staatswissenschaft an der Uni Wien erhält einen neuen Dirigenten: Nach fast zwei Jahrzehnten emeritierte Peter Gerlich, ab nun übernimmt Karl Ucakar die Institutsleitung. In einer Feierstunde in der vergangenen Woche im Juridicum übergab der Jurist und Politikwissenschaftler mit sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Standbeinen den Dirigentenstab. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ein originaler Taktstock wanderte von Peter Gerlich in Karl Ucakars Hand.
Nach seiner Promotion habe er sich der rechtswissenschaftlichen Materie gewidmet, ehe ihm Staatswissenschaftler Günther Winkler die „erste große Chance ermöglicht, sich den Politikwissenschaften zuzuwenden“, so Gerlich über seinen „Habilvater“. Seine Karriere führte ihn nach Deutschland, an die Stanford University und das Smith College, Massachusetts.
Viel war auch von Gerlichs zahlreichen Publikationen die Rede, so zum Beispiel über sein jüngstes Werk: „Das Wörterbuch der politischen Sprache in Österreich.“ Neben seiner Professur am Institut leitete er zweimal die Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und war Referent für den Wissenschaftsfonds FWF.
Dass mit der Emeritierung Peter Gerlichs aber akademische Ruhe einkehren würde, ist ein Irrglaube. Gemeinsam mit Rektor Georg Winckler hält er zum Beispiel dieses Wintersemester die Lehrveranstaltung „Europa: Staatenbund oder Bundesstaat“.
Einer, der seine Ausbildung am Institut genoss und bei dem neuen Institutsleiter Karl Ucakar dissertierte, war bei der Übergabe auch dabei: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Und dieser beneidete Ucakar um den Wissenschaftlerstatus: „Was dem Professor offen steht: alle Rechte – keine Pflichten.“ Ihm war das offenbar nicht vergönnt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)