Der "NYT"-Kolumnist übt scharfe Kritik an den Beratern des republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten und dessen Plänen zur Gesundheitsreform.
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und frischgebackene Träger des von der Nobelpreis-Kommission verliehenen Banken-Preises für Ökonomie Paul Krugman hat in seiner Kolumne in der New York Times in jüngster Zeit mehrfach vor dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain gewarnt. Der nächste US-Präsident müsse aller Voraussicht nach mit "einigen größeren Finanz-Notfällen" umgehen können, schreibt Krugman etwa. Während der Princeton-Professor den Demokraten Barack Obama bei wirtschaftlichen und finanziellen Themen für "gut informiert und verständig" hält, sei McCain "furchteinflößend".
"Wir wissen seit geraumer Zeit, dass McCain nicht viel von Wirtschaft versteht - das hat er selbst gesagt", so Krugman wenige Tage vor der Verabschiedung des milliardenschweren US-Rettungspakets im Kongress. "Das wäre nicht so schlimm, wenn er ein gutes Händchen bei seinen Beratern bewiesen hätte, aber das hat er nicht." Bei Obama - dem Krugman als Hillary-Clinton-Unterstützer im Frühjahr noch vorwarf, "wie ein Prediger Wischiwaschi-Zeug" zu reden - beklagt derselbe nunmehr lediglich, dass er mehr Führungsqualitäten zeigen könnte. McCain jedoch mache ihm "Angst".
Ex-Berater McCains als "Chef-Deregulierer"
Den früheren McCain-Chefberater Phil Gramm bezeichnet Krugman als "Chef-Deregulierer", der sich im Senat besonders bemüht habe, die Kontrolle von Finanzderivaten zu verhindern. "Genau diese Instrumente haben aber (die Investmentbank) Lehman und (den Versicherer) A.I.G. gestürzt." Zwar spielt Gramm im Wahlkampf keine offizielle Rolle mehr, nachdem er die Amerikaner im Juli als "Jammerlappen" bezeichnet hatte - "aber er wird immer noch als wahrscheinliche Wahl für den Finanzminister gesehen", meint Krugman. "Man könnte befürchten, dass wir uns unter einer Regierung McCain noch nach der Kompetenz der Bush-Ära sehnen", sagte der profilierte Bush-Kritiker mit Blick auf den derzeitigen US-Finanzminister Henry Paulson.
Ein weiterer Seniorberater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, den Krugman kritisiert: Kevin Hassett, ehemaliger Ökonom der US-Notenbank und Ko-Autor von "Dow 36 000: The New Strategy for Profiting From the Coming Rise in the Stock Market" (Die neue Strategie, um von den kommenden Kursanstiegen der Aktienmärkte zu profitieren). Das sage alles, so Krugman. Hassett sah in dem im Jahr 2000 veröffentlichten Finanz-Bestseller einen Anstieg des Dow Jones auf 36.000 Punkte kommen - fast schon paradox angesichts des heutigen Werts: Am Freitag war der US-Leitindex um 1,5 Prozent auf 8.451 Punkte gefallen. Seit dem Rekordhoch von 14.164 vor einem Jahr betrugen die Einbußen gar über 40 Prozent.
Warnung vor Wettbewerb unter Krankenversicherern
Krugman warnte kürzlich auch davor, dass unter einem Präsident McCain, der den Wettbewerb unter den Krankenversicherern anheizen will, zwar auch mehr Menschen versichert sein würden als heute. Aber die Leute, die eine Versicherung bekämen, seien die "die es am wenigsten brauchen: Recht gesunde Amerikaner mit hohen Einkommen." Obamas Pläne bezeichnete der frischgebackene Nobelpreisträger im deutschen Magazin "Cicero" als halbherzig. Der McCain Plan hingegen mache "überhaupt keinen Sinn, außer man glaubt, dass die Magie des Marktes alle Probleme lösen kann", so der US-Ökonom in seinem Blog. Er "würde für die Gesundheitsvorsorge das tun, was Deregulierung für den Bankensektor getan hat. Mir graut."
Grundsätzlich hält Krugman den US-Wahlkampf für von "zu großer ökonomischer Ungleichheit korrumpiert": "So lange Wahlkampfspenden ein großer Faktor der amerikanischen Politik sind, solange werden die Interessen der Reichen und Begüterten systematisch bevorzugt werden", sagte er im Gespräch mit "Cicero". Als Beispiel nannte er, dass Hedgefonds-Manager bisher kaum der normalen Einkommensteuer zu unterwerfen waren. "Ihr Einfluss hat dazu geführt, dass sie den größten Teil ihres Einkommens zum günstigen Satz der Kapitalertragsteuer von 15 Prozent versteuern dürfen, während andere Großverdiener ihr Einkommen mit 35 Prozent versteuern müssen." Wie es dazu kommen konnte? "Wahlkampfspenden. Die Spenden einiger weniger extrem reicher Männer machen einen großen Teil der Kriegskasse aus, auch bei den Demokraten."
(Ag.)