Zockerpapier mit Verlustpotenzial

Die AUA-Aktie legt eine wilde Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang hin.

Wien. Unter heftigen Tagesschwankungen von 2,82 auf 7,1 Euro und dann zurück auf 4,10 Euro: Volatilität ist ein Hilfsausdruck dafür, was AUA-Aktionäre auf dem Chart der letzten drei Monate zu sehen bekommen. Das zeigt zweierlei: Die AUA-Aktie ist im Vorfeld der Privatisierung zu einem beliebten Zockerpapier geworden. Und die Unsicherheit darüber, wie viel der Bestbieter letztendlich für die finanzmarode Airline hinzulegen bereit sein wird, ist groß.

Fest steht: Wer auf Übernahmepreise von sieben oder acht Euro pro Aktie spekuliert, wird wahrscheinlich Geld verlieren. So viel legt niemand für eine Airline hin, die 900 Millionen Euro Nettoschulden hat und einen Jahresverlust von über 150 Millionen Euro erwartet.

Zumal die Bieter das ja anders sehen: Sie rechnen zur Marktkapitalisierung noch Nettoschulden und erwarteten Verlust (beides müssen sie übernehmen) dazu. Das ergibt einen Gesamtkaufpreis von derzeit rund 1,4 Milliarden Euro oder fast 16 Euro pro Aktie. Die Air France hat schon angedeutet, dass ihr das entschieden zu viel ist. Die definitiven Angebote könnten also eher unter dem derzeitigen Kurs von etwas mehr als vier Euro liegen.

Aber sicher ist gar nichts. Auch die Analysten der großen Banken tappen offenbar im Nebel. Der „Spread“ bei den letztgültigen Kurszielen für die AUA-Aktie ist jedenfalls beträchtlich. Er reicht von 2,75 Euro (UBS) bis 7,10 Euro (Unicredit). Alle diese Kursziele sind freilich vor der jüngsten Gewinnwarnung der AUA errechnet worden. Sie stellen also eher die Obergrenze dar.

Schlimm könnte es für die Aktionäre werden, wenn der Verkauf verschoben werden muss: Dann ist ein Absturz der Aktie nicht zu vermeiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2008)

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