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Als ob die Krise zu Ende wäre

(c) EPA (Dennis Sabangan)
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Die Kurse kletterten auch am Dienstag auf Rekordhöhe. Bank- und Immo-Aktien stiegen rasant. In den USA werden Banken teilverstaatlicht: Das Land beteiligt sich für 250 Mrd. Dollar an den angeschlagenen Instituten.

WIEN (g.h.). Nach den Rekordgewinnen am Montag setzten die internationalen Börsen auch am Dienstag ihren Höhenflug fort. Wieder zählte die Wiener Börse zu den größten Gewinnern. Der ATX lag mehr als zwölf Prozent im Plus. Seit Wochenbeginn hatte der Leitindex somit zeitweise mehr als 25 Prozent an Wert gewonnen.

Freilich zählte auch der ATX zu den größten Verlierern der vergangenen Wochen. Seit Ende August hat der Index der 20 bedeutendsten Unternehmen an der Wiener Börse knapp 45 Prozent eingebüßt. Von der Talsohle zurück zu diesem Ausgangspunkt ist also nun ein Plus von über 80 Prozent notwendig.

 

 

Zwei Tage Kursfeuerwerk hintereinander überraschte am Dienstag auch die eingefleischten Optimisten unter den Händlern. Schließlich erwartete man an der Börse vor allem Gewinnmitnahmen. Doch offensichtlich haben die EU-weiten Kriseninterventionen doch mehr zur Beruhigung an den Finanzmärkten beigetragen, als viele zu hoffen gewagt haben.

 

Wien: Banken deutlich im Plus

Und so waren es in Wien wieder die in letzter Zeit schwer unter die Räder gekommenen Bankentitel, die sich am kräftigsten erholt haben. Die Erste Bank lag zeitweilig 25 Prozent im Plus, die Raiffeisen Zentralbank um 22 Prozent. Gegen Ende des Tages flüchteten sich viele Investoren dann aber doch auf die sichere Seite. Der ATX schloss mit knapp fünf Prozent im Plus. Das führte dazu, dass etwa die Voest-Aktie wieder knapp fünf Prozent ins Minus rutschte. Die massiven Gewinnmitnahmen verhinderten schließlich, dass der ATX den zweiten Tag in Folge eine zweistellige Zuwachsrate aufweist.

Große Kursgewinne verzeichneten in Wien wieder die Immobilienaktien. Die Aktie der Immoeast hatte phasenweise 80 Prozent zugelegt, gegen Handelsende pendelte sich das Plus bei knapp 50 Prozent ein. Etwas darunter lagen die Zugewinne der Immofinanz. Auch die übrigen Immo-Aktien freuten sich über überdurchschnittliche Steigerungen.

Wie verdreht die Finanzwelt – nein, die Welt überhaupt – derzeit ist, zeigte wieder einmal die Wall Street. US-Präsident George W. Bush hatte Dienstagvormittag die Teilverstaatlichung von Banken verkündet – schon schossen die Kurse in die Höhe. Was also Wasser auf die Mühlen der Kapitalismus-Kritiker ist, muss dieser Tage nicht automatisch schlecht für das Börsenklima sein.

Um die Kirche im Dorf zu lassen, stellte Bush am Dienstag allerdings klar, dass diese drastische Staatshilfe nicht dazu da sei, „den freien Markt zu übernehmen, sondern ihn zu erhalten“. Bush sprach von einer „begrenzten und vorübergehenden“ Maßnahme. Diese umfasst immerhin 250 Mrd. Dollar (182 Mrd. Euro). Um diese Summe wird der amerikanische Staat Aktien von Finanzinstituten kaufen. Staatsbeteiligungen soll es vorerst bei der Citigroup, Wells Fargo, JP Morgan Chase, Bank of America und Morgan Stanley geben.

 

Wall Street erfreut über Verstaatlichung

Die Börse reagierte darauf verhalten freundlich und lag gegen 17.30 Uhr unserer Zeit leicht im Plus. Gleich zu Handelsbeginn war die Aktie der Citigroup um knapp 17 Prozent, jener der Bank of America um 16 Prozent gestiegen. Auch der Börsenwert von General Motors gewann zeitweilig 14 Prozent. Die Kursverluste der vergangenen Wochen hatten allerdings dazu geführt, dass die General-Motors-Aktie vergangene Woche auf das Niveau von 1950 gesunken war. Grund für den Kursanstieg der GM-Aktie sind Gerüchte über eine mögliche Fusion mit der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler. Chrysler ist derzeit in Besitz des Investmentfonds Cerberus.

Trotzdem kamen nicht nur Frohbotschaften von der Börse. Der US-Lebensmittel- und Getränkekonzern PepsiCo kündigte ein milliardenschweres Sparprogramm an. Das Unternehmen will 3300 Stellen streichen. Die Pepsi-Aktie stürzte daraufhin um über zehn Prozent ab.

Der deutsche Leitindex DAX, der am Montag mehr als zwölf Prozent zugelegt hatte, ging es am Dienstag erfreulich, wenn auch nicht überschwänglich an. Plus vier Prozent lautete der Zwischenstand am späten Nachmittag. Auch hier waren die Banken eine Zeit lang stark im Plus. Hypo Real Estate plus 25 Prozent, Deutsche Bank plus 17 Prozent, auch Commerzbank und Postbank legten knapp zweistellig zu.

 

Rekordgewinne in Tokio

Rund um den Globus zeigten sich die Börsen über den weltumspannenden Rettungsplan der Regierungen erleichtert. Asiens Leitbörse in Tokio startete am Dienstag mit einem wahren Kursfeuerwerk. Der Nikkei legte nicht nur 12,5 Prozent zu, er durchbrach auch wieder die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten. Die Tokioter Börse hatte am Tag zuvor wegen eines Feiertages geschlossen und dementsprechend „Nachholbedarf“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)