Das grüne Neubau sieht die Idee des roten Mariahilf positiv. Wiens längste Einkaufsstraße soll probeweise drei Monate lang jeden Samstag für den Autoverkehr gesperrt werden.
Wien. Keine Autos, nur Fußgänger. So kann man die Mariahilfer Straße nur vier Mal im Jahr – an den Adventsamstagen – erleben. Bisher. Das soll sich 2009 ändern, wenn Wiens längste Einkaufsstraße drei Monate lang jeden Samstag für den Autoverkehr gesperrt und zur Fußgängerzone werden soll.
Probeweise, „um den Beweis anzutreten, dass das funktionieren kann“, wie die Bezirksvorsteherin von Mariahilf, Renate Kaufmann (SP), sagt. Ihr Ziel ist es, die Straße samstags dauerhaft autofrei zu bekommen. Kaufmann möchte das im kommenden Jahr von März bis Mai ausprobieren, und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Denn Thomas Blimlinger, grüner Bezirksvorsteher von Neubau – die Mariahilfer Straße fällt in beide Bezirke – ist dem Projekt jetzt nicht mehr ganz so abgeneigt wie früher.
Bewohner sind dafür
Bisher hatte sich Blimlinger dagegen gewehrt, weil er einen Verkehrskollaps in Neubau befürchtet, wenn die Mariahilfer Straße gesperrt ist. „In der Adventzeit ist das immer ein Chaos“, sagt er. Da nun aber, wie eine Evaluierung der Parkraumbewirtschaftung gezeigt hat, der Verkehr in den Bezirken innerhalb des Gürtels „langsam, aber doch“ zurückgeht, „bin ich optimistisch“. Wenn eine Verkehrszählung oder Studie belegt, dass „der Verkehr im siebenten Bezirk dadurch nicht zusammenbricht, bin ich für eine Probezeit im Frühling“, sagt er.
Was nicht nur Kaufmann freut: Bei einer Umfrage unter Bewohnern des sechsten Bezirks, die demnächst präsentiert wird, sei der Wunsch nach einer Fußgängerzone oft geäußert worden, sagt sie. Bei einer Befragung vor einigen Jahren hatten sich 60 Prozent der Händler dafür ausgesprochen.
Das bezweifelt der Obmann der Wiener Händler, Fritz Aichinger. Er sieht den Bedarf nicht, denn „die Mariahilfer Straße ist längst keine Durchzugsstraße mehr“. Dass ein autofreier Samstag mehr Menschen anzieht, glaubt er nicht. „Es gibt ein Potenzial an Kunden, die mit dem Auto kommen wollen.“
Die Stadt steht dem Versuch „offen“ gegenüber, wie es aus dem Büro von Verkehrsstadtrat Rudi Schicker heißt, möchte die Machbarkeit davor aber durch eine Studie belegt wissen. „Wir sperren die Mariahilfer Straße sonst ja auch nicht leichtfertig.“ Kaufmann wollte sich eine teure Studie ersparen und gleich den „Feldversuch“ starten, was dank der Erfahrung aus der Adventzeit leicht möglich sei. Wenn nun die Stadt eine Studie will, heißt es aus Kaufmanns Büro, „dann werden wir wohl eine machen“.
Auf einen Blick
■Samstags nur Fußgänger:
Die Bezirkschefin des sechsten Bezirks, Renate Kaufmann, will die Mariahilfer Straße samstags zur Fußgängerzone machen und dies 2009 drei Monate lang testen. Der siebente Bezirk zeigt sich gesprächsbereit. Auch die Stadt Wien gibt sich „offen“, fordert aber eine Machbarkeitsstudie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2008)