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Ganze Datenübertragung wandert ins Internet

IP-TRANSFORMATION. Telefonie, Datenaustausch und Steuerung von Maschinen: Wenn das gesamte Unternehmen ausschließlich über Internet Protocol kommuniziert, können große Synergieeffekte erzeugt werden.

Die sogenannte IP-Transformation ist in vollem Gang. Nach den Vorreitern aus dem Telekommunikationsbereich folgen nun zahlreiche andere Industrien und Unternehmen, die ebenfalls die Grundlagen ihrer Netzwerke auf Lösungen auf Basis des Internet Protocol (IP) umstellen. Telekommunikationsanbieter haben nach der IP-Transformation jetzt die Möglichkeit, über reine Sprachtelefonie hinaus auch andere Services wie etwa Videotelefonie, Datenverbindungen oder die Übertragung von Fernsehprogrammen anzubieten („Triple-“ und „Quad-play“). Sie sind dadurch so flexibel, dass sie innerhalb kurzer Zeit auf neue Marktgegebenheiten reagieren bzw. neue Produkte auf den Markt bringen können.

Aber nicht nur die großen Carrier, auch Unternehmen haben die Vorteile einer reinen IP-basierten Telekommunikationslösung erkannt. Unter dem Stichwort „Unified Communications“ (UC) wird die IP-Transformation vielerorts gerade durchgeführt bzw. ist sie schon abgeschlossen. „Der Mittelstand ist hier den großen Unternehmen zumeist weit voraus. Die kleineren Unternehmen haben bereits frühzeitig erkannt, dass ihnen eine UC einen Kosten- und Wettbewerbsvorteil bringen kann“, führt Uwe Becker, Head of Professional Services bei Orange Business Services Deutschland aus.


Nur eines von vielen Elementen

Er betont aber auch, dass die vereinheitlichte Telekommunikation nur ein Teil der IP-Transformation ist. Denn nicht nur Telefonienetze, sondern beispielsweise auch proprietäre Verbindungen zwischen Produktionsmaschinen werden bei der IP-Transformation in ein einziges konvergentes Netzwerk überführt. Dabei sprechen sowohl die Netzwerkkomponenten, aber auch die beteiligten Anwendungen sowie die Endgeräte (Handy, RFID- oder Barcode-Lesegeräte) das gleiche Protokoll und können so schnell und einfach miteinander kommunizieren.


Neue Dienste möglich

Dadurch ergeben sich nicht nur Beschleunigungen in den diversen Prozessen, sondern auch neue Dienste und Möglichkeiten für Unternehmen. So können etwa Botendienste aufgrund einer durchgehenden IP-basierten Infrastruktur nicht nur genau verfolgen, wo sich welches Paket gerade befindet, sondern auch ihren Kunden diese Informationen quasi in Echtzeit über das World Wide Web zur Verfügung stellen.


Eine Stunde bis zur Lieferung

Uwe Becker verweist auf die Automobil- und Fertigungsbranche, wenn man nach Beispielen für eine erfolgreiche IP-Transformation fragt. Zwischen Auftrag und Liefertermin können unter Umständen nur mehr 60 Minuten liegen, da alle Daten in einem Netzwerk ohne Unterbrechung übermittelt werden können. Vom Enterprise-Ressource-Planning-System (ERP), über das der Auftrag hereinkommt, zum CAD-Rechner, der die für das Produkt notwendigen Steuerungsanweisungen an die Spritzgussmaschine schickt, werden alle Daten direkt übermittelt.


Mehrstufiges Projekt

„Um ein IP-Transformationsprojekt erfolgreich abzuwickeln, betrachtet man dieses am besten als mehrstufigen Prozess“, rät Astrid Krupicka, Marketing Director für Österreich und Osteuropa bei Alcatel-Lucent. Als ersten Schritt empfehlen alle Anbieter die Schaffung einer soliden Basis, also die Netzwerktransformation in Richtung konvergentes IP-Netzwerk. Dadurch verringern sich der Administrationsaufwand und die Kosten. An zweiter Stelle folgt üblicherweise die Service Transformation. Dabei wird die interne Kommunikation durch Kollaboration-Tools oder Mobilitätslösungen angekurbelt. Der nächste, dritte Schritt ist dann zumeist die Verbesserung der externen Kommunikation. Dabei spielen, laut Krupica, Data-Warehousing-Lösungen zur Analyse von Kaufverhalten und Kundenpräferenzen sowie Contact Center als erste Anlaufstelle für Kommunikation die wesentlichsten Rollen. Als letzter Schritt werden noch Social-Software-Tools und Web-2.0-Anwendungen eingebunden.


Individuelle Lösungen

Alleine ist eine IP-Transformation aber für die meisten Unternehmen aufgrund der notwendigen technischen und organisatorischen Voraussetzungen nicht umsetzbar. „Der Weg zur IP-Transformation führt über eine gute Beratung im Vorfeld, die individuell auf die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens abgestimmt wird. Dadurch kann man die Gesamtlösung inklusive Sicherheitsmechanismen, genutzter Services und erforderlicher Infrastruktur erstellen“, meint Robert Ludwig, UC Marketing Manager bei Nextira-One Austria.

AUF EINEN BLICK

IP-Transformation ist die Umwandlung der vorhandenen, unterschiedlichen Netze zu einer einzigen, „All-IP“-Hierarchie. Im Kern steht dabei die Erbringung des Sprachtelefonie-Dienstes über das Internet Protocol, also Voice over IP (VoIP), da dies mit dem Umbau des gewachsenen Sprachtelefonie-Netzes gleichzusetzen und die größte Herausforderung ist. Aber auch alle anderen Netzwerke, wie etwa zwischen Produktionsmaschinen oder Messinstrumenten, sowie Anwendungen und Endgeräte sind betroffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)