Postenbesetzung: Rot-schwarze Koalition in den ÖBB

(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
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Josef Halbmayr wird neuer Bahn-Finanzvorstand. Er gilt als ÖVP-nahe.

WIEN.Der Aufsichtsrat der ÖBB wird heute, Dienstag, den neuen Finanzvorstand des Unternehmens bestellen. Wie die „Presse“ aus Bahnkreisen erfuhr, haben sich die Politik und das Kontrollgremium bereits fix auf einen Kandidaten geeinigt. Es handelt sich dabei um den bisherigen Finanzvorstand der ÖBB-Personenverkehrstochter Josef Halbmayr. Die Bundesbahnen werden somit künftig ein rot-schwarzes Führungsduo an ihrer Spitze haben. Denn ÖBB-Chef Peter Klugar steht der SPÖ nahe, Halbmayr wird wiederum der ÖVP zugerechnet.

SPÖ-Chef und Noch-Infrastrukturminister Werner Faymann kam damit dem Begehren seines Wunschkoalitionspartners ÖVP nach. Diese hatte den Posten des Bahn-Finanzvorstandes seit dem erzwungenen Rücktritt des derzeitigen ÖBB-Finanzchefs, Erich Söllinger, im Frühjahr für sich reklamiert. Söllinger war über die unter seiner Verantwortung abgeschlossenen Spekulationgeschäfte der Bahn mit der Deutschen Bank – die bislang zu buchmäßigen Belastungen im Ausmaß von mehr als 200 Mio. Euro geführt haben – gefallen und wird die ÖBB per Monatsende verlassen. Auch Söllinger gilt als ÖVP-nahe.

Keine Kampfansage an ÖVP

Halbmayr galt zwar von Anfang an als Favorit auf diesen Posten. Allerdings wurden zwischenzeitlich auch Telekom-Austria-Finanzvorstand Gernot Schieszler und ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider ins Spiel gebracht. Vor allem Schneider wurden rund um die Wahl höhere Chancen zugerechnet. Seine Bestellung wäre jedoch eine Kampfansage an die ÖVP gewesen, da die Bahn dann innerhalb von einem Jahr von einer schwarzen Doppelspitze auf eine rote umgefärbt geworden wäre. Halbmayr soll nun sowohl die Unterstützung von Faymann als auch von ÖBB-Aufsichtsratspräsidenten Horst Pöchhacker gehabt haben. Die endgültige Entscheidung sei daher verhältnismäßig schnell gefallen, heißt es.

Halbmayr ist seit dem Dezember des Vorjahres Vorstand beim ÖBB-Personenverkehr. Zuvor war der 52-jährige gebürtige Oberösterreicher unter anderem bereits Vorstand bei der Post – zuständig für den Bereich Postauto – und bei der Wiener Privatbank Immobilien AG, die im Naheverhältnis zu Conwert steht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2008)

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