Wie man 62 Millionen Euro im Gießkannenprinzip verteilt. Der Fußball ist bei den Förderungen absoluter Spitzenreiter.
Im Bundeskanzleramt wurde am Freitag der Endbericht zur Fußball-Europameisterschaft 2008 von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, Heinz Palme (Euro-Koordinator der Bundesregierung, Christian Schmölzer (Turnierdirektor Österreich) und ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig präsentiert. Für den Bund beliefen sich die Gesamtkosten auf rund 133 Millionen Euro, darin sind der Aufbau der längerfristigen Stadioninfrastruktur, Verkehrs- und Kombiticketkonzept, Tourismuswerbung, Nachhaltigkeitskonzept, Begleitprogramme (Kunst- und Kulturprojekte; „Österreich am Ball“) enthalten.
Die endgültige Bewertung der wirtschaftlichen Wirkungen der Euro auf Österreich kann in diesem Bericht noch nicht dargestellt werden, da zahlreiche Auswertungen erst im Jahr 2009 vorliegen werden. Das vom Bund zur Verfügung gestellte Budget wurde eingehalten, es kam zu keinen Kostenüberschreitungen. Rein sportlich gesehen hat Österreich jedenfalls nicht zu den Gewinnern gezählt, nach der Vorrunde war Endstation.
Was die Förderungen betrifft, so ist der Fußball hierzulande absoluter Spitzenreiter, im Jahr 2007 wurden insgesamt 14,8 Millionen Euro in diese Sportart gebuttert. Das Flaggschiff, die Nationalmannschaft, rechtfertigt diese Summe jedenfalls nicht. Auch auf Vereinsebene wartet man vergeblich auf durchschlagende Erfolge, der Großteil des Geldes fließt allerdings in die Breite.
Keine Förderung für Boccia
Insgesamt flossen in den österreichischen Sport im Jahr 2005 46,706.556 Millionen, ein Jahr später 54,851.063 Millionen Euro. Für heuer kann man mit rund 62 Mio. rechnen. Gefördert werden nicht nur Sportarten, die im Olympia-Programm stehen, sondern ebenso viele „Randsportarten“. Auch Casting, Softball, Floorball, Bahnengolf, Wurftaubenschießen und Tauchen werden bedacht – oder der österreichische Aero-Sport (detaillierte Summen dazu finden sich in der nebenstehenden Grafik). Nur für Boccia hat man in Österreich offenbar (noch) nichts übrig.
Spezielle Förderungen schüttet das Bundeskanzleramt, Sektion Sport, aus. Das Entscheidungsgremium (137 Beschlüsse) hat heuer bisher 319 Athleten von 36 Bundesfachverbänden in einer Gesamthöhe von 2,575.000 Euro unterstützt. Davon wurden 1,311.000 im Rahmen des Förderprogramms „Spitzensport“, 763.000 im Rahmen des Förderprogramms „Olympia“, 39.000 für den Hoffnungskader und 84.000 Euro im Rahmen des „Kaderförderung“ investiert.
Für die Olympischen Sommerspiele wurde eine Art Sonderbudget erstellt, unterm Strich schauten drei Medaillen (Silber im Judo durch Ludwig Paischer; Bronze im Schwimmen Mirna Jukic; Violetta Oblinger-Peters Wildwasser) heraus. Für Peking wurden beispielsweise den Judokämpfern 143.000 Euro extra zur Verfügung gestellt, dem Tischtennisverband 91.000, dem Schwimmverband 78.000, für die Schützen blieben auch noch 66.000, für die Triathleten waren es knapp 100.000. Um der Segel-armada das Abenteuer China zu ermöglichen, mussten 253.000 Euro aufgestellt werden. Die Kletterer, die zur Weltspitze gehören, müssen es viel billiger geben. Angela Eiter, Gesamtweltcupsiegerin 2004, '05, '06, Weltmeisterin 2005 und 2007, muss sich mit ihren Kolleginnen mit fast schon bescheidenen 5500 Euro begnügen.
Auch der Skiverband muss nicht leer ausgehen, laut Aufzeichnungen des Bundeskanzleramtes werden 277.000 Euro zur Verfügung gestellt. Begünstigt werden nicht nur die alpinen, sondern auch die nordischen Vertreter (Skispringen, Kombinierer, Langlauf).
Projektanträge bei Top-Sport-Austria für die vierte Quartalssitzung können übrigens noch bis 18. November eingebracht werden, bislang gibt es erst drei Bewerber: das Herren-Handballnationalteam, die Tennisspielerin Sibylle Bammer und ein Volleyball-Trio.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2008)