Die Rettung der Constantia Privatbank mittels Staatsgarantie war ein Fehler.
Jetzt hat also auch Österreich seine De-facto-Bankenpleite: Die noble Constantia Privatbank (CPB) musste, wie berichtet, Ende voriger Woche von der Konkurrenz aufgefangen werden. Auf massiven politischen Druck hin, wie man hört. Denn Erste, Raiffeisen&Co. haben derzeit wahrlich andere Sorgen, als sich auch noch eine an die Wand gefahrene Kleinbank umzuhängen.
Bei der ersten Rettungsaktion ist damit gleich der erste gravierende Fehler passiert: Die CPB wäre der klassische Fall fürs Handelsgericht (das ironischerweise neuerdings in einem Gebäude residiert, das der bis vor Kurzem von der CPB gemanagten Immofinanz gehört) gewesen. Und zwar aus mehreren Gründen:
•Die CPB ist keine „Systembank“, ihr Scheitern hätte die heimische Bankenlandschaft kaum ins Wanken gebracht. Kleinanleger hatten dort vorwiegend ihre Immofinanz/Immoeast-Aktien deponiert. Die wären als Sondervermögen von einer Insolvenz nicht betroffen gewesen.
•Sie ist ganz klar kein Opfer der Welt-Finanzkrise. Ihre Schieflage ist durch undurchsichtige Im-Kreis-Geschäfte in der CPB/Immofinanz/Immoeast-Gruppe entstanden, die ein zuletzt offenbar leicht überforderter Multivorstand (alle Unternehmen hatten mit Karl Petrikovics den selben Vorstandsvorsitzenden) zu verantworten hatte. Begünstigt wurde das Ganze von einer inkompatiblen Gruppenstruktur und von Aufsichtsräten, die die Im-Kreis-Geschäfte entweder nicht mitbekommen (was schlimm genug wäre) oder gedeckt haben.
•Dass die großen Abflüsse der vergangenen Woche offenbar von Mitgliedern der Eigentümerfamilie und „gutinformierten Kunden“ mit verursacht wurden, hat der Markt offenbar auch nicht als vertrauensbildende Maßnahme gesehen.
Mit anderen Worten: Hier liegt klassisches Missmanagement vor. Da haben die Erben eines großen österreichischen Industriellen innerhalb weniger Jahre ihre Bank verjuxt. Das kommt, so bedauerlich das sein mag, gelegentlich vor. Ist aber wirklich kein Grund dafür, die Steuerzahler durch eine Staatsgarantie in Haftung zu nehmen.
Dafür wurde das Bankenrettungspaket, das wir für die mit Garantie kommenden wirklich großen Brocken noch dringend brauchen werden, wahrlich nicht beschlossen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2008)