Kurt Weinzierl tot: Der Wilde mit seiner Kaffeemaschine

Weinzierl
Weinzierl(c) APA (Nikola Konstantin)
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Kurt Weinzierl, Volksschauspieler, Charakterdarsteller, nachdenklicher Optimist, starb 77-jährig.

„Er ist Darsteller großer Charakterrollen, schamloser Operettenkomiker, Mitglied großstädtischer Staatstheater, Mime kleinster Provinzbühnen, Titelheld im Fernsehen, Solorezitator in Scheunen.“ So beschrieb Werner Schneyder Kurt Weinzierl. Optimistisch, im Leben stehend, wirkte der gebürtige Innsbrucker Weinzierl, der in München lebte. Tatsächlich bestand er aus vielen Schichten. In diesen hatte der nachdenkliche Kommentator ebenso Platz wie der lebhafte Streiter, der Tragiker ebenso wie der Volksschauspieler, der Mime ebenso wie der Regisseur und Festivalmitbegründer.

Mit dem Ex-Showmaster Dietmar Schönherr, dem Kabarettisten Otto Grünmandl, dem Schauspieler Hans Brenner und dem ORF-Intendanten Wolf in der Maur gründete Weinzierl 1981 die Tiroler Volksschauspieler in Telfs, die sich bis heute manches Sommerfestival zum Vorbild nehmen könnte. Hier wurde nicht leichte Belustigung geboten, sondern mitunter recht schwere Kost in ausgezeichneter Qualität: Werke von Karl Schönherr, Felix Mitterer, Herbert Achternbusch. Die Volksschauspieler entwickelten einen ganz eigenen Stil pointierter Regionalität. Geprägt hat sie von Anfang an Ruth Drexel, wie Weinzierl eine ernste Schauspielerin, obwohl sie dem Publikum vor allem als Kommissar Berghammers temperamentvolle Mama bekannt ist. Während Drexel freilich nicht immer begeistert reagiert, wenn sie ständig als die Mutter des Bullen von Tölz angesprochen wird, hatte Weinzierl ein entspanntes Verhältnis zu Berühmtheit – und Geld. Schließlich hatte er vier Töchter. Ob als TV-Star oder als der Herr, der in der Werbung das Brotkörberl sucht, sein Charakterkopf machte sich in unterschiedlichen Genres gut. Manchmal inszenierte er auch, eben z.B. in Telfs oder München. Ausgebildet wurde Weinzierl am Salzburger Mozarteum. Seinen Durchbruch hatte er mit Axel Cortis Dokudrama „Der Fall Jägerstätter“ (1972). Nach dem Auftritt als waschechter Tiroler Vitus Egger in der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (1975–77) erhielt Weinzierl in „Kottan ermittelt“ die Rolle des cholerischen Polizeipräsidenten Pilch, dessen vorrangige Feinde Stubenfliegen und Kaffeeautomaten waren.

Spielte mit Wessely, drehte mit Piccoli

In puncto öffentlicher Aufmerksamkeit war der Heribert Pilch sicher eine der markantesten Figuren Weinzierls. Er wirkte aber noch in vielen anderen TV-Serien und -Filmen mit, z.B. in Felix Mitterers herrlich sarkastischer Piefke-Saga, in der Familien-Story „Anna Maria – eine Frau geht ihren Weg“ mit Uschi Glas oder in „Tierarzt Dr. Engel“.

Weinzierl vollzog den typischen Wechsel vom Theater zu Film und TV, was damals weniger üblich war als heute. In frühen Jahren stand er mit Hans Moser, Therese Giehse, Paula Wessely auf der Bühne. Gern erzählte er, wie die Wessely einmal auf Tournee für ihn das „Gretchen“ rezitiert habe. Weinzierl selbst reiste mit „Faust“ durch die Lande. Gelegentlich drehte er auch anspruchsvolle Filme, wirkte in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ mit und in „Der Preis des Überlebens“ mit Michel Piccoli.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2008)

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