"Die Lugners" auf Zeitreise: Vertrottelter geht's nicht mehr

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Die Lugner Reality-Soap auf ATV erreicht einen neuen Tiefpunkt. Und die "Desperate Housewives" sind zurück. Endlich.

Man wollte eigentlich nie, und doch hat man schon wirklich viel von Richard (und früher einmal auch Mausi) Lugner gesehen. Und das ganz ohne jemals länger als zwei Minuten bei der Lugner'schen Soap auf ATV (montags, 20.15 Uhr) hängen geblieben zu sein. Vergangenen Montag ist es doch passiert, beim Warten auf die neuen Folgen von "Desperate Housewives (ORF1, 21.10 Uhr). Was man da sah, darf wohl als der bisherige Tiefpunkt in der an Tiefpunkten nicht gerade armen Medienpräsenz des Herrn Baumeister verbucht werden.

Lugner und sein Hasi, das das Mausi an seiner Seite vor einiger Zeit abgelöst hat, begaben sich für die ATV-Kamera auf "Zeitreise". Lugner und Hasi im Mittelalter-Kostüm Mittelalter-Tänze tanzend. Lugner in Ritterrüstung im Römerlager Carnuntum, als Indianer einen Regentanz versuchend, und das alles leider ganz ironiefrei. Vertottelter, mit Verlaub, geht's nicht mehr. Das war sogar für ein Reality-Soap-Format, das ja eine gewisse Grundpeinlichkeit in sich trägt, ungeahnt unerträglich. Betti-Hasi spielt, das muss man leider sagen, die ihr von ATV angedachte Rolle der hirnlosen Blonden ziemlich gut. Und Lugner tut jenseits jedes Schamgefühls ohnehin alles, was sich die ATV-Regie in Sachen Privat-TV-Belustigung zur Primetime so überlegt.

Das begann schon bei der ersten "Zeitreise", die die beiden ins Indianerdorf führte, das sich Waterloo (es bleibt einem ja nichts erspart) irgendwo in die Pampa gestellt hat (inklusve Tipi mit amerikanischer Flagge, fällt da irgendwem der Zynismus auf?). Mörtel als Häuptling mit weißen Federn am Kopf, Bettina als Squaw, dazu ein "Babalu, Babaluuu" singender Waterloo, der ums Lagerfeuer tanzt. Oh bitte. Hinzu kommen Dialoge (Lugner: "Du Indianer von Oberösterreich", Waterloo: "Und du Indianer von Wien"), die man, weil das bestimmt die Indianer früher genau so gemacht haben, der Einfachheit halber frei von Artikeln hält. Verben kommen, so sie überhaupt verwendet werden, nur im Infinitiv vor. "Ich schießen Hendel, du machen Hühnersuppe", sagt Lugner, macht sich mit Pfeil und Bogen auf und schießt dann auf ein (gottseidank schon totes) Huhn aus dem Supermarkt. Szenen, die man mündigen Bürgern nicht mal im Privat-Fernsehen zumuten sollte.

Es kommt dann aber noch schlimmer. Hasi, Lugner und ein selbst ernannter Ufo-Forscher sitzen, mit aus Alufolie gebastelten Antennen am Kopf (hallo?), auf einer Wiese und warten mit Feldstechern auf Ufos. Dazu darf Betti-Hasi dann Sätze wie: "Ich denk mir, warum sollen wir die einzigen Lebewesen sein?" sagen, auf die Ufo-Experte, auch er mit Alufolie am Kopf, "Na des gibts sicher" sagt. Frage an ATV: Denken sich die Protagonisten solche Dialoge selbst aus oder gibt es für Derartiges tatsächlich ein Drehbuch? Ob nun Ersteres oder Letzeres: Jenseits von gut und böse, das.

Kurz nach 21 Uhr kann man dann endlich zu den "Desperate Houswives" umschalten. Die hatten uns ja wegen des Drehbuchautorenstreiks im Frühling mit einem Tornado über der Wisteria Lane verlassen. Die erste Folge war nun zunächst einmal dem Aufräumen nach dem Chaos gewidmet. Von den Protagonisten haben erwartungsgemäß alle überlebt, Carlos ist allerdings erblindet. Die restlichen Folgen werden, so viel sei verraten, nach dem bewährten Muster ablaufen: Die neu dazu gezogene Familie hat, genau, ein dunkles Geheimnis, das nach und nach endlich geklärt wird. Die Lösung ist gleichermaßen überzogen, unglaubwürdig wie auch spannend. Ganz wie man es von den "Housewives" kennt. Wirklich in sich hat es aber das Staffelende, das diesmal ohne dramatischen Cliffhanger à la Tornado oder Selbstmord-Versuch (wie beim letzten Mal) auskommt, einen aber trotzdem erstaunt und gespannt zurücklässt. Während die Erinnerung an die Lugner-Soap eher als "fassungslos" bezeichnet werden kann. "Das Beamen", sagt Lugners Hasi, immer noch in der Wiese auf die Aliens wartend, "das wär schon super, wenn das gehen würde." Wir würdens dir wünschen, Betti-Hasi. Und uns.

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