Die Aktie des Kärntner Beteiligungsunternehmens stürzt ab, Genussscheininhaber müssen zittern.
Wien(b.l.). Lange Zeit hat die Aktie der AvW Invest AG, einer Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Krumpendorf, der Finanzkrise scheinbar getrotzt. Während die meisten anderen österreichischen Titel in den vergangenen Monaten massiv abstürzten, stieg die AvW-Aktie– bei vergleichsweise geringem Umsatz– an und wurde Ende September im Prime Market der Wiener Börse um 164,30 Euro gehandelt. Dann kam der Absturz. Am Freitagnachmittag kostete sie zwischenzeitlich 25 Euro, erholte sich dann aber wieder ein wenig.
Aktie stürzt massiv ab
Begonnen hatte der Absturz am Donnerstag: Da hatte das Papier um 51 Prozent nachgegeben. Am Freitag wurde schließlich auch der Grund bekannt: Die AvW-Gruppe, die zu 74 Prozent an der AvW Invest AG beteiligt ist, teilte mit, dass man Opfer von „Malversationen“ geworden sei. Ein Prokurist habe Wertpapiertransaktionen ohne Wissen und Genehmigung des Vorstandes getätigt. Er wurde von Firmenchef Wolfgang Auer von Welsbach angezeigt, die Staatsanwaltschaft ermittelt, auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) stellt Untersuchungen an. Welcher Art die heimlichen Geschäfte waren, wollte man bei der FMA nicht sagen. Auch über die Schadenshöhe wurde vorerst nichts bekannt gegeben.
Bedeckt hält man sich auch bei der AvW-Gruppe. Nur dass es sich um „komplexe Transaktionen“ gehandelt habe und dass man auch eine allfällige Mitwirkung der beteiligten Banken prüfe, gab man per Aussendung bekannt. Betroffen von den „Malversationen“ sei jedenfalls nur die Gruppe, nicht aber die börsenotierte AvW Invest.
Das dürfte die Inhaber von AvW-Substanzgenussscheinen („AvW-Index“) kaum beruhigen. Denn diese werden von der AvW- Gruppe begeben. Bisher konnte man sie alle zehn Tage an die Gruppe zurückverkaufen. Derzeit ist das nicht möglich. Die Auszahlungen an die Kunden wurden gestoppt. Bereits am Donnerstag wurde das Papier, dessen Wert im September von der AvW-Gruppe mit mehr als 3000 Euro festgelegt wurde, am Sekundärmarkt an der Frankfurter Börse nur noch um 2400 Euro gehandelt. Wann die Anleger ihr Geld erhalten und ob überhaupt, ist fraglich.
Der Genussschein hatte seit seinem Bestehen 1995 pro Jahr eine Rendite von jeweils mehr als zwölf Prozent abgeworfen. Man rühmte sich, noch keinen Monat mit negativer Performance hinter sich gebracht zu haben. Besorgten Anlegern, die fragten, warum die AvW von der Finanzkrise so gar nichts zu spüren bekommt, erklärte man, das hänge damit zusammen, dass das Unternehmen keine Bankkredite hat.
„Diese Firma war schon immer sehr intransparent“, sagt Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. Er sei dem Produkt seit Langem äußerst negativ gegenüber gestanden. „Niemand konnte Auskunft geben, wie der Wert dieses Index überhaupt berechnet wird.“ Das System habe so lange funktioniert, so lange mehr Leute ein- als ausgestiegen seien.
Wenig Hoffnung für Anleger
Den Anlegern, die in den vergangenen Tagen vergeblich versucht haben auszusteigen, macht Rasinger nicht viele Hoffnungen. „Falls das Vermögen liquidiert wird, gehen die Chancen, dass die Anleger noch ihr Geld bekommen, gegen null.“ Denn beim Substanzgenussschein handle es sich nicht einmal um ein Sondervermögen wie bei einem Fonds.
Bei der AvW-Gruppe wollte man sich am Freitag telefonisch nicht äußern. Per Aussendung bestreitet man, dass es so schlimm sei, und beteuert, dass man zwar einen Liquiditätsengpass habe, dass dieser aber keineswegs existenzbedrohend sei. Nächste Woche will AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach persönlich mit den Medien reden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2008)