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Neuer BZÖ-Klubchef Bucher: Kampfansage an ÖVP

Josef Bucher
(c) APA (Barbara Gindl)
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Knalleffekt in der Obmannsuche: Der 43-jährige Kärntner Josef Bucher wird überraschend neuer BZÖ-Klubchef. Der designierte Parteichef Stefan Petzner hatte Bucher selbst vorgeschlagen.

Am Ende der längeren konstituierenden Sitzung im Parlament des BZÖ am Mittwoch stand eine faustdicke Überraschung: Josef Buchner, 43-jähriger Kärntner aus Friesach wurde einstimmig zum neuen Klubobmann gewählt. Bucher wird fünf Stellvertreter haben: Den designierten BZÖ-Obmann Stefan Petzner, Ursula Haubner, Herbert Scheibner, Ewald Stadler und Peter Westenthaler. Petzner, der als Favorit galt, sagte nach der Sitzung, er selbst habe Bucher als Klubobmann vorgeschlagen.

"Ich glaube, dass wir uns sehr gut ergänzen", so Bucher über Petzner. Der neue Klubchef sieht in der Trennung der beiden Führungspositionen "überhaupt nichts Ungewöhnliches". Petzner sei als Stratege unverzichtbar, vor allem, da es in den kommenden Jahren einige Wahlen zu schlagen gebe. Petzner wiederum würdigte Bucher als Wirtschaftsprofi, der gerade in Zeiten der Finanzkrise absolutes Know-how vorzuweisen habe.

Stark in Richtung ÖVP


Die Wahl Buchers zum neuen Klubobmann soll unter anderem auch eine wirtschaftspolitische Kampfansage an die Volkspartei sein: "Wir haben Themen, die stark in Richtung ÖVP hineinspielen", gab er im APA-Interview die kommende Richtung für seine Fraktion vor. Vorteile seiner Partei gegenüber der ÖVP sieht Bucher in Wirtschaftsfragen genug: "Wir haben keine Bündestruktur und daher nicht so enge Fesseln."

Das BZÖ will für kleinere und mittlere Unternehmen nicht nur Krediterleichterungen, sondern auch Investitionsanreize schaffen. Bucher fordert eine rasche Steuersenkung. Auf die Oppositionsrolle will sich der 43-Jährige vorerst nicht einstellen. "Wir werden weiter den Weg verfolgen, Rot-Schwarz zu verhindern."

"Ich stehe noch immer da"


Der designierte BZÖ-Chef Stefan Petzner sieht auch nach der Wahl Buchers zum Klubobmann genug Unterstützung für seine Person. "Ich stehe noch immer da", sagte Petzner nach der rund dreistündigen Klubsitzung. Gerüchte, wonach Petzner nicht kandidiert habe, weil er zu wenig Rückhalt habe, sah dieser nicht bestätigt. Das einstimmige Votum sei ein "Signal der Geschlossenheit und des Zusammenhaltes", sagte er.

"Nicht entweder, sondern sowohl als auch", beschrieb Petzner die künftige Aufgabenteilung zwischen Partei und Klub und verwies darauf, selbst als Stellvertreter Buchers zu fungieren. "Wir sind ein Team. Bucher wird den Klub führen und ich als designierter Bündnisobmann die Weichen in der Partei stellen." An seiner Wahl zum künftigen Parteichef und damit Nachfolger des tödlich verunglückten Jörg Haider zweifelte Petzner nicht.

Vertrauensmann der Brüder Scheuch


Mit Josef Bucher führt ein erfahrener Abgeordneter die insgesamt relativ unroutinierte Gruppe der Bündnis-Palamentarier an. Der gebürtige Friesacher kommt aus dem Tourismus und ist im Wirtschaftsflügel der Orangen angesiedelt. Bucher ist ein parteipolitischer Spätstarter, er trat erst 2002 der FPÖ bei und wechselte dann wie praktisch die gesamten Kärntner Freiheitlichen zum BZÖ. Er gilt mittlerweile als Vertrauensmann der Brüder Scheuch, die in Kärnten Bündnischef und Klubobmann geben.

Geboren wurde Bucher am 19.8.1965. Nach Handelsschule, Hotelfachschule und Höhere Bundeslehranstalt für Tourismusberufe heuerte der Tourismuskaufmann in diversen Hotels an, unter anderem im Bristol in Wien. Später wechselte er in den Betrieb seiner Familie, den Metznitztaler Hof, ein Restaurant mit Hotelbetrieb in Friesach, in dem Bucher bis heute in leitender Funktion tätig ist.

In den 90er-Jahren stieg Bucher auch so richtig in die Politik ein, zunächst in diversen Funktionen in der Kärntner Wirtschaftskammer - damals noch unterstützt vom VP-Wirtschaftsbund. 2002 landete der frühere Mitarbeiter von Karl-Heinz Grasser erstmals im Nationalrat, da allerdings schon für die FPÖ. Nebenbei verdingte er sich zeitweise als Landestourismusdirektor in Kärnten sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Kärnten Werbung. Seit 2005 ist der 43-Jährige Finanz- und Budgetsprecher, sowie Tourismus- und Rechnungshofsprecher des BZÖ.

Bucher gilt beim BZÖ schon länger als Option für höhere Weihen. Zwar ab und an als Karl-Heinz Grasser-Verschnitt belächelt, erarbeitete er sich in den letzten sechs Jahren Erfahrung in Wien, die vielen im Klub des Bündnisses fehlt.

(APA/Red.)