Andreas Schieder könnte Doris Bures als SPÖ-Geschäftsführer beerben. In der ÖVP kursieren vier Namen.
WIEN. Die eine hat – zumindest das Match um Platz eins – gewonnen, der andere auf allen Linien verloren: Doris Bures und Hannes Missethon. Trotzdem werden die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin und der ÖVP-Generalsekretär nicht mehr lange auf ihren Posten sitzen. Während Missethon einem verdienten, wenn auch nicht gewollten längeren Urlaub entgegenblickt, kann sich Bures mit relativer Sicherheit auf ein Ministeramt freuen.
Schon jetzt koordiniert sie, interessanterweise mit Innenministerin Maria Fekter, die Koalitionsverhandlungen. Und nach getaner Arbeit scheint ihr mehr vergönnt zu sein als „nur“ das Frauenministerium. Ihr Chef, Werner Faymann, konnte schließlich auch im Infrastrukturressort punkten.
Doch wer zieht nach Bures in die Löwelstraße? Eine Rückkehr von Verteidigungsminister Norbert Darabos in die SPÖ-Zentrale ist entgegen vieler Gerüchte nicht sehr wahrscheinlich. Bleibt er nicht Minister, soll er am ehesten als Landtagspräsident ins Burgenland gehen, wo Darabos bis 2003 Landesgeschäftsführer war. Dass er als Klubobmann im Parlament statt Josef Cap eingesetzt wird, ist nicht realistisch. Dazu hat Darabos zu wenig Parlamentserfahrung. Und Bures, die zwar jetzt Vizeklubchefin ist, hat – wie erwähnt – ein sicheres Ticket für die Regierung. Womit Josef Cap gute Karten hat zu bleiben. Für die SPÖ-Geschäftsführung taucht dafür neuerdings der Name Andreas Schieder auf. Er ist wie Faymann Wiener und seit Sommer Staatssekretär, davor war er außenpolitischer Sprecher der SPÖ.
Strasser aus dem Rennen
Missethon dürfte jedenfalls noch bis zum ÖVP-Parteitag am 28. November als eine Art „Dead Man Walking“ im Amt bleiben. Denn die Personalie Generalsekretär hängt unmittelbar mit der künftigen Staatsrolle der ÖVP zusammen. Parteipsychologisch klingt das so: In Opposition wäre ein „Wadlbeißer mit Kampagnenerfahrung“ die Bestbesetzung für die Zentrale. Für die Regierung brauche es hingegen einen „Konsenstypen“.
Als Favoriten für den Wadlbeißer-Typus gelten zwei Landesgeschäftsführer mit langjähriger Innenministeriumserfahrung: der Niederösterreicher Gerhard Karner und der Tiroler Johannes Rauch. Im Zusammenhang mit der Konsensvariante fallen immer wieder die Namen Stephan Pernkopf und Fritz Kaltenegger. Der eine, Pernkopf, ist Josef Prölls Büroleiter im Umweltministerium, der andere ist Pernkopfs Vorgänger und seit September 2005 Bauernbund-Direktor.
Pröll habe bei dieser Entscheidung freie Hand, versichern Partei-Insider. Wobei das in der ÖVP relativ ist: Denn wie alle Schlüsselpersonen müsse auch der neue Generalsekretär „bündisch und geografisch“ ins Gesamtbild passen.
Einer, der zuletzt immer wieder genannt wurde, dürfte inzwischen aus dem Rennen sein: Exinnenminister Ernst Strasser habe eine andere Lebensplanung, heißt es.
DIE PARTEISEKRETÄRE
■Mit wechselndem Geschickund wechselndem persönlichen Erfolg agierten die Geschäftsführer von SPÖ und ÖVP in den letzten Jahren: Bei der ÖVP darf Generalsekretär Hannes Missethon nur noch bis zum vorgezogenen Parteitag Ende November agieren. Michaela Mojzis, die ihm zur Seite gestellte Geschäftsführerin, zieht sich schon jetzt zurück. Reinhold Lopatka, der den Wahlkampf 2006 verloren hat, wurde hingegen noch mit einem Staatssekretariat belohnt. Auch Maria Rauch-Kallat schaffte es nach dem Wahlsieg 2003 in die Regierung.
■In der SPÖ nutzten nur Doris Bures und Norbert Darabos die Parteizentrale als Sprungbrett. Sie hievten 2006 ihre Partei entgegen aller Prognosen an die erste Stelle und stiegen prompt zu Ministerehren auf. Dass Bures nun erneut den Wahlkampf leitete, lag daran, dass Josef Kalina noch vor dem Abgang Alfred Gusenbauers nach internen Differenzen in die Wüste geschickt wurde. Andreas Rudas, der 1999 mit Viktor Klima Prozentpunkte und das Kanzleramt verloren hatte, musste gehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2008)