SPÖ-Chef Werner Faymann lässt aufhorchen: Die kleinere Volkspartei soll die gleiche Zahl an Ministerien erhalten, sagte er am Sonntag.
Eine noble Geste: Die SPÖ bietet der Volkspartei die gleiche Zahl an Ministern in einer künftigen Regierung an. Zumindest der sozialdemokratische Parteichef will dies und hat sich damit selbst jeden Spielraum, jedes in dieser Situation übliche Taktieren genommen. Und das auch noch vor Beginn der Koalitionsverhandlungen.
Nein, nicht von 2006 und Alfred Gusenbauers ausschließlichem Streben nach dem Bundeskanzlersessel ist da die Rede. Koste es, was es wolle, war damals Gusenbauers Strategie (die gar keine war): Hauptsache, der Sandkistentraum geht in Erfüllung. Zwei Jahre später steht Werner Faymann an der Spitze des SPÖ-Verhandlungsteams. Seine Partei liegt nun nicht nur zwei Mandate vor der Volkspartei, anno 2008 sind es gleich fünf. Und dennoch: Der neue Mann, der dem glücklosen Nochkanzler folgen soll, kopiert diesen in einer frappant ähnlichen Weise. Zuerst hat er sich jede (theoretische) Alternative – eine Variante, in der auch das BZÖ und/oder die FPÖ im Spiel ist – genommen. Will er eine Regierung mit einer Mehrheit im Nationalrat, dann kommt nur die ÖVP als Partner infrage. Und jetzt folgt mit der gleichen Zahl an Ministern die Kapitulation, wahrscheinlich überlässt er der ÖVP auch noch alle Schlüsselministerien. Was hat da Werner Faymann zur Selbstaufgabe seiner eigenen Stärke bewogen? Vielleicht auch ein Bubentraum vom Kanzlersessel? (Bericht: S.1)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2008)