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Kärnten: Die Macht der „Landesmutter“

Claudia Haider
(c) APA (BARBARA GINDL)
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Stefan Petzner könnte bald Geschichte sein. Von einer Entfremdung zwischen ihm und Claudia Haider wissen Eingeweihte zu berichten. Die Witwe von Jörg Haider kann auf die Sympathie der Kärntner setzen.

Stefan Petzner mag designierter Obmann des BZÖ sein, Gerhard Dörfler designierter Spitzenkandidat des BZÖ für die Kärntner Landtagswahl. Doch die Autorität in diesen Tagen des Machtvakuums hat jemand anderer inne: Claudia Haider, die Witwe. Das Kärntner Bärental bleibt das Gravitationszentrum der orangen Welt.

Stefan Petzner könnte schneller als erwartet Geschichte sein. Von einer Entfremdung zwischen ihm und Claudia Haider wissen Eingeweihte zu berichten. Die teils sehr emotionalen öffentlichen Bekenntnisse des selbst ernannten „Lebensmenschen“ von Jörg Haider sollen der Ehefrau des Verstorbenen gar nicht behagt haben. Ein Indiz dafür: Petzner wurde während des Großteils der Trauerfeierlichkeiten am Samstag in den hinteren Reihen versteckt. Im BZÖ rechnet man damit, dass Stefan Petzner in den kommenden Tagen freiwillig seinen Verzicht auf die Haider-Nachfolge verkündet.

Doch auch wenn sich Petzner wider Erwarten länger im Amt hält: Die Distanz zwischen Wien, wo er den Klubobmann geben soll, und Kärnten, dem wahren BZÖ-Machtzentrum, wird auf Dauer zu groß sein. Petzner wird von den „Kärntner Freunden“ bald zum „Wiener“ gestempelt werden – damit ist sein politisches Schicksal besiegelt.

Doch wer wäre überhaupt in der Lage, das BZÖ bundesweit erfolgreich zu führen? Die logische Antwort wäre: Karl-Heinz Grasser. Er hätte jenen Star-Status, der den BZÖ-Anhängern an Jörg Haider so gefiel. Der Kärntner Grasser könnte das Bedürfnis seiner Landsleute nach Glanz und Glamour stillen. Und er könnte aufgrund seiner überregionalen Bekanntheit – was das Wichtigste ist – auch künftige Wahlerfolge sicherstellen.

Doch abgesehen davon, dass Grasser kurz nach Haiders Tod bereits abgewunken hat, müsste er erst einmal gefragt werden. Und Grasser hat in der aktuellen BZÖ-Führungsriege nicht nur Freunde. Mit Generalsekretär Martin Strutz etwa, zuletzt von Haider nach Jahren der Verbannung in die relative Bedeutungslosigkeit wieder in seinen engsten Kreis erhoben, verbindet ihn eine langjährige Männerfeindschaft. Allerdings: Im BZÖ, so hört man, sei derzeit „alles im Fluss“.

 

Kampagne für Claudia Haider

Auch der biedere Gerhard Dörfler, bisher Landeshauptmannstellvertreter, wird im orange-freiheitlichen Kernland Kärnten wohl nicht mehr als ein interimistischer Nachlassverwalter sein können. Er soll das BZÖ in die Landtagswahl im Februar oder März 2009 führen, so ist es ausgemacht, aber fix ist das nicht. Denn im Umkreis des BZÖ formieren sich bereits Komitees, die für Claudia Haider Stimmung machen, Weggefährten Jörg Haiders, die sie nach der Trauerphase überreden wollen, auch das politische Erbe ihres Mannes in Kärnten anzutreten. Die „Landesmutter“ soll Kärntens erste Landeshauptfrau werden. So bliebe das Vermächtnis Jörg Haiders bestmöglich gewahrt.

In der Bevölkerung ist die herzliche, unaffektierte Claudia Haider beliebt. Die Mitstreiter ihres Mannes würden im Wahlkampf für sie rennen. Die Frage ist nur, ob sie sich das antun will. Claudia Haider gilt nicht als eine, die mit letzter Konsequenz ihre Ziele verfolgt. Sie soll auch recht rasch wieder das Interesse an Angelegenheiten verlieren, die ihr zuvor noch wichtig erschienen. Unterschätzen sollte man sie freilich nicht. Claudia Haider hat sich im Laufe der Jahre ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut. Und ohne ihren Sanktus geht im BZÖ derzeit gar nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2008)