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Kongress: Kann die PR in der Krise helfen?

Verschiedene Ansichten über PR und Krise beim zehnten Journalistinnenkongress.

Wien (awa). Das Thema war passend. Mitten am Höhepunkt der aktuellen Wirtschaftskrise widmete man sich vergangenen Freitag auch beim zehnten Journalistinnenkongress der Krise. „Journalismus und PR: Die Krise ist da“, lautete der Titel einer der fünf Workshops, die diesmal beim Kongress in der Industriellenvereinigung angeboten wurden.

Und die Krise sieht offenbar für jeden ein bisschen anders aus. Kommunikationsberaterin Heidi Glück etwa konzentrierte sich auf die politische Krise und erläuterte einen „15-Punkte-Fahrplan“ für den Umgang mit Medien in akuten Problemfällen. Und Glück hat nicht wenig Erfahrung mit politisch heiklen Situationen als langjährige Beraterin und Pressesprecherin von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (man erinnere sich an den EU-Boykott gegen die schwarz-blaue Regierung im Jahr 2000). Die aktuelle Finanzkrise führte sie als Negativbeispiel für Krisenarbeit an. „Die Kommunikation hat viel zu spät eingesetzt, die EU hat zu lange gewartet und geschaut, was die USA machen.“ Schuld daran sei vor allem der jetzige EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy. „Er hätte ein besseres Krisenmanagement machen müssen.“


Journalismus und PR in der Krise

Nicht von der Krisen-PR, sondern vom Problem der Vermischung zwischen PR und Journalismus sprach die selbstständige Medizin-journalistin Elisabeth Tschachler-Roth. „Ich bin sehr froh, dass wir hier so gesund sitzen“, sagte sie, „denn wir sind alle unterdiagnostiziert und unterbehandelt, zumindest, wenn man den vielen Presseaussendungen von Pharmakonzernen Glauben schenkt.“

Man könne gut beobachten, wie Hypes rund um eine Krankheit und das Marketing für das dazugehörige Medikament entstehen. „Dahinter stecken immer wirtschaftliche Interessen.“ Auch bei hochrangigen Fachmagazinen, wie „Science“ oder „Nature“, habe ein wirtschaftlicher Druck gestartet. Die Abhängigkeit von Anzeigen würde die objektive Berichterstattung zwangsläufig beeinträchtigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)