Klaus A. Schröder verliert im großen Stil Sponsoren und verlangt dringlichst mehr Subventionen.
Die Presse: Wie läuft die Van-Gogh-Ausstellung? Der Andrang wirkt enorm. Man sieht vor lauter Leuten die Bilder beinahe nicht.
Klaus Albrecht Schröder: Wir hatten bisher über 250.000 Besucher. Dabei ist noch nicht einmal die Hälfte der Laufzeit um. Wahrscheinlich kommen wir also auf deutlich mehr als 500.000 Besucher. Das ist schon recht viel. Die Ausstellung löst weltweites Interesse aus. Sie erwirtschaftet sogar etwas mehr Einnahmen, als sie kostet. Viele Leute kommen wegen Van Gogh nach Wien.
Die Albertina hat die meisten privaten Financiers. Spüren Sie schon die Finanzkrise?
Schröder: Sie trifft die Albertina besonders dramatisch. Wir haben bis zu 50 Prozent unserer Subvention von 5,7 Mio. Euro noch einmal durch private Sponsoren erhalten. Allein die Personalkosten liegen bei knapp 5,1 Mio. Euro im Jahr, die allgemeinen Museumsbetriebskosten bei drei Mio. Euro. 15Mio. Euro ist unser jährliches Betriebsergebnis. Da muss sich der Staat etwas einfallen lassen, sonst werden wir das bisherige Niveau nicht halten können.
Wird es Kündigungen geben?
Schröder: Wir haben viele Formen von Arbeitsverträgen, z.B. Outsourcing. Wir sprechen in einer ersten Phase von etwa 30 Arbeitsplätzen weniger, darunter sind keine Albertina-Angestellten. Trotzdem greifen wir in das Leben anderer Menschen ein.
Haben Sie konkrete Signale, dass sich private Financiers zurückziehen? Die Albertina hat ja diesen International-Friends-Verein.
Schröder: In diesem Verein muss man relativ viel zahlen, daher gibt es nur wenige Mitglieder in den USA. Ich rechne auf jeden Fall künftig von dort mit weniger Unterstützung. Diese Financiers haben uns bislang umfangreiche Publikationen bezahlt. Andere österreichische Museen sind jetzt in einer besseren Situation als wir. Bei Einnahmen, die zehn bis 20 Prozent des Jahresergebnisses ausmachen, spielt ein Rückgang von zehn Prozent keine dramatische Rolle. Wenn sie 70 bis 75 Prozent des Jahres-Betriebsergebnisses selbst erwirtschaften, davon ein Drittel dank Sponsoren, ist ein Rückgang um zehn Prozent eine Katastrophe. Ich habe nicht gedacht, dass ich das noch erleben werde.
Sie wirken sehr pessimistisch. Kein Lichtblick?
Schröder: Für die Wirtschaft bin ich absolut pessimistisch. Alles andere wäre Schönfärberei. Natürlich wird es nach der Finanzmarktkrise eine Wirtschaftskrise geben.
Keine guten Zeiten für Museen, beim Staat vorzusprechen und mehr Geld zu verlangen.
Schröder: Wir müssen uns jetzt sofort auf eine schwierige Phase vorbereiten. Bisher habe ich akzeptiert, dass wir aufgrund unseres Erfolges andere Museen gestützt haben, dass man Subventionen dorthin umgelenkt hat. Aber jetzt muss auch bei der Albertina etwas geschehen. Wir hatten für die nächsten Jahre mit Sponsorenbeträgen in Höhe von mindestens zwei Mio. Euro im Jahr gerechnet. Das wird unter diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht im entferntesten erreichbar sein. Innerhalb einer Woche haben mir bereits drei langjährige Partner fürs nächste Jahr abgesagt: Das heißt minus 200.000 Euro Ertrag.
Sie wollen zwei Mio. Euro mehr im Jahr vom Staat? Ist denn das realistisch?
Schröder: Das klingt nur nach viel in Bezug auf unsere niedrige Basisdotierung von 5,7Mio. Euro. In Wahrheit ist die Albertina, die das zweithöchste Jahresergebnis aufweist, das am niedrigsten subventionierte Museum! Unsere Subvention muss um ein Drittel aufgestockt werden. Ministerin Schmied will sich da auch anstrengen.
Falls Sie Ministerin bleibt...
Schröder: Das wird man sehen. Ich denke, dass es zu einer Großen Koalition kommen wird. Werner Faymann hat klar signalisiert, dass er einen SPÖ-Finanzminister nicht für eine Conditio sine qua non hält.
Sie glauben, Schmied bleibt Kunstministerin? Ist das gut für die Museen?
Schröder: Ich glaube, Schmied ist gern Ministerin. Sie ist eine wirklich gute Gesprächspartnerin für uns Direktoren geworden. Wenn sie es schafft, Mittel zur längst überfälligen Erhöhung der Basisdotierung zu erlangen – das ist ihr vorrangiger politischer Auftrag –, dann wird sie von uns allen weiterhin willkommen geheißen. Sie ist, was Museumspolitik betrifft, in diesen zwei Jahren gewachsen. Sie hat jetzt auch persönlich ein eminentes Interesse an den Museen. Wir teilen ihre Ziele: Sondermittel für Erwerbungen zeitgenössischer Kunst, Erhöhung der Subvention, Erhaltung der inhaltlichen Unabhängigkeit der Museen. Das sind gute Lebensbedingungen für uns. Die Erhöhung der Basisabgeltung ist im Falle der Albertina sogar eine Überlebensbedingung.
ZUR PERSON
■Klaus A. Schröder (53), gebürtiger Linzer, ist Kunsthistoriker. 1981–1983 war er beim ORF tätig, Ende der Achtziger kurz bei der damaligen Wiener Kulturstadträtin Ursula Pasterk. 1988–2000 leitete Schröder das Kunstforum der Bank Austria, 2000 wurde er Direktor der Albertina. Sein Vertrag wurde heuer im Juni bis 2014 verlängert. [Clemens Fabry]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2008)