Der Großaktionär will die operative Tochter zu einem geringen Preis erwerben und allein weiterführen. Die Holding dürfte liquidiert werden.
Wien.Die Aktionäre der vom Bankrott bedrohten SkyEurope sollen in drei Wochen über ihren eigenen Rauswurf abstimmen. Dann will die börsennotierte slowakisch-österreichische Billigfluglinie auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über ein Angebot des mit 30 Prozent beteiligten Investmentfonds York abstimmen lassen. York will sämtliche Anteile an der operativen slowakischen Tochter für einen „geringen, formellen“ Preis übernehmen. Bei dieser sollen dann die Schulden bezahlt und das Unternehmen weitergeführt werden. Die börsennotierte Holding hätte danach keinerlei Vermögen mehr und würde aller Voraussicht nach liquidiert werden.
Wie hoch dieser „geringe, formelle“ Preis sei, könne er noch nicht sagen, meint SkyEurope-Chef Jason Bitter im Gespräch mit der „Presse“. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es ein hoher Preis sein wird.“ Warum die Aktionäre dem Angebot dann zustimmen sollten? „Die Alternative wäre, den Laden zuzusperren“, so Bitter offen. „Ich weiß, dass das keine gute Nachricht für die Aktionäre ist – ich bin ebenfalls einer. Als Manager müssen wir aber auch an die rund 700 Mitarbeiter denken.“
Widerstand der anderen Aktionäre
„Die Gesellschaft ist nach wie vor ordentlich unter Wasser. York will keine weitere Liquidität reinpumpen, von der dann die anderen 70 Prozent Aktionäre profitieren“, sagt Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. Für den Preis, mit dem York die anderen Aktionäre auszahlt, werde entscheidend sein, „wie ruhig York die Sache durchführen will“.
Denn die geplante Übernahme dürfte nicht so glatt über die Bühne gehen wie gewünscht. Zumindest der zweite Großaktionär, Alon Shklarek, der über die Focus Capital Investments B.V. eigenen Angaben zufolge 9,8 Prozent hält, soll sich „erstaunt“ zeigen. Es könne nicht sein, dass sich ein Aktionär gegen den Willen der anderen Aktionäre die Fluglinie billig unter den Nagel reiße, heißt es im Umfeld von SkyEurope. Es wird vermutet, dass die Bank Rothschild, die einen Partner für die Fluglinie finden hätte sollen – ihn aber bis dato nicht gefunden hat – gar nicht ernsthaft gesucht habe, um jetzt York den Weg frei zu machen.
Dem Vernehmen nach wurde schon im Februar eine Kapitalerhöhung beschlossen, die jene rund 30 Mio. Euro bringen sollte, die SkyEurope jetzt dringend zum Überleben braucht. Nun wird gerätselt, warum der Vorstand trotz der angespannten finanziellen Lage der Fluglinie acht Monate lang untätig zugesehen hat. Es dränge sich der Verdacht auf, dass diese Vorgangsweise York in die Hände spiele, heißt es. Bitter rechtfertigt sich in dieser Frage damit, dass „niemand bei einer Kapitalerhöhung zu einem Euro gezeichnet hätte, wenn er die Aktien an der Börse günstiger erhält“. Die geplante außerordentliche Hauptversammlung verspricht dennoch Brisanz. Man geht davon aus, dass Shklarek und andere Aktionäre ihre Aktien nicht freiwillig billig abgeben werden.
SkyEurope hat die Anteile an der operativen Tochter zwar bereits im vergangenen Winter gegen ein Darlehen von York an den Fonds verpfändet. Dennoch dürfte der Fonds die Zustimmung der Aktionäre brauchen, da das Unternehmen ansonsten in Konkurs gehen könnte. Und York möchte die Billigfluglinie weiter fortführen. „Nach Durchführung der Transaktion wird York SkyEurope (der operativen Tochter, Anm.) Kapitalin signifikanter Höhe zuführen“, heißt es in einer Aussendung. Die oft vorgebrachte Meinung, dass SkyEurope dann die EU-Fluglizenz verliere, da York ein US-Fonds ist, stimmt laut Bitter nicht. Denn die Anteile an SkyEurope würden von einer Luxemburger Dependance von York gehalten.
Nur noch ein Zwanzigstel wert
Bisher hat York bereits über 80 Mio. Euro in das Unternehmen gepumpt. Das Auszahlen der Aktionäre zum gegenwärtigen Kursniveau würde weitere zehn Mio. Euro kosten. Vor rund einem Monat war dieser Betrag noch doppelt so hoch. Seit dem Börsengang von SkyEurope im September 2005 ist der Kurs auf ein Zwanzigstel geschrumpft. Die Fluglinie hat noch nie Gewinne gemacht, das Eigenkapital beträgt derzeit minus 50 Mio. Euro.
Bitter hofft aber nach wie vor, dass sich für SkyEurope doch noch ein anderer Partner findet: „Diese Ankündigung könnte vielleicht dafür sorgen, dass noch jemand auf den Plan tritt.“ In der Luftfahrtszene wird nicht ausgeschlossen, dass die sibirische S7 zuschlägt, wenn sie bei der AUA nicht zum Zug kommt.
AUF EINEN BLICK
■SkyEurope könnte bereits demnächst von der Wiener Börse verschwinden. Denn der Großaktionär York will für einen „geringen formellen“ Preis die operative Tochter komplett übernehmen. Die anderen Aktionäre kündigen bereits Widerstand an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)