Business-Speed-Dating: Auf ein Date mit der Geldspritze

(c) Clemens Fabry
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Wie Unternehmen in nur 15 Minuten versuchen, Investoren von sich und ihren Ideen zu überzeugen. Ein Lokalaugenschein bei der „Capital Connection 08“.

Wien. Zum „Speed Dating“ sind fast nur Männer gekommen. Was aber nichts macht. Denn bei diesen kurzen Treffen geht es, anders als bei den üblichen „Speed Dates“, nicht darum, auf die Schnelle den Partner fürs Leben zu finden.

Wobei: irgendwie doch. Hier, bei der „Capital Connection08“, vom „Business Circle“ zum dritten Mal veranstaltet – „Die Presse“ war Medienpartner –, sollen Unternehmen, die etwa expandieren wollen und dafür eine Finanzierung brauchen, auf potenzielle Kapitalgeber treffen. Und das ein wenig ungewöhnlich, weil ungewöhnlich schnell. Ein „Business-Speed-Date“ eben.

Wobei alles wie ein „Blind Date“ beginnt. Männer in Anzügen und Krawatten – die Unternehmer – warten an „Meeting Points“ (Stehtischen mit Nummern) im Wiener Hotel „Marriott“ auf Männer in Anzügen und Krawatten – die Vertreter der acht Kapitalgeber (ECM, Danube Equity etc.). Blicken nach links, nach rechts, auf die Uhr, blättern in den Unterlagen, die sie den Private-Equity-Unternehmen überreichen werden. Ein bisschen nervös wirkt da manch einer. Wahrscheinlich auch, weil der Zeitpunkt (Wirtschaftskrise!) für Investitionen nicht unbedingt der günstigste ist.

An Tisch vier wartet Heinrich Macht auf einen Vertreter der Riverside Company. Als der, Karsten Langer, kommt, gehen die beiden in einen Seminarraum, der durch graue Trennwände in vier Bereiche unterteilt wurde. Der Begriff „Separee“ drängt sich auf. „Es ist 11.25Uhr. Ihr ,Speed Date‘ beginnt jetzt“, hört man eine Frauenstimme aus den Lautsprechern. Es klingt wie eine Durchsage am Bahnhof.

Macht erzählt von seinen Expansionsplänen. Er führt in Ungarn ein Bestattungsunternehmen und will dort weitere Krematorien aufkaufen. Langer, ein Däne, unterbricht. „Bestattung?“ „Funeral“, sagt Macht, und wechselt ins Englische. Er erzählt, wie der Markt für Krematorien wächst, weil sich immer mehr Ungarn nach dem Tod verbrennen lassen („it's cheaper“). Langer scheint interessiert. Wie hoch die Erhaltungskosten seien. Nicht hoch, sagt Macht. Man brauche wenig Personal, und die Öfen laufen rund um die Uhr.

Und: Der Markt sei stabil. Die Männer schmunzeln. „Das wird nicht aufhören“, meint Langer. Denn gestorben wird ja immer. „Interesting“, sagt Langer immer wieder. Aber leider, das Projekt sei für Riverside „a little bit on the small side“. Zu klein. Denn üblicherweise investiert Riverside mindestens zwölf, manchmal 100 Millionen. So viel bräuchte Macht nicht. Aber, verspricht Langer, er werde den ungarischen Riverside-Ableger kontaktieren, vielleicht ginge ja doch etwas. Plötzlich wieder die Frauenstimme: „Es ist 11.40Uhr. Ihr ,Speed Date‘ ist jetzt vorbei.“

15Minuten seien ausreichend, meint Langer. Schon im Vorjahr war Riverside dabei und habe einige Kunden gewonnen. Klingt ein Projekt beim „Speed Date“ interessant genug, wird der Unternehmer zu einem längeren Gespräch eingeladen, erzählt er. Im Gehen. Das nächste „Speed Date“ wartet.

Idee kommt aus den USA

15Minuten sei sogar recht lange, sagt Romy Faisst-Necas, Geschäftsführerin des „Business Circle“. In den USA, wo das „Business-Speed-Dating“ üblicher ist als in Europa, dauern die Treffen gar nur fünf Minuten. Gesprochen wird gleich im Stehen. Das, sagt Faisst-Necas, würde hierzulande nicht funktionieren, daher gibt es hier die längere, „gemütlichere“ Variante.

Das Interesse an der „Capital Connection“ war heuer so groß wie nie: Die Veranstaltung war überbucht, 220 „Speed Dates“ finden an diesem Tag statt. Was Faisst-Necas nicht überrascht: „Sonst bekommt man derzeit ja nirgendwo Geld.“

Das kann Bestattungsunternehmer Macht nur bestätigen. Für heimische Investoren sei sein Projekt zu groß und zu „strange“. Für internationale Investmentfirmen wiederum, siehe Riverside, zu klein.

Nicht alle, die hier sind, nehmen an den „Speed Dates“ teil. Jungunternehmer Gerwin Brunner („coogam“) sieht die „Capital Connection“ als „erste Übung“. Ein „Speed Date“ braucht er noch nicht, denn „Private Equity ist eine Nummer zu groß für mich“. Noch. Er will hier auf unkomplizierte Weise mit Investoren ins Gespräch kommen. Ein „Slow Date“. Sozusagen.

Auf einen blick

Beim „Speed Dating“ haben kapitalsuchende Unternehmen
15 Minuten Zeit, um sich und ihre Ideen bei Kapitalgebern vorzustellen. Zeigen sich Letztere interessiert, folgt ein längeres Gespräch. Die Idee des „Business-Speed-Dating“ stammt aus den USA.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)

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