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High-Tech-Kosmetik: Zukunft aus dem Tiegel

(c) Www.BilderBox.com
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Beauty-Forscher lassen sich mit Sicherheit keine grauen Haare wachsen. Antioxidantien, Fruchtsäure und Botoxcremes waren der Anfang. Heute kann die Kosmetikindustrie nicht einmal von Stammzellen die Finger lassen.

Die Hautirritationen nehmen zu, und das Altern der Haut kann bis heute nicht aufgehalten werden. So viel steht schon einmal fest. Das Idealbild schöner, glatter Haut ist und bleibt ein gesellschaftliches Phänomen. Die Angst vor dem Zerfall der jugendlichen Hautstruktur ist auch dadurch belegt, dass die Österreicher im letzten Jahr 257 Millionen Euro für Hautpflegeprodukte ausgegeben haben. Drei Prozent mehr als im Jahr davor. Hauptankurbler ist die Sektion der Anti-Aging-Produkte.

Daher ist der Kosmetikindustrie auf der Suche nach dem Anti-Aging-Wunderpräparat kein Weg zu weit, kein Pflänzchen zu exotisch und vor allem keine neue wissenschaftliche Erkenntnis zu absurd. Hightech-Kosmetik ist neben der Vielzahl an ausgetüftelten Naturprodukten der mit Abstand wichtigste Bereich der Beauty-Forschung, die in Großkonzernen wie L’Orèal, Estée Lauder und Beiersdorf vorangetrieben wird. Sie verkaufen Technologie im Tiegel und sprechen auch gerne von „Reparatur“ statt von Verbesserung.

Wunderwirkung stellen auch arzneiähnliche Mittel in Aussicht. Also Kosmetik, die sich den Arztkittel angezogen hat. Sie hantiert seit geraumer Zeit mit Peptiden und Antioxidantien, besser bekannt als Fruchtsäure, Hightech-Vitaminen, Omega-3-Fettsäure oder Hyaluronsäure. Ganz abgesehen von jenen Stoffen, für deren Verständnis ein abgeschlossenes Chemiestudium durchaus hilfreich wäre. Äußerlich als Creme oder innerlich in Form von Tabletten verabreicht, verheißen diese Zutaten positive Auswirkungen auf Faltenbildung, Mikrozirkulation, Zellregeneration oder Schutz vor Umwelteinflüssen. Die Forschung setzt genau da an, wo das scheinbar große Unglück im Entstehen ist: in der Bindeschicht zwischen Dermis und Epidermis. Dort entstehen Falten, ganz einfach weil sich die biomechanischen Eigenschaften der Haut der natürlichen Alterung des Menschen anpassen.

Botox als Creme. Rein fortschrittlich betrachtet, gehören all diese Inhaltsstoffe schon der wissenschaftlichen Vergangenheit an. Für Martina Kerscher, Professorin für Kosmetik und Körperpflege an der Universität Hamburg, beruht die Anti-Aging-Zukunft auf einer Säule: „Botox“, entweder als Spritze oder Inhaltsstoff in der Hautcreme, teilte sie der Austria Presse Agentur mit. Was bei solchen Aussagen oft unerwähnt bleibt, ist, dass klinische Botoxtests bereits ergeben haben, dass das Nervengift nicht immer nur dort bleibt, wo man es hinspritzt oder -schmiert, sondern in Ausnahmefällen auch Richtung Gehirn wandern kann.

Synthetische Kosmetik hat viele Vorteile: die Cremes riechen gut, haben eine angenehme Konsistenz und eine lange Haltbarkeit. Genau deswegen hat sie aber auch ein großes Problem: die Parabene. Sie stecken fast ausnahmslos in jedem Tiegel, auf dem nicht ausdrücklich das Biozeichen prangt. Das, was das „E“ in Nahrungsmitteln ist, fängt in der Kosmetik mit „Methyl“, „Ethyl“ oder „Propyl“ an. Konservierungsstoffe also, die ihre Arbeit oft auch nach dem Auftragen auf die Haut fortsetzen. In anderen Worten: Es besteht die Gefahr, dass Parabene bestenfalls nur Allergien auslösen und schlechtestenfalls auch ins Blut gelangen und sich letztendlich in den Organen ablagern können.

Stammzellenforschung.
Die Schönheitsindustrie entwickelt sich aber längst weiter: hin zur Genforschung. „Durch die Forschung wurde bestätigt, dass das Risiko frühzeitiger Alterung von unserer genetischen Veranlagung abhängt“, sagt Daniel Maes, Leiter Forschung & Entwicklung bei Estée Lauder. Pflegeprodukte, die auf Stammzellenforschung basieren, wecken damit große Hoffnung auf ewige Jugend, auch wenn nicht allen ganz wohl dabei ist. Dennoch legen die Konzerne große Hoffnung in die Genforschung und fangen auch schon zaghaft damit an. L’Oreàl etwa möchte damit den Haarausfall stoppen, Dior die Faltenbildung. Das Prinzip ist relativ einfach: Sind die Stammzellen inaktiv, können keine Tochterzellen produziert werden und Falten entstehen.

Wesentlich unbedenklicher, zumindest in ökologischer und moralischer Hinsicht, sind die boomenden Produkte aus der Kategorie der Hightech-Biokosmetik. Die Natur liefert die Zutaten und das Labor das nötige Wissen, wie diese zu ihrer vollen Entfaltung gelangen, ohne Nebenwirkungen wie Allergien auszulösen. Auch so könnte die Zukunft der Schönheit aussehen.