Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kleinbetriebe in der Kreditklemme

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
  • Drucken

Unternehmer fürchten eine Pleitewelle, die Banken stoppen Fremdwährungs-Kredite.

WIEN (g. h./pö/pic.). Die internationale Finanzkrise könnte noch viele zigtausend Unternehmen an den Rand des Ruins treiben oder sogar in die Pleite stürzen. Die EU müsse gegensteuern, damit die Finanzkrise nicht auch die Realwirtschaft nach unten zieht. Das war der Tenor gestern, Dienstag, beim „Parlament der Unternehmer“, einer Lobbying-Veranstaltung der europäischen Wirtschaftstreibenden im EU-Parlament in Brüssel.

Statt der EU-Abgeordneten nahmen dabei Unternehmer aus allen 27 EU-Ländern in den 785 Sesseln des Hohen Hauses Platz, aus Österreich waren es 18 Wirtschaftskammer-Funktionäre. Die Aussichten seien „gar nicht gut“, sagte Franz Xaver Böhm der „Presse“. Böhm ist Chef einer Schweißtechnikfirma in Salzburg, Wirtschaftskammerfunktionär und ÖVP-Abgeordneter im Nationalrat.

Schon im Vorjahr erwirtschafteten 60 Prozent der rund 80.000 Handelsbetriebe in Österreich ein negatives Ergebnis, zitierte er aus Daten der Statistik Austria. Heuer werde die Situation „noch drastischer“ sein, ist Böhm überzeugt.

Es sei zwar sinnvoll, dass die 27 EU-Staaten sich vor dem EU-Gipfel heute, Mittwoch, in Brüssel zu einem Notfallpaket für große Banken über knapp zwei Billionen Euro bekannt haben, um diese im Ernstfall „zum Wohle aller zu retten“. Mit dem müsse aber ein „100-prozentiger Insolvenzschutz für Klein- und Mittelbetriebe für mindestens zwei bis drei Jahre einhergehen“, forderte Böhm.

Er hofft, dass dies in die bevorstehende Regierungsverhandlungen von Rot-Schwarz aufgenommen wird. Derzeit würden die Klein- und Mittelbetriebe „massiv“ unter dem „Hemmschuh Basel II“ leiden, also unter der EU-Regel, die ihnen hohe Auflagen bei der Kreditvergabe bringt.

 

Insolvenzschutz für Betriebe

Vor allem seine Branche, die der schwer angeschlagenen Automobilindustrie zuliefert, müsse geschützt werden, warnt Böhm. Die Zulieferer sind massiv von Exporten in die USA abhängig, wo die Nachfrage in den Vormonaten aber deutlich nachgelassen hat.

Böhm erklärte, dass viele Kleinbetriebe mittlerweile große Probleme hätten, Bankkredite zu bekommen. Dies würde die Misere noch verschärfen.

Seitens der Banken wird diese allerdings dementiert. „Es gibt keine Kreditverknappung in Österreich“, betonte Michael Mauritz, Sprecher der Erste Bank, gegenüber der „Presse“.

 

Aus für Fremdwährungskredit

Dafür erhält man in den österreichischen Banken seit spätestens Montag keine Fremdwährungskredite mehr. Nach Interventionen von Notenbank und Finanzmarktaufsicht haben die Banken diese Kredite aus dem Programm genommen. Das Fremdwährungs- und Kursrisiko sei für die Kreditnehmer zu groß, heißt es unisono.

Bisher erfreuten sich Fremdwährungskredite in Schweizer Franken aufgrund der niedrigen Zinsen größter Beliebtheit. Jeder dritte Wohnbaukredit ist ein Fremdwährungskredit. Knapp drei Viertel dieser Kredit sind endfällig: Der Kunde zahlt nur die Zinsen zurück. Die Kreditraten fließen in einen Fonds („Tilgungsträger“). Bei gutem Finanzklima kann der Kreditnehmer sogar viel Geld sparen. In Zeiten von Kursverlusten kann diese Art der Kreditfinanzierung allerdings sehr teuer werden.

Einen weiteren Grund für das Aus der Fremdwährungskredite nennt Christian Ohswald, Private Banking Direktor der Raiffeisenlandesbank Wien-NÖ: „Die Beschaffungskosten sind so teuer geworden, dass es unverantwortlich wäre, diese Kredite zu begeben.“

Denn im Zuge der Finanzkrise hortet die Schweiz ihren Franken und verlangt im Interbankenhandel exorbitante Zinsen. Für die Banken sind Fremdwährungskredite somit ein noch schlechteres Geschäft geworden, als sie im Vergleich zu den Euro-Krediten ohnehin schon immer waren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)