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Haider-Verabschiedung: „Er hat niemanden kalt gelassen“

(c) APA (Barbara Gindl)
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25.000 Kärntner und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland haben in Klagenfurt den tödlich verunglückten Landeshauptmann auf seinem letzten Weg begleitet.

KLAGENFURT. Selten waren die Straßen und Plätze Klagenfurts so dicht gefüllt wie am vergangenen Samstag. Nie zuvor lagen so viel Stille und Trauer über der Kärntner Landeshauptstadt. 25.000 Kärntner gaben dem vor einer Woche tödlich verunglückten Landeshauptmann die letzte Ehre. Auch die gesamte Bundesregierung, alle Landeshauptleute und persönliche Freunde aus dem In- und Ausland verabschiedeten sich persönlich von Jörg Haider.


 

Allen voran zollte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer dem Verstorbenen „Respekt und Anerkennung“ und strich die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit hervor. Der Kanzler forderte Haiders Gegner auf, „jetzt zu versöhnen, was im Leben nicht versöhnlich war“. Der Kärntner Landeshauptmann sei immer vom Willen getragen gewesen, das Beste für seine Heimat zu tun, betonte Gusenbauer. Haider habe vieles gewollt, nicht alles, aber sehr vieles erreicht: „Die große Anteilnahme zeigt, dass Haider die Menschen bewegt hat. Man muss anerkennen, dass er ein außergewöhnlicher Mensch gewesen ist, der viele Menschen zu begeistern aber auch Widersprüche auszulösen vermochte: „Haider hat niemanden kalt gelassen, im positiven wie im negativen Sinn.“

Haider habe auch, so Gusenbauer ein sehr feines Gespür dafür gehabt, was sich ändern muss. Diese Sensibilität habe ihn von anderen herausgehoben, auch wenn seine Antworten nicht immer von allen anerkannt worden seien. Oft habe man den Fehler gemacht, schon seine Kritik an bestehenden Verhältnissen zu kritisieren. Das aber sei ein Fehler gewesen, weil Kritik das „Salz in der Suppe“ ist.

Nach einer Verabschiedung im engsten Familienkreis war der Eichensarg mit Haiders sterblichen Überresten im Klagenfurter Landhaushof auf eine Lafette verladen worden, die ein „Pinzgauer“ zum Neuen Platz zog. Dort wurde er von 10.000 Trauergästen, Vereinsabordnungen aus dem ganzen Land und einer Ehrenkompanie des Bundesheeres erwartet. Hunderte Sänger intonierten das Lied „Bist du nit bei mir“.

Am Rednerpult betonte der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber, dass er und seine Kollegen aus allen Bundesländern gekommen seien, um Kärnten die Verbundenheit und die Wertschätzung für den Verstorbenen auszudrücken.

Die Leistungen Haiders für das Land Kärnten würdigte Gerhard Dörfler, der bis zur Landtagswahl im März nächsten Jahres an der Spitze des Landes stehen wird. Es gehöre zum Vermächtnis Haiders, dass alle Menschen gleich seien, dass es kein Oben und kein Unten gibt. Haider habe Kärnten offener, jugendlicher, moderner und damit „sommerlicher“ gemacht. Er sei vom Ziel beseelt gewesen, dass es allen Menschen besser geht. Darüber hinaus habe er dem Land Selbstbewusstsein verliehen. „Du wirst immer da sein. Deine Spuren sind ewig“, verabschiedete sich Dörfler von seinem Vorgänger und „persönlichen Freund“.

„Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf“, versprach der designierte BZÖ-Landesobmann Landesrat Uwe Scheuch. Er appellierte an alle Menschen, das Erbe Haiders weiter zu tragen und Kärnten nach dessen Vorstellungen weiter zu gestalten. In sehr persönlichen Worten schilderte Scheuch die Reaktion seines elfjährigen Sohnes auf die Nachricht von Haiders Tod: „Papa, das kann nicht sein. Ein Landeshauptmann kann nicht sterben“, habe der Bub gesagt. Er glaube sein Sohn habe das richtig gesagt, schloss Scheuch.

Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher nannte Haider einen „ganz Großen“, der als Politiker und als Freund neue Maßstäbe gesetzt hat. Er zog einen Vergleich mit dem Kartenspiel und meinte: „Der Herzkönig ist nicht mehr im Spiel!“ Mit dem Ruf „Du bleibst unvergessen!“ verließ Scheucher das Rednerpult und schloss Witwe Claudia Haider in aufrichtiger Anteilnahme in die Arme.

Beim anschließenden Requiem im Klagenfurter Dom waren nur geladene Gäste, rund 600, zugelassen. Im ersten Gebet dankte Diözesanbischof Alois Schwarz Gott „für das Leben und für das Wirken von Landeshauptmann Jörg Haider, der viele Jahre hindurch das Land Kärnten und die Menschen, die hier wohnen, in politischer Verantwortung begleitet und betreut hat“. Viele, die hier versammelt sind, quäle die Frage nach dem Warum.

Der Grazer Bischof Egon Kapellari würdigte in seiner Predigt den Verstorbenen als einen „brennenden und einen über sein jeweiliges Lebensalter hinaus immer mit einer jugendlichen Dynamik ausgestatteten Menschen“. Haider sei mit einer „außerordentlichen Kraft im Denken, Fühlen, Wollen und Tun“ begabt gewesen: „Sein Maß war kein Mittelmaß, er war ein Mann mit einem Kämpferherz.“ Als solcher habe der Landeshauptmann viele Auseinandersetzungen geführt, „er hat auch verletzt und wurde selbst verletzt“.

 

„Wieder ein Licht angezündet“

Für viele sei er über die soziale Dimension seiner Politik hinaus ein auch im Einzelfall bewährter Helfer gewesen. Die allgemeine Trauer um Jörg Haider sei, so Kapellari, nicht nur emotional sondern auch sachlich begründet. Deshalb sei der Respekt für seine vielgestaltige Lebensleistung auch vom politischen Gegner „vielstimmig zum Ausdruck gebracht“ worden.

Nach der Kommunion bedankte sich Witwe Claudia Haider im Namen ihrer Familie für die Anteilnahme. Diese spende „viel Trost auf dem langen, steinigen Weg der Trauer“. Vor allem Bischof Kapellari sagt sie „Danke“. Er sei für sie schon oft ein treuer Hirte gewesen, und habe ihr auch jetzt in diesen schweren Stunden „wieder ein Licht angezündet“.

Nach der Messe, bei der das Requiem in d-moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung gebracht worden war, brachte der Konduktwagen den Sarg nach Villach, wo Haiders Leichnam eingeäschert wurde. Die Beisetzung der Urne in der Kapelle St. Michael im Bärental soll im engsten Familienkreis stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2008)