Volkstheater: Operetten-Liebling spielt Filmstar leise an die Wand

(c) AP (Stephan Trierenberg)
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Neil Simons „Sonny Boys“ mit Harald Serafin und Peter Weck, ein charmanter Flop. Das Alter der Protagonisten ist nicht dran schuld.

Das Volkstheater will offenbar nicht nur junge Trash-Fans, sondern auch Senioren locken – und tritt hierbei in die Fußstapfen der Josefstadt: In deren Kammerspielen waren die letzten „Sonny Boys“ zu sehen: mit Otto Schenk und Helmuth Lohner 1999, sowie mit Siegfried Lowitz und Karl Merkatz 1988. Neil Simon, 1927 in New York City geboren, schrieb viele, oft in wunderbaren Besetzungen verfilmte Stücke wie „Barfuß im Park“ oder „Ein seltsames Paar“.

„Sonny Boys“ wurde 1972 uraufgeführt. Die Geschichte zweier Comedians, die Jahrzehnte gemeinsam Erfolge feierten, einander hassen, aber noch einmal für eine Nostalgie-Show auftreten sollen, ist nicht nur eine betagte Komödie, sondern wie viele erfolgreiche Broadway-Stoffe ihrerseits eine Rückblende: auf die fünfziger und sechziger Jahre. Der Niedergang der bereits seit dem späten 19. Jahrhundert bestehenden Stand-up-Comedy (einer steht auf und macht Witze) wurde viel beklagt. Das Fernsehen sei schuld, hieß es. Die Comedy war schnell wieder da: im Fernsehen, wo sie, in punkto Rasanz und Inhalt dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst, bestens funktioniert. Vor diesem Hintergrund ist „Sonny Boys“ mit seinen behäbigen Dialogen, die viele Uralt-Jokes enthalten, hoffnungslos verstaubt. Das Beste ist der letzte Akt, wenn sich die zwei Feinde beinahe versöhnen...

Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg, selbst Schauspieler und nicht mehr jung, hat inszeniert – und immerhin eine tolle Besetzung aufgetrieben: die beiden rüstigen End-Siebziger Peter Weck und Harald Serafin. In Interviews war zu lesen, dass Serafins joviales Dröhnen, seine Vitalität gedämpft werden mussten; dieser bekannte, er habe dabei viel gelernt. Dieser Lernprozess war sinnlos. Das Volkstheater, viel größer als die Kammerspiele, braucht Präsenz und Lautstärke. Über diese verfügt der ehemalige Operetten-Star Serafin naturgemäß, der Filmstar und ehemalige wunderbare Theaterschauspieler Weck kaum (mehr).

Nun murmeln beide, was in den hinteren Rängen zu Irritationen führen dürfte, speziell bei einem Stück, das sich an Senioren wendet. Für die doch recht fundamentalen Fehltritte, die hier vorliegen – betagtes Stück, falscher Raum, falscher Ton – ist die Aufführung trotzdem ganz vergnüglich geraten. Denn Weck wie Serafin sind nicht nur Routiniers, sondern wohl auch leidenschaftliche Komödianten, als solche haben sie durchaus allerliebste Momente.

Etwa wenn Weck als Willie Clark seinen Neffen (viel zu missmutig: Alexander Jagsch) bis aufs Blut sekkiert, dessen Kinder ständig mit falschen Namen versieht und seinen ehemaligen Partner Al Lewis – der ihm mit Spucken auf die Nerven geht – mit kleinen Änderungen im Text auf die Palme treibt, in dem er ständig „Hereinspaziert!“ statt „Herein!“ ruft. Während Willie (Weck) im letzten Akt seinen schönsten Auftritt hat, wenn er, schwer krank, ungebeugt und jetzt erst recht so richtig lästig, die Krankenschwester (robust, energisch, passend: Johanna Mertinz) zunächst fertig dann anmacht, ist Al (Serafin) durchgehend präsent – und wenn er nichts redet, dann mimisch.

Zwei alte Freunde auf der Parkbank

Mit seinem mal verärgerten, mal boshaften, dann wieder treuherzig verschmitzten Blick aus schwarz umrahmten Brillengläsern erinnert er leicht an Walter Matthau. Und anders als der knautschige Willie, der Pyjama und Morgenmantel ungern auszieht, scheint Serafin immer einen imaginären Frack zu tragen. Beinhart sollten die zwei Künstler, die im Leben Freunde sind, miteinander umgehen. So war es zumindest versprochen. Davon ist keine Rede. Zwei alte Herren sitzen auf der Parkbank, granteln und gifteln einander an, dass es eine Freud' ist – und zeitweise zum Einschlafen.

TERMINE

„Sonny Boys“ von Neil Simon mit Peter Weck, Harald Serafin, Alexander Jagsch, Christoph F. Krutzler, Regie: Michael Schottenberg. Bühne: Hans Kudlich. Geplant sind 50 Abende. Nächste Vorstellungen: 21., 28., 30.10. ? 52111/400/422.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2008)

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