Mit der Hofreitschule nimmt in Wien einer der letzten Traditionsbetriebe Frauen auf. Polizei, Bundesheer und Feuerwehr wurden in den vergangenen Jahren bei Frauen immer beliebter.
WIEN.Pferde sind der Lebensinhalt von Hannah Zeitlhofer. Seit Jahren reitet die Wienerin in einem niederösterreichischen Reitklub, sie stürzte sich in das Studium der Pferdewissenschaften und jetzt, mit 21, ist sie eine von zwei Frauen, die erstmals in der Männerdomäne Spanische Hofreitschule aufgenommen wurden.
Zeitlhofer und die 17-jährige Britin Sojourner Morell wurden am Mittwoch nach einem Probemonat offiziell – und unter riesigem Interesse in- und ausländischer Medien – zur Bereiter-Ausbildung aufgenommen. „Ich werde hier behandelt wie auch sonst immer“, erzählt Zeitlhofer über ihre vier Probewochen. Keine Probleme, keine Extrawürste. Und auch die etablierten Bereiter zeigen sich offen: „Wir sind uns schon seit Jahren einig, dass die Zeit reif ist, auch bei uns Frauen aufzunehmen. Wir sind zwar ein traditioneller Betrieb, aber Traditionen und Werte müssen immer wieder hinterfragt und angepasst werden“, begründet Generaldirektorin Elisabeth Gürtler, warum sich die Hofreitschule weiblichen Bewerbern geöffnet hat. Die zwei weiblichen Eleven (wie die Hofreitschul-Lehrlinge genannt werden) sind auf längere Zeit die einzigen Frauen, die auf den elitären weißen Lipizzanern reiten. „Vor fünf Jahren wurden zuletzt Eleven aufgenommen, es wird wieder einige Jahre bis zur nächsten Aufnahme dauern“, so Gürtler.
Mit der Hofreitschule fällt damit (wenn auch mit einer vorerst niedrigen Frauenquote) eine der letzten Wiener „Männerbastionen“. Die „Wiener Philharmoniker“ gaben ihre Frauenlosigkeit einst allerdings nicht ganz freiwillig auf. Nach massivem öffentlichen Druck wurde 1997 die erste Philharmonikerin aufgenommen. Elf Jahre später ist die Quote kaum gestiegen: Heute gibt es drei Frauen im Ensemble, eine weitere Musikerin absolviert gerade die einjährige Probezeit. Der niedrige Frauenanteil regt aber heute kaum noch auf: Vor einigen Jahren noch wurden die Philharmoniker etwa bei USA-Besuchen gescholten („Old boys-network“), das sei heute nicht mehr der Fall, sagt Sprecherin Yvonne Katzenberger.
Müllabfuhr weiter männlich
Im Staatsopernorchester, aus dem die Philharmoniker ihre Mitglieder rekrutieren, sind sieben Frauen unter den 149 Musikern.
100% männlich sind auch die Wiener Sängerknaben nicht mehr. Der berühmte Chor selbst bleibt Mädchen zwar nach wie vor verwehrt. In Kindergarten und Volksschule der Sängerknaben sind aber seit Ende der 90er auch Mädchen zugelassen.
Wiens Müllmänner bleiben vorerst unter sich. Die MA 48 (Abfallwirtschaft) nimmt zwar seit 2002 auch Frauen auf, die kommen aber hauptsächlich als Waste Watcher oder in der Straßenreinigung zum Einsatz. Die Aufgaben bei der Müllabfuhr seien für Frauen rein kräftetechnisch nicht machbar, heißt es. Für diese Jobs würden sich aber Frauen auch so gut wie nie bewerben.
Im Fahrerpersonal der Wiener Linien arbeiten seit Jahrzehnten Frauen – wenn auch früher nur als Straßenbahnfahrerinnen. U-Bahnen und Busse werden seit 1993 auch von Frauen gelenkt, derzeit sind 277 der 3023 Fahrer weiblich.
Polizei, Bundesheer und Feuerwehr wurden in den vergangenen Jahren bei Frauen immer beliebter. Von den 27.000 Polizisten in Österreich sind rund 3000 weiblich (11,1 Prozent). 1995 betrug der Frauenanteil innerhalb der Polizei 4,7, im Jahr 2000 bereits sieben Prozent. 2006 wurde die Zehnprozentmarke überschritten. Die Wiener Polizei (Vizepolizeipräsidentin ist eine Frau) mit ihren knapp 6000 Polizisten hat mit einem Frauenanteil von 13 Prozent nach Vorarlberg die zweithöchste Frauenquote aller Bundesländer.
Von den derzeit 341 Soldatinnen sind 38 in Wiener Kasernen stationiert. Wiens Berufsfeuerwehr hatte 2007 nur 3 Frauen im Einsatz.
Auf einen Blick
■In der Wiener Hofreitschule wurden erstmals zwei Frauen zur Bereiter-Ausbildung aufgenommen. Die Philharmoniker und das Staatsopernorchester nehmen seit 1997 Frauen auf, ihr Anteil ist aber immer noch niedrig. Konstant steigend ist die Frauenquote bei Polizei, Feuerwehr und Bundesheer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)