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Exporte in die USA brechen ein

Der bei Magna Steyr in Graz gebaute BMW X3 verkauft sich in den USA nicht mehr so gut
(c) AP (NICK UT)
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Im ersten Halbjahr schmolzen die Ausfuhren in die USA um 4,1 Prozent. Die Vereinigten Staaten sind für die österreichische Industrie nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Exportmarkt.

NEW YORK. Auch Österreichs Banken sind in den USA tätig. Die Erste Bank hat in der noblen Park Avenue im Zentrum von Manhattan eine Niederlassung. Nur einen Häuserblock entfernt befand sich die Zentrale der untergegangenen Investmentbank Bear Stearns. Auch das Hauptquartier der in die Pleite geschlitterten Investmentbank Lehman Brothers ist in der Nachbarschaft. Die Erste Bank hat sich in den USA auf zwei Bereiche spezialisiert: Wertpapierhandel und Vergabe von Krediten an große Firmen. Über das Ausmaß ihrer US-Geschäfte schweigt sich das Institut allerdings aus. „Kein Kommentar“, heißt es dazu von der Erste Bank in New York. Dennoch wird versichert, dass die Niederlassung trotz der Finanzkrise positive Zahlen erwirtschaftet. Noch stärker ist die Raiffeisen Zentralbank (RZB) in den Vereinigten Staaten aufgestellt. Sie unterhält eine Finanzierungsgesellschaft namens „RZB Finance LLC“ in New York mit Repräsentanzen in Chicago, Houston und Los Angeles.

 

„2009 wird noch schlimmer“

Über 400 österreichische Firmen haben in den USA eine Niederlassung. Viele machen wegen der Finanzkrise turbulente Zeiten durch. Der österreichische Handelsdelegierte in New York, Christian Kesberg, schätzt, dass die heimischen Exporte in den USA heuer um sieben bis acht Prozent einbrechen werden. „2009 wird es noch schlimmer werden“, befürchtet er im „Presse“-Gespräch.

Die Vereinigten Staaten sind für die österreichische Industrie nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Exportmarkt. Im Vorjahr wurden Waren im Wert von 5,7 Mrd. Euro nach Amerika geliefert. Viele prominente österreichische Aushängeschilder wie Böhler Uddeholm, Engel, Palfinger, Plansee und Plasser sind in den USA mit Produktionsstätten vertreten.

Jahrelang ging es für die Österreicher in den USA steil bergauf. Teilweise wurden fast so hohe Wachstumsraten wie in Osteuropa erzielt. Noch 2006 waren die US-Lieferungen um mehr als zehn Prozent gestiegen. Jetzt ist es mit den goldenen Jahren vorbei. 2007 brachen unsere Exporte erstmals um 1,4 Prozent ein. „Da haben wir uns noch ganz tapfer geschlagen. Die deutschen Nachbarn verzeichneten ein Minus von 5,9 Prozent“, sagt Kesberg.

Doch heuer hat sich die Situation verschlimmert. Im ersten Halbjahr schmolzen die Ausfuhren um 4,1 Prozent. Sehr schwer hat es Luxusgüterhersteller wie Swarovski und Riedel Glas getroffen. Für den Kristallproduzenten Swarovski brechen im wichtigen US-Markt die Kunden weg. Riedel hatte in den USA bis 2009 100 Mio. Euro Umsatz angepeilt. Dies dürfte kaum zu erreichen sein.

 

Red Bull umgeht Strafzoll

Man müsse in der Exportbilanz allerdings zwei Sonderfaktoren berücksichtigen, sagt Kesberg. So schlage sich der Rückgang der Ausfuhren von Magna Steyr besonders stark in der Statistik nieder. „Dies hat viel mit dem Konjunktureinbruch zu tun“, sagt Kesberg. Völlig anders verhalte es sich mit dem zweiten Loch in der Handelsstatistik. Denn der Energy-Drink-Hersteller Red Bull beliefert seit kurzem einen Großteil des US-Markts nicht mehr aus Österreich, sondern aus der Schweiz. Hintergrund dieser Maßnahmen ist ein Handelsstreit zwischen den USA und der EU. Um allfällige US-Strafzölle zu vermeiden, hat Red Bull damit begonnen, die Dosen in der Schweiz abzufüllen und nach Amerika zu exportieren.

Betrachtet man die Handelsbilanz zwischen Österreich und den USA detaillierter, zeigt sich im ersten Halbjahr 2008 in einigen Produktgruppen sogar ein Exportplus: 22 Prozent bei elektrischen Maschinen, 85 Prozent bei Verbrennungsmotoren und 27 Prozent bei Dieselmotoren. Wegen des Konjunktureinbruchs dürften die Wachstumsraten in diesen Branchen kaum zu halten sein, meint Kesberg. „Es wäre aber falsch, die USA nun völlig abzuschreiben“, warnt der Handelsdelegierte.

Die österreichischen Exporteure könnten einige schwächere Jahre in den USA problemlos überstehen. „Der US-Markt ist fünfmal größer als der deutsche und auch in Korrekturphasen attraktiv“, so Kesberg. Gerade österreichische Firmen, die in Nischensegmenten aktiv sind, könnten sich auch in Krisenzeiten gut behaupten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)